Die Haut, in der ich wohne (La Piel que Habito, 2011)

17. Januar 2018 at 23:41

 

 

© Sony Pictures Classic

 

 

 

„There’s a place where you can take refuge. A place inside you, a place to which no one else has access, a place that no one can destroy.“

 

 

 

Über den Inhalt von Die Haut, in der ich wohne will ich an dieser Stelle nichts verraten, denn jedes Wort könnte hier schon eines zu viel sein. Es ist mein erster Film von Regisseur Pedro Almodóvar und so viel kann ich bereits verraten: es wird sicher nicht mein letzter gewesen sein. Die Haut, in der ich wohne hat eher mich durchschaut als ich ihn. Schon früh im Film glaubte ich, die Handlung verstanden zu haben und zu wissen, wie hier der Hase läuft. Leicht selbstgefällig lehnte ich mich zurück um zu zusehen, wie die von mir zurecht gelegte Theorie nach und nach eintreten würde, nur um irgendwann feststellen zu müssen, dass ich zwar glaubte alles zu wissen, letztlich aber gar nichts wusste. Und dann klappte mir die Kinnlade runter und ich konnte gar nicht fassen, was da eben passiert war. Der Plot selbst mutet zu Beginn schon ein wenig rätselhaft an, ändert jedoch abrupt und ohne Vorwarnung seine Erzählstruktur, wenn er nahtlos in eine längere Rückblende abkippt und eine scheinbar völlig andere Geschichte ihren Lauf zu nehmen beginnt. Wie clever der gesamte Film tatsächlich erzählt ist, das offenbart sich erst nach und nach, wenn dessen Chronologie zusehends auseinander bricht, zerstückelt und neu zusammengesetzt wird, und so geschickt auch Teile der Handlung spiegelt. Thematisch reißt Die Haut, in der ich wohne viel an, vermag das alles aber mühelos unter einen Hut zu bringen, und platziert sich irgendwo zwischen Cronenberg-artigem Body Horror, dem Frankenstein-Mythos, Wahnsinn, Hybris und Gottkomplex sowie einer Liebesgeschichte verwoben mit Rache und Erotik. Visuell und inszenatorisch ist das alles makellos wie die Haut der Hauptdarstellerin Elena Anaya und mit seinen unterkühlten wie präzisen und sehr durchkomponierten Bildern wunderbar anzusehen. Für einen so clever erzählten und spannend aufgebauten Plot jedoch war mir das Finale ein wenig zu simpel gestrickt und in seiner letztlichen Auflösung etwas zu zahm. Da wäre im Abgang durchaus noch Potential zu Größerem versteckt gewesen, dennoch ist Die Haut, in der ich wohne ein überaus faszinierender wie befremdlicher Film, der zumindest mich gekonnt und elegant ausmanövrieren konnte und mit einer Mischung aus Staunen und Entsetzen zurückließ.

 

8 von 10 Stücken synthetischer Haut