The November Man

6. Juni 2015 at 21:11

 

 

 

The November Man (2014)
The November Man poster Rating: 6.3/10 (35110 votes)
Director: Roger Donaldson
Writer: Michael Finch (screenplay), Karl Gajdusek (screenplay), Bill Granger (book)
Stars: Pierce Brosnan, Luke Bracey, Olga Kurylenko, Bill Smitrovich
Runtime: 108 min
Rated: R
Genre: Action, Crime, Thriller
Released: 27 Aug 2014
Plot: An ex-CIA operative is brought back in on a very personal mission and finds himself pitted against his former pupil in a deadly game involving high level CIA officials and the Russian president-elect.

 

 

 

„Know what we used to call you Peter? The November Man. Cause after you passed through, nothing lived. You were one bleak motherfucker my friend.“

 

 

 

Wir alle wissen ja, wie das mit der CIA so ist… man kann ihr zwar den Rücken kehren, aber wirklich gehen lässt sie einen nicht. So ergeht es auch dem ehemaligen Agenten Peter Devereaux, der sich 2008 nach einem schrecklich endenden Einsatz in Montenegro aus dem operativen Geschäft zurückzieht, den Dienst quittiert und sich in der Schweiz zur Ruhe setzt. Seine Auszeit währt jedoch nur fünf Jahre, als sein ehemaliger Vorgesetzter an ihn heran tritt und ihn zu einem allerletzten Auftrag reaktivieren möchte. Eine Doppelagentin soll mit brisanten Informationen aus Moskau herausgeholt und in den Westen gebracht werden und sie hat ihn persönlich angefordert, denn die beiden haben eine gemeinsame Vergangenheit. Devereaux willigt schließlich ein und ehe er sich versieht, befindet er sich inmitten eines Netzes aus Verrat und Intrigen, in welches auch sein ehemaliger Zögling David Mason verwickelt ist und ein Wettlauf um Leben und Tod entbrennt….

 

The November Man ist eine Verfilmung des Romanes There Are No Spies von Bill Granger, dem siebten einer ganzen Reihe mit Peter Devereaux als Hauptfigur. Geplant war ein solches Projekt eigentlich schon nach Brosnans letztem Bondfilm Die Another Day aus dem Jahre 2002 und warum es letztlich rund zehn Jahre dauern sollte, bis der Film dann doch noch das Licht der Welt erblicken sollte, ist nicht wirklich nachvollziehbar, spricht aber nur bedingt für alle Beteiligten. Allerdings ist es schön Brosnan mal wieder in einer solchen Rolle zu sehen, smart, charmant und elegant, im Grunde eine Art B-Bond, seine Figur wirkt aber stellenweise auch recht kompromisslos und hart, liegt also irgendwo zwischen Sean Connery und Daniel Craig, um mal im Bond-Jargon zu bleiben. Generell sehe ich Pierce Brosnan immer sehr gerne, er strahlt so eine gediegene Gelassenheit aus und wirkt immer enorm charismatisch. Seine Verkörperung des James Bond hab ich sehr gemocht, mehr sogar als Roger Moore (ich weiß, das polarisiert jetzt und spaltet die Gemüter), wenn auch die Filme bis auf Goldeneye recht wenig taugen, der dann aber umso mehr, schafft er es doch in die Top 3 meiner liebsten Bondfilme. Aber auch abseits von James Bond wusste Brosnan immer zu überzeugen, egal ob im völlig unterschätzten Thriller Spiel der Angst, im grandios angelegten Politthriller Der Ghostwriter, dem eher unbekannten Western Seraphim Falls und nicht zu vergessen in den klassischen 90er Jahre B-Movies Hydrotoxin – Die Bombe tickt in dir, Death Train und Die Rembrandt-Connection sowie Die Thomas Crown Affäre, dem Remake zu Thomas Crown ist nicht zu fassen, indem er die Rolle von Steve McQueen aus dem Original spielt und ihr durchaus noch die eine oder andere Facette abgewinnen kann.

