The Hunt (2020)

25. Juli 2021 at 21:08

 

© Universal Pictures/Blumhouse Production

 

 

Die Menschenjagd ist eines der ältesten erzählerischen Motive der Filmgeschichte. Schon 1932 begründete The Most Dangerous Game von den Regisseuren Ernest B. Schoedsack und Irving Pichel dieses Sub-Genre des Horrorfilms. Über die Jahrzehnte hinweg fand das viele Nachahmer teils unterschiedlicher Qualität und hier reiht sich nun auch The Hunt von Craig Zobel (Z for Zacharia, Mare of Easttown) nahtlos mit ein. Ungeachtet der Probleme rund um die Veröffentlichung des Filmes, welche im Grunde nur aufzeigen, in welch komplexen Zeiten wir leben, verpackt The Hunt gesellschaftlich bedeutende Themen ausgesprochen schwarzhumorig.

 

Reich, Arm, Rechts, Links, Konservativ, Liberal sowie eine inzwischen überall zu erlebenden Diskussionskultur außer Kontrolle: früher oder später kriegt hier jeder und alles sein Fett weg, unabhängig von Lager oder Ausrichtung. Das mag zwar als eher plumpe Botschaft daher kommen und nicht sonderlich tiefgründig anmuten, ist deswegen aber nicht weniger unterhaltsam in Szene gesetzt. Der Einstieg ist abrupt und das Tempo hoch, lässt in der zweiten Hälfte jedoch merklich nach, um erst im Finale wieder aus dem Vollen zu schöpfen. Wirklich langweilig wird The Hunt zwar nie, doch den rasanten Schwung der ersten Hälfte kann der Film nicht immer mitnehmen.

 

Indem Zobel gezielt bestimmte Motive des Genre bedient und gesellschaftliche Klischees gleichwohl nutzt wie entlarvt, unterwandert er auch immer wieder Erwartungshaltungen, streut falsche Fährten und schlägt munter Haken. Nun erfindet The Hunt auf der Genre-Ebene das Rad zweifellos nicht neu, nutzt diese jedoch bloß als Vehikel für seine gnadenlos bissige sozial-politische Satire. Überspitzung in jeglicher Hinsicht ist hier das Stichwort und so überrascht es wenig, dass auch die Gewaltdarstellung grafisch überaus explizit geraten ist.

 

The most talked about movie of the year is one that no one´s actually seen. Smarte Werbestrategie, sich das angebliche Konfliktpotential des Filmes so zu nutze zu machen. Obwohl The Hunt in allen Richtungen kräftig austeilt, wird ihm der Trubel im Vorfeld der Veröffentlichung nicht gerecht. Was bleibt, ist ein unterhaltsamer Genre-Reißer voller drastischer Spitzen und schwarzem Humor, der unter seiner Oberfläche doch mehr zu erzählen hat, als das blutige Treiben auf den ersten Blick vermuten lassen würde.

 

7,5 von 10 Mal hohe Absätze im Auge haben

 

 

I Am Mother (2019)

19. März 2020 at 1:48

 

 

© Netflix/Quelle:IMDb

 

 

 

Die Menschheit wurde ausgelöscht, doch in einem unterirdischen Labor ist ein Roboter mit der Aufgabe betreut, die Erde erneut zu besiedeln. Dazu stehen ihm 63.000 menschliche Embryonen zur Verfügung, welche nach und nach aufgezogen werden sollen. Jahre später kümmert sich Mutter liebevoll um die inzwischen zum Teenager gereiften Tochter, doch als plötzlich eine verletzte Frau vor der Tür steht, da gerät alles aus den Fugen.

 

Mutterliebe und Moral. I Am Mother ist das Regiedebüt des australischen Filmemachers Grant Sputore und die erste Hauptrolle der dänischen Schauspielerin Clara Rugaard. Von beiden werden wir noch viel hören, da bin ich mir sicher. Kammerspielartig entspinnt sich in diesem Low Budget-Sci-Fi-Thriller eine Art Kampf zweier Mutterfiguren um die Gunst der vermeintlichen Tochter. Wem kann diese mehr vertrauen, wem mehr Glauben schenken? Aus dieser Frage zieht I Am Mother viel seiner Spannung, wenn die Welt der Tochter mit der Ankunft der fremden Frau auf den Kopf gestellt wird. Atmosphärisch dicht ist das inszeniert, zwar ruhig im Tempo, das erst im letzten Drittel merklich anzieht, und doch eindringlich erzählt. Sicherlich bedient sich Sputore, der auch am Drehbuch beteiligt war, diverser bekannter Versatzstücke des Genre, und vieles fühlt sich vertraut an, dennoch vermag I Am Mother durchaus eine gewisse Eigenständigkeit zu entwickeln.

 

All das ist weder ästhetisch noch narrativ Neuland, aber kleine, fein nuancierte Verschiebungen heben den Film deutlich über den Durchschnitt. Das reduzierte Setting sieht fantastisch aus und liefert trotz seiner räumlichen Limitierung immer mal wieder tolle Bilder. Vor allem Mother wirkt Dank der eindrucksvollen Arbeit aus dem Hause Weta erstaunlich überzeugend und die Kombination aus dieser kalten Maschine und der liebevoll sanften Stimme von Rose Byrne bietet einen verstörenden Kontrast. Doch auch die menschlichen Figuren überzeugen auf der ganzen Linie. Hilary Swank ist ohnehin meist eine Bank und verkörpert den Eindringling von außen glaubwürdig, aber besonders Clara Rugaard ragt in diesem minimalistischen Ensemble heraus, verleiht sie ihrer Figur der Tochter doch genau die richtige Balance aus Stärke, Verletzlichkeit, Neugier und Misstrauen.

 

Inhaltlich kratzt I Am Mother zwar nur an der Oberfläche seiner verhandelten Themen und Möglichkeiten, wenn die Konflikte nicht wirklich ernsthaft tief gehen, dennoch vermag das Regiedebüt von Grant Sputore in vielerlei Hinsicht zu überzeugen. Visuell, erzählerisch und gerade auch auf der darstellerischen Ebene als Low Budget-Film im Sci-Fi-Genre mit kleinem Cast und räumlich beschränkt durchaus in der Nähe von Moon oder Ex Machina. Aber nur in der Nähe.

 

7 von 10 Ballettstunden im unterirdischen Bunker