The Beach Bum (2019)

4. März 2020 at 3:33

 

 

© Neon/Quelle: IMDb

 

 

 

I go to bed in Havana thinking about you pissing a few moments ago. I looked down at my penis with affection, knowing it has been inside you, twice today, makes me feel beautiful.“

 

 

 

Moondog: Poet, Säufer und Liebhaber vieler Drogen und Frauen. Das Geld seiner reichen Frau Minnie im Rücken lässt ihn seinen schonungslos hedonistischen Lifestyle zelebrieren, doch als diese bei einem Unfall ums Leben kommt, ist das schöne Leben an der Küste Floridas erst einmal vorbei. Ihr Testament verfügt, dass er erst dann Zugriff auf sein Erbe bekommt, wenn er seinen nächsten Gedichtband veröffentlicht.

 

Spring Breakers (2012) gehört zu meinen absoluten Lieblingsfilmen und ist für mich einer der besten Filme der letzten Dekade. Nun liefert Regisseur Harmony Korine sieben Jahre später mit The Beach Bum seine nächste Arbeit und erneut macht er Florida zum Setting für ausschweifenden Hedonismus. Frei, losgelöst und lange Zeit relativ strukturlos mäandert Moondog taumelnd und doch seltsam beschwingt von Exzess zu Exzess, von Drogen, Alkohol und Sex hin zu nur noch mehr Drogen, Alkohol und Sex. Episodenhaft in der Narrative und unter seiner glitzernden Oberfläche mit wenig Substanz versehen, vermag es Korine zusammen mit seinem Kameramann Benoît Debie (Enter the Void, The Sisters Brothers) dennoch, The Beach Bum nicht unähnlich zu Spring Breakers visuell rauschhaft, grell und stellenweise sogar surreal zu gestalten. Und doch wirkt er vergleichsweise leichter, flüchtiger, verspielter. Szenen, Figuren, Dialoge, die Musik, all das ist immerzu im Fluss, wabert ineinander, und dennoch offenbart sich immer wieder eine schwere, dunkle Seite dieser Art zu leben.

 

Sozialrealismus jedoch sollte man nicht erwarten, haben wir es hier doch mit Harmony Korine zu tun. Moondog ist in seiner Zeichnung mindestens, ambivalent, sicherlich streitbar und ganz besonders kein Sympathieträger. Das macht es schwer, sich zu ihm und anderen Figuren irgendwie in Beziehung zu setzen, zumal man sich nie so recht sicher sein kann, ob Korine das alles nun ernst meint oder doch bloß als riesengroßen Witz. Selbst als sich sein Protagonist als egoistisches, rücksichtsloses Arschloch entpuppt, das andere bestiehlt, beleidigt oder angreift, da behält The Beach Bum seinen beschwingten Tonfall bei. Das kann verwirrend wirken und insgesamt erweckt Korines Film den Eindruck einer Sammlung von Ideen und Motiven, teils herausragend, teils schwächelnd, die sich einfach nicht zu einem großen Ganzen zusammenfügen wollen. Dennoch hatte ich meinen Spaß mit Moondog und seinen Eskapaden und habe mich gern mit ihm treiben lassen. Nur mit dem stoischen Gleichmut eines Big Lebowski hat das alles nun wirklich gar nichts gemein.

 

7 von 10 Dosen Bier in der Gürteltasche