The Loved Ones

10. August 2015 at 16:02

 

 

 

The Loved Ones (2009)
The Loved Ones poster Rating: 6.7/10 (23832 votes)
Director: Sean Byrne
Writer: Sean Byrne
Stars: Xavier Samuel, Robin McLeavy, Victoria Thaine, Jessica McNamee
Runtime: 84 min
Rated: R
Genre: Horror, Thriller
Released: 4 Nov 2010
Plot: When Brent turns down his classmate Lola's invitation to the prom, she concocts a wildly violent plan for revenge.

 

 

 

„The trick is not to go too far. Just enough to break through the skull.”

 

 

 

Prom Night. Der Abschlussball. Das vielleicht wichtigste gesellschaftliche Ereignis im Leben eines amerikanischen Teenagers. Oder australischen, wie in diesem Fall. Als der durch den Unfalltod seines Vaters traumatisierte Brent die Frage der schüchternen Lola, ob er sie zum Abschlussball begleiten wolle, leichtfertig mit dem Hinweis auf seine Freundin Holly abtut, hat er nicht die geringste Ahnung, was er damit auslöst. Denn Lola hat sich in Brent verliebt, kann mit dieser Zurückweisung ganz und gar nicht gut umgehen, lässt ihr Objekt der Begierde kurzerhand von ihrem sie vergötternden Daddy entführen und plant ihren ganz eigenen, privaten Abschlussball. Eine lange Nacht voller Schmerz steht dem an einen Stuhl gefesselt Brent bevor, als er wieder zu sich kommt und Lola´s Gesicht erblickt….

 

Einen kleinen, aber wirklich fiesen und manchmal geradezu niederträchtigen Beitrag zum australischen Kino liefert Drehbuchautor und Regisseur Sean Byrne hier mit seinem Regiedebüt ab. Aller Achtung, da wird nicht lang gefackelt und munter drauf los gefoltert. The Loved Ones aber als weiteren, schnöden Vertreter des Torture Porn (ein Genre übrigens, das mich in der Regel über alle Maßen langweilt) einfach abzutun, wäre viel zu kurz gegriffen, denn der Film hat tatsächlich mehr zu bieten, als seine Exposition vermuten lassen würde. Es beginnt schon damit, dass die Erzählweise des Films erfrischend wenig formelhaft daherkommt und die Figuren  erstaunlich gut ausgearbeitet und weit weg sind von den üblichen schablonenhaften Klischees, die dieses Genre sonst so bevölkern. The Loved Ones räumt seinen Charakteren trotz der mehr als überschaubaren Laufzeit von 84 Minuten genug Platz ein, dass sie genügend Tiefe entwickeln können, um sich aus dem Einheitsbrei zumindest abheben zu können. Brent ist nicht der typische, arrogante und oberflächliche High School-Schönling, da steckt mehr dahinter, der Tod seines Vaters hat ihn aus der Bahn geworfen und traumatisiert, er ist innerlich zerrissen und von Schuldgefühlen geplagt. Auch sein Freund Jamie und dessen Ballbegleitung Mia entspringen keineswegs dem Plotbaukasten für zweitklassige Horrorfilme, nicht einmal die eindeutig schwer gestörte Lola und ihr gruseliger Vater sind nur nach Schema F konzipiert. Zugegeben, sonderlich innovativ ist die Idee hinter The Loved Ones sicher nicht, das liegt klar auf der Hand, aber Byrne würzt das ganze an den richtigen Stellen mit einem wirklich tiefschwarzen Humor, so dass selbst die schlimmsten Szenen des Films in ihrer schockierenden Wirkung immer auch etwas abgefedert werden. Einige Momente wirken geradezu absurd komisch, wodurch Byrne den Grad der Gewalt jedesmal auch wieder bricht, und man als Zuschauer manchmal gar nicht so recht weiß, ob man jetzt lachen soll oder darf oder doch lieber nicht. Leider geht dem Plot im letzten Drittel ein wenig die Luft aus und einige Wendungen der Story wirken zu konstruiert und überzogen. Das ist schade, denn bis dahin macht The Loved Ones seine Sache wirklich gut und weiß vor allem durch die mehr als nur überzeugende und phasenweise doch recht verstörende Performance der mir bisher unbekannten Robin McLeavy zu überzeugen. Dem Mädel möchte ich wirklich nicht im Dunkeln begegnen, und wenn ich so drüber nachdenke, auch nicht bei Tageslicht. Ihr Daddy steht dem aber in nichts nach, auch wenn sein Part etwas weniger dominant ausfällt, Lola hat da eindeutig die Hosen an und Daddy würde alles für seine kleine Prinzessin tun. In diesen Kontext passen auch die mal mehr, mal weniger subtilen inzestuösen Andeutungen und runden dieses seltsame Tochter-Vater-Gespann ab.

 

Unterm Strich gelingt es Regisseur Sean Byrne mit seinem Debüt The Loved Ones aus dem Mittelmaß des Horrorgenre hervorzustechen, auch weil der Film seine Gewalteskapaden immer wieder durch eine ordentliche Portion schwarzen Humor unterwandert. Story und Figuren sind angenehm wenig schablonenhaft und auch, wenn der Handlungsbogen zum Ende hin ein wenig konstruiert gerät, so reißen das die überdurchschnittlichen schauspielerischen Leistungen wieder raus. Ein weiterer, gelungener Beitrag der Australier zum modernen Horrorkino, den man keineswegs der Einfachheit halber dem Torture Porn zuordnen sollte, denn das wird dem Film nicht gerecht.

 

6 von 10 zweckentfremdeten Bohrmaschinen