I Am Mother (2019)

19. März 2020 at 1:48

 

 

© Netflix/Quelle:IMDb

 

 

 

Die Menschheit wurde ausgelöscht, doch in einem unterirdischen Labor ist ein Roboter mit der Aufgabe betreut, die Erde erneut zu besiedeln. Dazu stehen ihm 63.000 menschliche Embryonen zur Verfügung, welche nach und nach aufgezogen werden sollen. Jahre später kümmert sich Mutter liebevoll um die inzwischen zum Teenager gereiften Tochter, doch als plötzlich eine verletzte Frau vor der Tür steht, da gerät alles aus den Fugen.

 

Mutterliebe und Moral. I Am Mother ist das Regiedebüt des australischen Filmemachers Grant Sputore und die erste Hauptrolle der dänischen Schauspielerin Clara Rugaard. Von beiden werden wir noch viel hören, da bin ich mir sicher. Kammerspielartig entspinnt sich in diesem Low Budget-Sci-Fi-Thriller eine Art Kampf zweier Mutterfiguren um die Gunst der vermeintlichen Tochter. Wem kann diese mehr vertrauen, wem mehr Glauben schenken? Aus dieser Frage zieht I Am Mother viel seiner Spannung, wenn die Welt der Tochter mit der Ankunft der fremden Frau auf den Kopf gestellt wird. Atmosphärisch dicht ist das inszeniert, zwar ruhig im Tempo, das erst im letzten Drittel merklich anzieht, und doch eindringlich erzählt. Sicherlich bedient sich Sputore, der auch am Drehbuch beteiligt war, diverser bekannter Versatzstücke des Genre, und vieles fühlt sich vertraut an, dennoch vermag I Am Mother durchaus eine gewisse Eigenständigkeit zu entwickeln.

 

All das ist weder ästhetisch noch narrativ Neuland, aber kleine, fein nuancierte Verschiebungen heben den Film deutlich über den Durchschnitt. Das reduzierte Setting sieht fantastisch aus und liefert trotz seiner räumlichen Limitierung immer mal wieder tolle Bilder. Vor allem Mother wirkt Dank der eindrucksvollen Arbeit aus dem Hause Weta erstaunlich überzeugend und die Kombination aus dieser kalten Maschine und der liebevoll sanften Stimme von Rose Byrne bietet einen verstörenden Kontrast. Doch auch die menschlichen Figuren überzeugen auf der ganzen Linie. Hilary Swank ist ohnehin meist eine Bank und verkörpert den Eindringling von außen glaubwürdig, aber besonders Clara Rugaard ragt in diesem minimalistischen Ensemble heraus, verleiht sie ihrer Figur der Tochter doch genau die richtige Balance aus Stärke, Verletzlichkeit, Neugier und Misstrauen.

 

Inhaltlich kratzt I Am Mother zwar nur an der Oberfläche seiner verhandelten Themen und Möglichkeiten, wenn die Konflikte nicht wirklich ernsthaft tief gehen, dennoch vermag das Regiedebüt von Grant Sputore in vielerlei Hinsicht zu überzeugen. Visuell, erzählerisch und gerade auch auf der darstellerischen Ebene als Low Budget-Film im Sci-Fi-Genre mit kleinem Cast und räumlich beschränkt durchaus in der Nähe von Moon oder Ex Machina. Aber nur in der Nähe.

 

7 von 10 Ballettstunden im unterirdischen Bunker