Guardians of the Galaxy

10. Januar 2015 at 20:55

 

 

Guardians of the Galaxy (2014)
Guardians of the Galaxy poster Rating: 8.3/10 (336,481 votes)
Director: James Gunn
Writer: James Gunn, Nicole Perlman, Dan Abnett (comic book), Andy Lanning (comic book)
Stars: Chris Pratt, Zoe Saldana, Dave Bautista, Vin Diesel
Runtime: 121 min
Rated: PG-13
Genre: Action, Adventure, Sci-Fi
Released: 01 Aug 2014
Plot: A group of intergalactic criminals are forced to work together to stop a fanatical warrior from taking control of the universe.

 

 

 

„I’m only interested in the simple things… like how much this is going to hurt!“

 

 

 

Die wichtigste Frage zuerst: ist der Film wirklich so gut? Kann er all dem Hype und den Vorschusslorbeeren gerecht werden? Ja, kann er, mühelos. Die Messlatte für zukünftige Comicverfilmungen wird hier nicht nur sehr hoch gelegt, sie wird völlig neu definiert.

Regisseur James Gunn gelingt hier ein Kunststück, das so eher selten zu bewundern ist: ein Blockbuster mit Seele. Ein mitreißender Actionkracher, randvoll mit viel Witz, grandiosen Dialogen, einer Prise Tragik, wundervollen Anspielungen und herrlich skurrilen Figuren. Die Story ist denkbar simpel, aber auch ungemein effektiv, räumt sie doch genügend Raum für die Entfaltung der Figuren ein und hält wunderbar die Balance aus großem Getöse, wohl dosierten Kitsch und charmanter Ironie. Es ist auch James Gunn zu verdanken, dass all diese verschiedenen Elemente letztlich ein sehr stimmiges Gesamtbild abgeben, dem er zudem noch seinen ganz eigenen Stempel aufdrücken kann, stammt der Mann doch ursprünglich aus dem Hause Troma, einer der ganz großen Trash-Schmieden überhaupt, die Filme produzierten wie The Toxic Avenger, Surf Nazis Must Die oder Yeti: A Gay Lovestory. Gunn  hat aber auch schon mit dem Kleinod Slither eine großartige Hommage an das Science Fiction-Kino der 50er Jahre abgeliefert, voller tiefschwarzem Humor und allerhand schleimiger und blutiger Ekligkeiten, und mit Super – Shut up, crime! eine nicht weniger böse und blutige Satire auf Superheldenfilme inszeniert, die leider viel zu wenig Beachtung fand und deutlich bissiger ist als der vergleichsweise zahme Kick Ass. Jetzt also hat Gunn eine Space Opera in seinem Lebenslauf zu verzeichnen.

Die titelgebenden Guardians of the Galaxy erweisen sich als zusammengeworfener Haufen von Antihelden, die sich im Laufe des Films erst als Gruppe finden müssen. Besonders der bisher eher unbekannte Chris Pratt als Peter Quill aka Starlord („Star – who!?“) sticht hier enorm hervor und empfiehlt sich für zukünftige Großproduktionen, so wird er ja auch im Sommer in Jurassic World dabei sein. Wie er den schlagfertigen, charmant – schlitzohrigen und leicht überheblichen Draufgänger Quill spielt, immer einen lockeren Spruch auf den Lippen, das macht einfach nur Spaß. Mit dabei an seiner Seite sind noch Zoe Saldana als Assassinin Gamora (hier mal in grün statt blau), der Wrestler Dave Bautista als Drax the Destroyer, ein Muskelberg auf zwei Beinen mit leichten Verständnisproblemen, wenn Metaphern im Spiel sind, sowie das absolut grandiose Duo Rocket (Raccoon) und Groot, beide vollständig animiert und gesprochen von Bradley Cooper und Vin Diesel. Gerade der genetisch veränderte Waschbär Rocket („Ain’t no thing like me, except me!“)  hat mein Herz im Sturm erobert. Und Vin Diesel, der dem humanoiden Baumwesen Groot seine Stimme leiht, hat genau nur einen Satz, der aber, immer wieder gesprochen, zu einem Running Gag im Film wird und mit unterschiedlicher Betonung situationsbezogen immer eine andere Bedeutung hat.

 

 

„I am Groot.“

 

 

 

So dünn also die Story ist (fieser Bösewicht will die Galaxie zerstören), so grandios ist sie inszeniert. Schwungvoll, temporeich, aber dabei nie überladen, in den richtigen Momenten zurückhaltend und trotzdem nie langweilig, und vor allem auch stellenweise immer wieder überraschend düster. Obwohl fünf völlig neue Figuren eingeführt werden müssen, ist der Zuschauer nie überfordert oder verliert den Überblick über das Geschehen und es kommt keiner der Charaktere zu kurz. Jeder hat ausreichend screen time um sich entfalten und entwickeln zu können und jeder hat auch eine (zugegeben, nicht immer sonderlich einfallsreiche) Hintergrundgeschichte spendiert bekommen.

 

 

 

„We are just like Kevin Bacon.“

 

 

 

Der Look des Films ist einfach großartig, irgendwie nostalgisch und futuristisch zugleich. Vieles erinnerte mich an die Serie Firefly, einiges auch an die alten Star Wars – Filme. Der computeranimierte Rocket und sein ebenfalls am Rechner entstandene Kumpel Groot sind die besten Beispiele dafür, das CGI-Effekte eben nicht immer nur stumpfsinnig Bombast erzeugen müssen, sondern noch sehr viel mehr können. So kann und soll CGI funktionieren, nicht nur als Vehikel für platte Action, sondern um faszinierende, zum Teil berauschend schöne und atemberaubende fremde Welten zu erschaffen. Manchmal möchte man aus dem Staunen nicht mehr herauskommen, bei all diesen hinreißenden Bildern, egal, ob es gigantische Raumschiffe sind, fremde Planeten oder die Weite und Größe des Kosmos visuell festgehalten wird. So viel Schönheit sieht man selten in Blockbustern. Ein weitere großer Pluspunkt ist der liebevoll zusammengestellte, sehr stimmige und buchstäblich auf den Punkt genau eingesetzte Soundtrack des Films, der Schlüsselszenen noch mal unterstreicht und hervorhebt und wie der Rest des Films einfach nur wahnsinnig viel Spaß macht. Dass der Soundtrack dann auch noch in Form eine Kassette in Erscheinung tritt, Quills Awesome Mix Vol.1, das lässt mein Nerd-Herz dann vollends glühen.

Guardians of the Galaxy ist ein zwischen Humor, Charme und Action perfekt ausbalancierter Film, ein feelgood-movie, das von der ersten bis zur letzten Minute einfach nur unfassbar viel Spaß macht. Mitreißend erzählt, entführt die Story an abgedrehte und wunderschöne Orte, die vor Ideenvielfalt einfach nur so strotzen. Tatsächlich mein Film 2014 und zumindest für mich auch die mit Abstand beste Marvelverfilmung bisher, selbst Iron Man kann hier einpacken. Ich freue mich jetzt schon auf den für 2017 angekündigten zweiten Teil und abschließend bleibt eigentlich nur noch eines zu sagen: „We are Groot!“

 

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