The Babadook

17. November 2015 at 18:44

 

 

 

The Babadook (2014)
The Babadook poster Rating: 6.9/10 (86,796 votes)
Director: Jennifer Kent
Writer: Jennifer Kent
Stars: Essie Davis, Noah Wiseman, Hayley McElhinney, Daniel Henshall
Runtime: 93 min
Rated: NOT RATED
Genre: Drama, Horror, Thriller
Released: 28 Nov 2014
Plot: A single mother, plagued by the violent death of her husband, battles with her son's fear of a monster lurking in the house, but soon discovers a sinister presence all around her.

 

 

 

„You can’t get rid of the Babadook.”

 

 

 

Die alleinerziehende Mutter und frühere Kinderbuchautorin Amelia Valek arbeitet inzwischen als Altenpflegerin und reibt sich zusehends auf zwischen dem Spagat aus hartem Arbeitsalltag und dem Versuch, ihrem Sohn Samuel gerecht zu werden. Zudem hat sie bis heute nicht den tragischen Verlust ihres Mannes überwunden, der auf der Fahrt ins Krankenhaus am Tag von Samuels Geburt tödlich verunglückte. Sie ist hin und her gerissen zwischen der Liebe zu ihrem Sohn einerseits, aber andererseits macht sie ihn auch für den Tod ihres Mannes verantwortlich. Als Samuel dann auch noch beginnt, seltsame Dinge zu sehen, unter schrecklichen Albträumen leidet und Monster in seinem Zimmer vermutet, macht das die Situation auch nicht unbedingt besser. Ein merkwürdiges Kinderbuch über eine Figur namens Mister Babadook bringt die angespannte Lage langsam zum Kippen. Hat Samuel vielleicht doch recht und der Babadook existiert tatsächlich?

 

The Babadook ist das Spielfilmdebüt der australischen Regisseurin Jennifer Kent und entpuppt sich nach seinem Ende als ganz klassischer Fall von falscher und fehlerhafter Promotion. Hier wird der geneigte und interessierte Zuschauer in eine falsche Richtung gesteuert und muss zwangsläufig enttäuscht werden, so erwartet man anhand von Werbung und Trailer vermutlich einen zwar vielleicht etwas subtilen, dennoch aber waschechten Horrorfilm. Und das ist The Babadook nun wirklich nicht, will er auch gar nicht sein, sondern vielmehr ein psychologisch gut ausgearbeitetes Familiendrama mit dezenten und unterschwelligen Anleihen an das Genre Horrror und einem Hauch klassischem Grusel. Verständlich, wenn auch schade, dass auf diesem Wege Erwartungshaltungen unterlaufen werden und der Film beim Publikum vielleicht schwächer abschneidet, als er es eigentlich verdient hat, denn in vielen Belangen ist The Babadook ein erstaunlich guter Film geworden. Überraschend vielschichtige und präzise ausgearbeitete Charaktere bekommt man hier präsentiert und der Schwerpunkt der Erzählung liegt besonders auf deren Entwicklung, ein Umstand, über den man im Horror nur sehr selten stolpert. Große Teile der Spannung generieren sich aus dem Mutter/Sohn-Konflikt, der sich mit zunehmender Laufzeit unter dem Einfluss des grandios unheimlichen Bilderbuches immer weiter zuspitzt. Gerade die Figur der Mutter Amelia ist besonders interessant, irgendwo zwischen Wahn und tatsächlicher Bedrohung gefangen, wird sie immer unberechenbarer für ihren Sohn und vor allem auch für den Zuschauer. The Babadook erschafft zudem eine ganz eigene, düstere und unheimliche Atmosphäre mit den einfachsten Mitteln, billige und plumpe Schockeffekte wie in modernen Vertretern vermeintlich subtilem Horrors der Marke The Conjuring oder Insidious sucht man hier vergeblich. Die Bildsprache fällt erstaunlich befremdlich aus und setzt sich aus den verschiedensten Elementen zusammen, Anleihen an David Lynch findet man hier ebenso wie an den deutschen Stummfilm, Nosferatu und Das Cabinet des Dr. Caligari kommen einem da in den Sinn, aber auch einigen großen Horrorklassikern der 70er Jahre wie Der Exzorzist von William Friedkin oder Wenn die Gondeln Trauer tragen von Nicolas Roeg wird gehuldigt. Besonders gelungen ist dann auch das Design des Bilderbuches selbst, Mr. Babadook ist ein umwerfend gespenstisch gestaltetes Aufklappbuch, das letztlich sogar auch das Design des Films bestimmt, überwiegend schwarz/weiß ist es gehalten und mit winzigen punktuellen Farbeffekten versehen, und ebenso dominieren beinahe schon aquarellartige blasse Töne den Film selbst, das Haus von Amelia und Samuel wirkt farblos, irgendwie monochrom und nicht besonders einladend. Auch das Spiel mit Licht und Schatten nimmt viel Raum ein, was The Babadook erfrischend altmodisch und gleichzeitig modern wirken lässt. Wenn sich dazu dann noch das fantastisch bedrohliche Sounddesign mischt, dann kann es durchaus zu dem einen oder anderen denkwürdigen Moment mit Gänsehaut kommen, rein handwerklich betrachtet gibt es einige wirklich großartige Szenen, aber leider vergisst der Film darüber hin und wieder, den Zuschauer auch emotional abzuholen und an die Figuren zu binden. Das ist dann auch nicht die einzige Schwäche, die sich The Babadook gelegentlich erlaubt, inhaltliche Schwächen gibt es auch, nicht immer ist alles wirklich logisch und das Finale ist ein wenig übertrieben geraten. Beides wäre kein Problem, wenn der Film sich allein auf einer übernatürlichen Ebene lesen lassen würde, leider ist dies nicht der Fall, denn The Babadook funktioniert auf mehreren Bedeutungsebenen. Wenn dann der rationale Aspekt dem Übernatürlichen ein Bein stellt, dann ist das ein wenig schade.

 

Letztlich ist The Babadook aber doch erfrischend anders geraten als die üblichen Vertreter des modernen Horrors und funktioniert erstaunlich gut, wenn man sich darüber im Klaren ist, dass man es eher mit einem psychologisch sehr fein geschriebenem Familiendrama angereichert mit Gruselelementen zu tun hat. Durch den Verzicht auf die gängigen Tricks und Kniffe wirkt The Babadook nur noch unheimlicher, ist unberechenbar und geht seinen ganz eigenen Weg. Eine wirklich tolle Inszenierung und gute Schauspieler in dichter Atmosphäre treffen auf inhaltliche Schwächen und Stolpersteine im Drehbuch und der Film kann nicht immer emotional fesseln, aber dennoch sollte man The Babadook eine Chance geben. Es lohnt sich. Ein guter, sehenswerter Film, wenn auch nicht der Heilsbringer und Retter eines festgefahrenen Genres, den manche in ihm sehen.

 

7 von 10 selbstgebauten Armbrüsten