The Dark Half (1993)

26. September 2018 at 18:47

 

 

© Orion Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

Most of us keep that inner-being lock up, hidden away. A fiction writer doesn’t have to do that. He doesn’t have to hide it. He doesn’t have to keep it from anything. He can let it out, bring it out into the open. Let it live, let it breathe. Hell, he can let it party – give it the car keys, let it ride“

 

 

 

Die Romane des Schriftstellers Thad Beaumont werden zwar von der allgemeinen Kritik gelobt, verkaufen sich jedoch eher schleppend. Also erfindet er als Alter Ego George Stark, dessen reißerischen Pulp-Romane großen Absatz finden. Als ihn jemand mit dem Wissen um sein Pseudonym erpressen will, beschließt er kurzer Hand, an die Öffentlichkeit zu gehen und George Stark werbewirksam zu Grabe zu tragen. Doch schon bald häufen sich merkwürdige Vorfälle, es dauert nicht lange, bis Menschen in Thads Umfeld sterben und an den grausamen Tatorten finden sich seine Fingerabdrücke.

 

Dualität ist das erzählerische Leitmotiv, welches weite Teile dieses Filmes dominiert, wenn sich George A. Romero erstaunlich nah an der Romanvorlage von Stephen King hält und sich immer wieder die verschiedensten Dopplungen von Realität und Fiktion finden lassen. Ebenso wie King selbst es war ist sein Thad Beaumont Lehrer und nur nebenbei Schriftsteller und ebenso wie Beaumont sein Pseudonym George Stark schließlich sterben lässt, so verfuhr King mit seinem Pseudonym Richard Bachmann. Kings Werke sind nicht selten autobiografisch angehaucht, doch The Dark Half verwebt die Geschichte eines Schriftstellers im Kampf mit seiner eigenen Identität besonders dicht mit dem Leben des Bestseller-Autors und Romero nimmt all diese Bezüge dankend an und erschafft im Grunde einen Meta-Film über einen Meta-Roman, der seine eigenen Mechanismen zwischen ernsthaftem Anspruch und reißerischer Exploitation reflektiert. George Stark ist Beaumonts dunkle Seite, sein düsteres Alter Ego, die unterdrückten Abgründe seines eigenen Ichs – er braucht Stark, um seine dunkle Seite zu kanalisieren und fiktiv ausleben zu können, fürchtet ihn aber auch zugleich. Timothy Hutton meistert diesen durchaus schwierigen Drahtseilakt Doppelrolle mit Bravour und pendelt unterstützt durch etwas Make-Up unermüdlich zwischen dem etwas biederen Leben des Thad Beaumont und dem geradezu urgewaltigen Wahnsinn eines George Stark, welcher ihm sichtlich Spaß bereitet.

 

Romero entwickelt hier ein starkes Auge für visuelle Details, welche King lang und breit beschreibt: mal ist es ein kurzer Blick auf ein bestimmtes T-Shirt, dann wieder ebenso kurz, aber prominent ins Bild gerückte Bleistifte, welche als eine Art Medium zwischen Beaumont und Stark dienen. Seine Regie mag in The Dark Half zwar etwas konventioneller und eher dem Mainstream angepasst anmuten, offenbart im Detail jedoch immer wieder seine ganz eigene, unverkennbare Handschrift. Zwar ist die Spannungskurve nicht immer die stärkste, fällt gerade im Mittelteil immer mal wieder eher flach aus und The Dark Half könnte auch etwas kürzer sein, aber dennoch weiß der Film zu gefallen und ist zumindest für mich nicht nur eine der besseren Stephen King-Verfilmungen, sondern eine der besten, denn King funktioniert für mich immer in seinen pulpigen Auswüchsen am besten. Sicherlich sind Shining, The Shawshank Redemption oder The Green Mile die besseren Filme, aber solch kleine Exploiter wie Silver Bullet, Pet Sematary, Cujo oder eben The Dark Half sind mir da deutlich sympathischer. Bei King finde ich mein Glück dann eben doch meist eher im Pulp.

 

7 von 10 frisch geschärften Rasiermessern