Glengarry Glen Ross (1992)

30. September 2021 at 20:07

 

 

© Zupnik Enterprises/New Line Cinema

 

Kaum zu glauben, dass Regisseur James Foley (Fear, The Corruptor) nach einem solchen Geniestreich wie Glengarry Glen Ross 25 Jahre später Fifty Shades of Grey drehen sollte, aber vermutlich liegt die Genialität viel mehr im Drehbuch aus der Feder von David Mamet (Ronin, Wag the Dog, Spartan) begründet. Glengarry Glen Ross entpuppt sich schnell als bitterböse Parabel auf den so oft beschworenen amerikanischen Traum und als eine pointierte Abrechnung mit dem Neoliberalismus. Ein düsteres Stück Fiktion, welches mehr mit unser heutigen Realität gemein hat, als man eventuell glauben mag, und auch dieser Tage noch von bestechender Relevanz ist. Vielleicht sogar mehr denn je.

 

Beinahe albtraumhaft inszeniert etablieren Foley und Mamet ein geradezu grauenhaftes Szenario, in dem sich jeder selbst nur der Nächste ist. Eine potenzierte Ellbogengesellschaft mit ordentlich Öl im Feuer. Turbokapitalismus in Reinform. Mit voran schreitender Handlung kann man hier Menschen buchstäblich bei der Selbstauflösung zusehen, bloß noch degradiert auf kalte Zahlen als Sklaven des Kapitals. Wertlos und austauschbar, wenn nicht ausreichend abgeliefert wird. Der Film beruht auf dem gleichnamigen und 1983 uraufgeführten Theaterstück von Mamet selbst, aber statt eben jenen Stoff filmischer aufzuarbeiten und entsprechend zu adaptieren, entscheidet man sich lieber für das genaue Gegenteil und stellt diese Künstlichkeit ganz bewusst aus.

 

Die ganze Inszenierung ist sehr bühnenhaft, kühl, zurückgenommen, und auf das Nötigste reduziert, um die geschliffenen Dialoge und das brillante Schauspiel in den Vordergrund stellen zu können. Glengarry Glen Ross setzt also weniger auf eine ausgefeilte Handlung, sondern erzählt sein Drama über die Figuren, deren Sorgen, Nöte und Ängste, komprimiert und hochgekocht in wenigen Tagen. Überwiegend in Innenräumen gedreht steigert das im Grunde nur noch weiter den Druck, bietet sich den Figuren doch keine Möglichkeit auszubrechen. Aufgestaute Emotionen finden keinerlei Ventil, sondern fressen sich immer tiefer in die Protagonisten hinein. Es ist bloß eine Frage der Zeit, bis die Lage eskaliert.

 

Das alles wird garniert mit unfassbar viel darstellerischem Talent und einem Cast mit solch illustren Namen wie Ed Harris, Kevin Spacey, Alan Arkin, Jack Lemmon, Al Pacino und Alec Baldwin, welcher gleich zu Beginn einen unfassbar guten Kurzauftritt hinlegen darf. Seit Killing Them Softly (2012) von Andrew Dominik habe ich keine solch knallharte Abrechnung mit dem american dream mehr erlebt wie in Glengarry Glen Ross. Bloß ist letztgenannter 20 Jahre älter und trotzdem immer noch erschreckend relevant.

 

9/10