 

 

 

„You feel the need for a relationship? Get a dog.“

 

 

 

So spielt Pierce Brosnan seinen Peter Devereaux ähnlich angelegt wie seinen James Bond damals, allerdings hat Devereaux deutlich dunklere Momente und den einen oder anderen seelischen Abgrund zu bieten, ein Alkoholproblem wird zumindest angedeutet, er ist ebenso charmant wie kompromisslos, stellenweise kalt und distanziert und doch manchmal von Gefühlen geleitet. Die Figur ist für eine solche Produktion ungewöhnlich ambivalent entwickelt, es entsteht eine gewisse Zerrissenheit, die allerdings weniger fasziniert und eher irritiert, sie wirkt gelegentlich deplatziert und unpassend, fast schon aufgesetzt und nicht aus dem Charakter heraus entwickelt. In den Actionszenen hingegen macht Brosnan trotz seiner inzwischen 62 Jahre immer noch eine gute Figur, überhaupt ist die Action meist gelungen choreografiert und dynamisch in Szene gesetzt, mit einem herrlich altmodischen Anstrich und überschaubarem Einsatz von CGI und überrascht hin und wieder mit der einen oder anderen harten Spitze, die man so vielleicht nicht immer erwarten würde.

 

Das große Problem von The November Man ist dann leider das Drehbuch, das einerseits zuviel will und andererseits zuwenig hergibt. Die Story ist antiquiert und wirkt angestaubt, ein Post-Kalter Krieg Ost/West-Konflikt, schablonenhaft und zu jeder Sekunde absolut vorhersehbar, der schlicht und ergreifend nicht mehr zeitgemäß genug ist, um noch wirklich begeistern zu können. Der Roman stammt aus den 80er Jahren, da hätte man beim Drehbuch Anpassungen vornehmen können und auch müssen. Der Plot wimmelt nur so von Logiklöchern und nicht nachvollziehbaren Entscheidungen und Handlungen seiner Figuren, die meist sehr klischeehaft und eindimensional umrissen sind, alles schön aus dem Agententhriller-Baukasten zusammengestückelt. Man etabliert beispielsweise eine eiskalte russische Profikillerin, ein Klischee auf zwei Beinen, nur um diese dann gegen Ende des Films (soviel kann ich guten Gewissens verraten) auf geradezu lächerliche Art und Weise aus dem Verkehr zu ziehen. Aber ansonsten sind sie alle vertreten, der übermächtige Hacker, die Strippenzieher in den dunklen Hinterzimmern, die ahnungslosen Agenten, die nur Befehle befolgen, die Unschuldigen, die eher zufällig involviert werden, die Doppelagenten, sie alle sind zu finden. Auch der Lehrer/Schüler-Spannungsbogen um Devereaux und Mason herum kratzt nur an der Oberfläche und ist inzwischen thematisch doch sehr ausgereizt.

 

The November Man ist solide inszenierte Actionkost, man sollte aber auf keinen Fall zuviel erwarten. Pierce Brosnan in einer solchen Rolle wiederzusehen macht durchaus Spaß, wenn man seinen Bond mochte, aber der Rest des Cast bleibt sehr blaß. Das osteuropäische Setting passt durchaus zum Film und es ist deutlich hochwertiger inszeniert und wirkt glaubwürdiger, als es in vielen Filmen von Steven Seagal oder Jean-Claude Van Damme zuletzt der Fall war. Auch die Action ist solide und altmodisch umgesetzt und gelegentlich überraschend hart, aber das Drehbuch ist haarsträubend und würde sich einen großen Gefallen tun, wenn es weniger klischeehaft und etwas zeitgemäßer daher käme. Unterm Strich ist The November Man zwar durchaus unterhaltsam, allerdings reicht einmaliges Anschauen völlig aus, kurzweilige knappe zwei Stunden sind es aber durchaus.

 

6 von 10 reaktivierten CIA Agenten