Transformers: Age of Extinction

28. Februar 2015 at 17:49

 

 

 

Transformers: Age of Extinction (2014)
Transformers: Age of Extinction poster Rating: 5.9/10 (182,784 votes)
Director: Michael Bay
Writer: Ehren Kruger
Stars: Mark Wahlberg, Stanley Tucci, Kelsey Grammer, Nicola Peltz
Runtime: 165 min
Rated: PG-13
Genre: Action, Adventure, Sci-Fi
Released: 27 Jun 2014
Plot: Autobots must escape sight from a bounty hunter who takes control of the human serendipity: Unexpectedly, Optimus Prime and his remaining gang turn to a mechanic and his daughter for help.

 

 

 

 

„This is not war… it’s human extinction!”

 

 

 

 

Puh! Das war wirklich mal eine schwere Geburt. Insgesamt habe ich drei Anläufe gebraucht, um den Film am Stück und bewusst zu schauen. Ist schon komisch, wie schwer man sich mit solch leichter Kost wie dem neuesten Blockbuster-Popcornkino-Megaspektakel aus dem Hause Michael Bay tun kann, aber da muss ich durch, will ich doch über Transformers: Age of Extinction schreiben. Einfach nur auf den Film einzuprügeln wäre mir zu leicht und zu billig, da wollte ich schon etwas genauer hinsehen.

 

Vier Jahre ist es her, seit dem die Autobots im Kampf gegen die Decepticons halb Chicago in Schutt und Asche legten. Seitdem ist das Bündnis zwischen den Autobots und den Menschen nicht länger gültig und die Roboter werden gejagt, gefangen genommen und zur Strecke gebracht. Nur noch wenige von ihnen gibt es noch, Decepticons wie Autobots, denn in ihrer allumfassenden Angst unterscheiden die Menschen schon längst nicht mehr zwischen Freund und Feind, Alien ist Alien, jeder eine potentielle Bedrohung der beißreflexartig zu verteidigenden Freiheit. Als alter und rostiger Truck getarnt gerät Optimus Prime, Anführer der Autobots, mehr oder weniger zufällig in den Besitz von Cade Yaeger, Farmer und erfolgloser Erfinder mit chronischen Geldproblemen. Das Auftauchen finsterer Regierungsagenten, die auf der Suche nach Prime sind und Yaeger und seine Familie bedrohen, ist dann auch nur der Auftakt zu einem weiteren großen Kampf Gut gegen Böse quer über den Erdball.

 

Sie sind also wieder zurück, die blechernen Freunde meiner Kindheit. Viele schöne Stunden haben wir miteinander verbracht. Ich muss euch vorwarnen: die ersten drei Teile der Reihe sind für mich sowas wie das Sinnbild des schlechten Kinos, seelenlos und inhaltsleer, nur darauf getrimmt, möglichst viel Geld zu verdienen. Nun also ein vierter Teil, der irgendwie auch als halbes Reboot durchgeht, wurde doch der gesamte Cast ausgewechselt. Transformers: Age of Extinction ist sicher kein guter Film, er ist sogar sehr weit entfernt von einem guten Film, aber ich muss zugeben, die ganz große Katastrophe bleibt tatsächlich aus. Zwar ist der Film mit einer Laufzeit von 165 Minuten erstaunlich lang geraten, länger als die ersten drei Teile, aber er bietet ähnlich wenig Inhalt und ähnlich viel Stumpfsinn und reiht gewohnt Actionszene an Actionszene, miteinander verknüpft durch ein ausgesprochen wackeliges und dünnes Drehbuch, das versucht, durch verschiedene Subplots eine komplexere Handlung vorzutäuschen, die es einfach nicht leisten kann. Zunächst einmal hat sich Michael Bay in seiner Inszenierung deutlich zurückgenommen, was dem Film doch sehr zu Gute kommt. Nicht das wir uns falsch verstehen: ich rede hier nicht von Action und CGI-Spektakel, nein, hier übertrifft er seine Vorgänger in jeglicher Hinsicht, aber dazu später mehr. Ich rede vielmehr von dem infantilen und übertrieben Humor der Vorgänger, der sich hier doch spürbar in Grenzen hält. Natürlich gibt es immer noch Slapstick und flache Witze zu Hauf, gerne auch mit dem Vorschlaghammer serviert, aber insgesamt empfinde ich Transformers: Age of Extinction dann doch deutlich ernster und düsterer als die ersten drei Teile. Zudem ist der Film für einen Michael Bay-Streifen wirklich erstaunlich frei von den für ihn sonst so typischen sexistischen und rassistischen Stereotypen. Zwar lässt er sich nicht nehmen, das neue weibliche Eye-Candy Nicola Peltz (warum nur?!) aus allen nur erdenklichen grenzwertigen Posen abzulichten, und scheinbar jeder Asiate beherrscht auch Kampfsportarten, aber ernsthaft, für seine Verhältnisse ist Bay wirklich zahm unterwegs. Selbst sein meist kaum zu ertragender Militärfetisch wird hier kaum ausgelebt und obwohl gefühlt in jeder dritten Szene eine amerikanische Flagge hängt (ja, Michael Bay weiß halt, was der Amerikaner sehen will), ist der Film erstaunlich unpatriotisch. Also, gemessen an seinen sonstigen Ergüssen.

 

 

 

„You think you were born? You were built! And they want you back.”

