The Gunman

20. Oktober 2015 at 18:14

 

 

 

The Gunman (2015)
The Gunman poster Rating: 5.8/10 (18,834 votes)
Director: Pierre Morel
Writer: Jean-Patrick Manchette (novel), Don MacPherson (screenplay), Pete Travis (screenplay), Sean Penn (screenplay)
Stars: Sean Penn, Jasmine Trinca, Javier Bardem, Ray Winstone
Runtime: 115 min
Rated: R
Genre: Action, Crime, Drama
Released: 20 Mar 2015
Plot: A sniper on a mercenary assassination team, kills the minister of mines of the Congo. Terrier's successful kill shot forces him into hiding. Returning to the Congo years later, he becomes the target of a hit squad himself.

 

 

 

„That’s the way you want to play it with me? You did your part, I did mine. We all find a way to justify it.“

 

 

 

Jim Terrier ist Teil einer kleinen, unabhängig auf dem freien Markt agierenden Gruppe von Söldnern, die für eine Bergbaufirma ein Attentat auf einen Minister im Kongo durchführen soll, um dadurch noch größere Schürfrechte zu bekommen. Das Attentat gelingt und Terrier muss das Land verlassen. Acht Jahre später hat er die Seiten gewechselt und leistet nun humanitäre Hilfe in Afrika, als man versucht ihn umzubringen. Terrier überlebt, kontaktiert seine einstigen Teamkollegen und deckt nach und nach eine Verschwörung auf, die nicht nur seinen Tod vorsieht, sondern auch bis ganz nach oben reicht….

 

Sean Penn als Hauptdarsteller in einem Actionfilm, kann das funktionieren? Jein! Penn beweist hier durchaus, dass er auch solche Rollen spielen kann, und er hat auf jeden Fall einiges investiert und schwer an seinem Körper gearbeitet, aber es ist der Film selbst, der schwächelt, nicht seine Hauptfigur. Regisseur Pierre Morel hat nach seinen Filmen 96 Hours mit Liam Neeson auf amokartiger Suche nach seiner entführten Tochter in Paris sowie From Paris With Love mit John Travolta auf handfestem Streifzug ebenfalls durch Paris bewiesen, dass er geradlinig und einfach strukturierte Actionfilme abliefern kann. War 96 Hours noch grimmig, humorlos und sehr kompromisslos inszeniert und mit einem in seiner neuen Rolle geradezu aufblühenden Liam Neeson besetzt, kam From Paris With Love zwar nicht weniger actionlastig daher, aber doch deutlich witziger, zynischer und überdrehter. The Gunman leidet nun größtenteils unter der Zusammenarbeit von Morel und Penn, der nämlich fleißig am Drehbuch mit geschrieben hat und den Film gleich auch mit produziert hat. Wäre Morel mit mehr Freiraum vermutlich ohne weiteres ein schön gradliniger Actioner der alten Schule möglich gewesen, hat Penn da ganz offensichtlich andere Pläne und rückt viel lieber all die humanitären Probleme im Kongo gleich mit in den Vordergrund. Seine Ambitionen und humanitären Leistungen in eben diesem Bereich in allen Ehren, aber in einem Film dieser Bauweise funktioniert das nur bedingt und vor allem dann nicht, wenn sie so plakativ und mit dem Holzhammer daherkommen, wie es hier der Fall ist. Dadurch schwankt der Film letztlich permanent zwischen Action, Thriller und Drama und kann sich nie wirklich zu einem dieser Genres bekennen, je nach Bedarf wechselt die inhaltliche Ausrichtung, wodurch sich The Gunman zwischen alle Stühle setzt. Die Actionszenen wissen größtenteils zu überzeugen und sind meist unterhaltsam, aber unterm Strich zu wenige und zu rar gesät angesichts der Laufzeit von 115 Minuten. Dazu gesellen sich seltsam deplatziert wirkende Figurenkonstellationen wie die für den Film vollkommen irrelevante Dreiecksbeziehung zwischen Terrier, seiner Ex-Freundin Annie und seinem Ex-Kollegen Felix, eine geradezu haarsträubend anmutende und ausgesprochen seltsame Hirnerkrankung der Hauptfigur, die immer nur dann zum Einsatz kommt, wenn das Drehbuch Spannung braucht, sowie eine nur allzu altbekannte und vorhersehbare Story, die zu keiner Sekunde zu überraschen weiß. Für sich genommen wäre keiner dieser Punkte ein großes Problem, vor allem letzterer nicht, aber in ihrer Summe werden sie zu einem Ärgernis. Sean Penn macht seine Sache, wie bereits erwähnt, durchaus gut, er wirkt sehr fit und ist enorm durchtrainiert für seine 55 Jahre, allerdings wäre er auch besser damit beraten, nicht bei jeder sich im Film bietenden Gelegenheit seinen nackten Oberkörper in Positur zu werfen, denn das gewinnt mit zunehmender Laufzeit mehr und mehr an Penetranz, wirkt oft aufgesetzt und fehl am Platz und beginnt schlussendlich zu nerven. Neben Sean Penn hat The Gunman noch große Namen wie Javier Bardem, Idris Elba und Ray Winstone zu bieten und bringt es fertig, alle drei komplett zu verschenken. Bardems Figur des Felix ist dermaßen eindimensional und klischeebeladen, dass es beinahe schon wehtut und ihm gar nichts anderes mehr übrig bleibt, als völlig übertrieben zu spielen. Idris Elba hat viel zu wenig Screentime für einen solch guten Schauspieler und hat nicht mehr als zwei oder drei sehr kurze Szenen im ganzen Film. Was für eine Verschwendung. Ray Winstone hat da etwas mehr Präsenz, kann aber ähnlich wie Bardem wenig aus seiner schwachen Figur herausholen und bedient die rustikale, humorvolle Variante im Drehbuch.

 

The Gunman hätte ein grundsolider und geradliniger Actionfilm werden können, zackig und zupackend inszeniert und mit über die Welt verteilten, abwechslungsreichen Schauplätzen garniert, aber Sean Penn schien mehr zu wollen als das und lieber eine Message verbreiten. Letztlich wirkt der Film dadurch unentschlossen, ist nicht Actioner und nicht Thriller und versandet irgendwo zwischen diesen Polen. Nimmt man dann noch die übrigen Mängel von The Gunman dazu, erhält man einen mittelmäßigen Film mit überdurchschnittlichem Cast und unterdurchschnittlicher Story. Sehr schade, denn etwas mehr Besinnung auf die Kernkompetenzen von Regisseur Pierre Morel hätte The Gunman sehr gut getan.

 

6 von 10 brennenden Duschkabinen