 

 

 

Obwohl Transformers: Age of Extinction ein übertrieben gigantisches Setting an das nächste reiht, gibt es kaum wirklich hervorstechende, erinnerungswürdige Momente, stattdessen vermischen sich alle Actionsequenzen in der Wahrnehmung zu einem kaum noch Differenzierungen zulassenden Brei aus Explosionen und Feuergefechten. Bay setzt fast ausschließlich auf Bombast, nur ganz selten mal auf kreativ inszenierte Passagen, etwa, wenn im Kampf um Hong Kong die Kamera kurz nur auf Mark Wahlberg ruht anstatt auf dem Geschehen um ihn herum. Es sind nur etwa 60 Sekunden, aber für Michael Bay grenzt das schon an eine clever inszenierte Plansequenz. Einen wirklich guten und etwas ruhigeren Moment erleben wir im Innern des Raumschiffs von Kopfgeldjäger Lockdown. Hier treffen gleich mehrere grafische Science Fiction-Muster aufeinander, allesamt nicht sonderlich innovativ, dafür aber ausgesprochen referenziell. Hier ein paar düstere Gange a la Alien, dort ein paar Tupfer Matrix und hin und wieder fühlt man sich auch an Paul W.S. Andersons Event Horizon erinnert. Dadurch generiert Transformers: Age of Extinction zumindest Ansatzweise mal ein Staunen, welches nicht mit Explosionen und Radau in Verbindung steht und innerhalb des Films ist diese Szenerie wirklich eine willkommene, weil deutlich ruhigere Abwechslung. Aber trotz solcher durchaus gelungenen Momente und der bisherige Standards pulverisierenden Spezialeffekte gibt es da ein nicht gerade ungravierendes  Problem: Während Michael Bay am Ende von Transformers: Dark of the Moon beispielsweise mit der Schlacht um Chicago noch mal richtig einen drauf setzen konnte, ein Highlight zum Ende hin bieten konnte, eine herausragende Spitze im Bombast-Einerlei, wirkt die Action in Age of Extinction trotz der wechselnden Schauplätze, neuen Autobots und der im  Finale kurz auftauchenden Dinobots überraschend eintönig und dadurch schnell langweilig.

 

Verlieren wir noch ein paar Worte zum Cast des Films, der es naturgemäß in diesen Streifen immer schwer hat, sind die Schauspieler doch selten mehr als Statisten im Vergleich zu den Transformers. Die Verpflichtung von Mark Wahlberg als neue Hauptfigur kommt dem Film sehr zu Gute, agiert er doch bei weitem nicht so aufgesetzt und hyperaktiv wie Shia LeBeouf, wirkt deutlich griffiger und bodenständiger und erdet das ganze Spektakel ein ganz klein wenig durch seine Präsenz. Nicola Peltz als Teenagertochter von Cade Yaeger spielt noch schlechter als damals Megan Fox, aber es brauchte wohl ein neues, frisches Gesicht. Ihre enorm hölzerne Darstellung ist kaum noch zu unterbieten, aber die Gelüste des jugendlichen Publikums werden auf jeden Fall befriedigt. Stanley Tucci als Joshua Joyce enttäuscht ein wenig, obwohl ich den Mann eigentlich immer gern sehe. Seine Entwicklung vom skrupellosen und arroganten Konzernchef hin zum Mann mit Gewissen ist zwar durchaus interessant und durch die Handlung sogar begründet und nachvollziehbar, aber leider ist seine Figur zu oft Vehikel für platte und übertriebene Witze, wodurch er gar nicht erst die Gelegenheit bekommt, wirkliche Akzente zu setzen. Ähnlich wie Kelsey Grammer, den ich auch sehr schätze und immer gern sehe, dessen Figur des bösen Regierungsagenten viel zu eindimensional und klischeebeladen ist, um sich auch nur irgendwie zu entfalten. Aber gut, es geht ja schließlich immer noch um Transformers, da ist das zu verschmerzen, sind doch Autobots und Decepticons die eigentlich Hauptfiguren und der Mensch nur Beiwerk. Leider gibt es auch hier ein oder zwei Exemplare, die recht schnell nerven. Bumblebee etwa, scheinbar in seiner rebellischen Teenagerphase, nervt ganz bald einfach nur noch, genau wie die beiden neu eingeführten Drift und Hound. Im Finale sind die Dinobots ein lang ersehnter Lichtblick, sie wirken auch sehr eindrucksvoll und punkten mit Kraft und Größe, aber ihr Auftritt fällt insgesamt leider doch recht kurz aus.

 

Wie zu Beginn bereits erwähnt, ist Transformers: Age of Extinction nicht mal ansatzweise ein guter Film, selbst im Vergleich zu ähnlichen Blockbuster-Vertretern wie The Avengers zum Beispiel, aber er macht doch einiges besser als seine drei Vorgänger. Natürlich ist es ein typischer Fall von höher, schneller, weiter. Bigger is better. Not. Die überraschende und erfreuliche Zurückhaltung von Michael Bay in puncto Inszenierung und sein Verzicht auf einige seiner sonst so offensichtlichen Schwächen gestalten den Film dann aber doch angenehmer als erwartet und vielleicht nicht zu einem seiner besten, aber auf jeden Fall zu einem seiner besseren. Am Ende bleiben drei von zehn Punkten, einer für Mark Wahlberg, einer für die Transformers und vor allem die Dinobots als fester Bestandteil meiner Kindheit und einer für Michael Bays zurückhaltende Inszenierung.

 

 

3 von 10 nicht explodierten Sprengköpfen