Housebound

27. August 2015 at 14:08

 

 

 

Housebound (2014)
Housebound poster Rating: 6.8/10 (16152 votes)
Director: Gerard Johnstone
Writer: Gerard Johnstone
Stars: Morgana O'Reilly, Rima Te Wiata, Glen-Paul Waru, Ross Harper
Runtime: 107 min
Rated: NOT RATED
Genre: Comedy, Horror, Thriller
Released: 4 Sep 2014
Plot: Kylie Bucknell is forced to return to the house she grew up in when the court places her on home detention. Her punishment is made all the more unbearable by the fact she has to live there ...

 

 

 

„Ghosts have a lower body temperature than humans.”

 

 

 

Nach einem missglückten Überfall auf einen Geldautomaten wird die junge Kylie Bucknell nicht nur gefasst, sondern auch dazu verurteilt, einen achtmonatigen Arrest samt elektronischer Fußfessel im Haus ihrer Mutter abzusitzen. Das allein ist schon der pure Horror für die ausgesprochen rebellische Tochter, die alles andere als gut mit ihrer geschwätzigen Mutter auskommt, und als diese ihr auch noch erklärt, im Haus würde es spuken, reagiert Kylie nur noch genervter als sie ohnehin schon ist. Doch dann häufen sich unheimliche Vorkommnisse im Haus und Kylie wird zunehmend skeptisch. Könnte ihre Mutter doch Recht haben? Könnte es im Haus ihrer Kindheit wirklich spuken? Zufälliger Weise ist der in unmittelbarer Nachbarschaft lebende Polizist Amos in seiner Freizeit eine Art paranormaler Spurensucher….

 

Dem neuseeländischen Regisseur Gerard Johnstone ist mit seinem Spielfilmdebüt Housebound wahrlich eine kleine Überraschung gelungen, der ein wenig frischen Wind in das oft so verstaubte Genre Horror bringt. Beschwingt und mit nicht gerade wenig Humor nimmt sein Film den momentan so allgegenwärtigen und oft so langweiligen Haunted House-Trend (The Conjuring und Konsorten lassen grüßen) augenzwinkernd ins Visier und entspricht damit genau dem aktuellen Zeitgeist, wenn er gekonnt geltende Genrekonventionen torpediert. Allerdings muss Johnstone dafür nicht wie ein gewisser Landesgenosse, der heute scheinbar nur noch Filme über mal größere, meist jedoch kleinere haarige Wesen dreht, auf heftige Gore-Sequenzen und cartoonesken Slapstick zurückgreifen (Braindead, anyone?), sondern vielmehr auf einen rotzfrechen, aber lockeren Grundton, der sich konsequent durch den ganzen Film zieht. So ist Housebound auch nicht als bloße Parodie zu verstehen, der Film macht sich nicht ausschließlich über das Genre Haunted House lustig, sondern funktioniert stellenweise ebenso sehr wie seine Vorbilder, nimmt allerdings genau diese Ernsthaftigkeit in seinem Anspruch immer dann wieder gekonnt zurück, wenn es verbissen und trocken zu werden droht. Zudem spielt Regisseur Johnstone nicht nur mit den Konventionen dieser filmischen Vorbilder, er spielt auch ebenso mit der Erwartungshaltung des Zuschauers. Streng genommen macht Housebound so gut wie nichts so, wie man es erwarten würde, ständig werden ungeschriebene Gesetzte unterwandert, umgeschrieben, ignoriert oder gar zweckentfremdet. Der Film führt einen oft an der Nase herum, schlägt Haken und gibt sich unberechenbar. Immerzu wirft Johnstone seinem Publikum eine falsche Fährte nach der anderen vor die Füße und man ertappt sich gerade gegen Ende immer wieder dabei zu denken: das jetzt ist die Lösung… nur um dann doch wieder abgelenkt zu werden. Selbst die Musik verhält sich nicht, wie man es gewohnt ist, und sogar mit den Jump Scares spielt Johnstone gerne mal, platziert sie an Stellen, wo keine hingehören, oder lässt sie gleich ganz ausbleiben. Zum letzten Drittel hin zieht das Tempo des Films dann gewaltig an, Wendung folgt auf Wendung und der Humor wird derber und direkter, aber auch der Grad der Spannung zieht an und die eine oder andere Gewaltspitze gibt es auch zu bewundern. Nun gibt sich Housebound dann auch weniger bedeckt angesichts seiner Intention und offenbart sich letztlich doch als Komödie.

 

Hut ab! Einen wirklich gelungenen Einstand kann Regisseur Johnstone da mit seinem Film feiern. Housebound meistert mühelos die Gratwanderung zwischen Horror und Humor, ist liebevoll gemacht und im Genre ausreichend verwurzelt, dabei aber charmant und rotzfrech zugleich. Eine runde Mischung aus Ernsthaftigkeit und viel schwarzem Humor wird hier aufgetischt, die schauspielerischen Leistungen sind stark genug, um den Film nicht der Lächerlichkeit preiszugeben und die Dialoge sind stellenweise geradezu unverschämt zynisch und gemein. Vor allem die Hauptdarstellerin Morgana O´Reilly darf diverse erinnerungswürdige Sprüche raushauen. Irgendwo zwischen Poltergeist, Ghostbusters und The Frighteners angesiedelt und doch mit einer ganz eigenen, absolut unverwechselbaren Noten versehen, macht Housebound einfach mächtig Spaß, kann allerdings auch nur dann sein Potential richtig entfalten, wenn dem Zuschauer diverse Mechanismen des Haunted House-Genre auch bekannt sind. Aber selbst wenn nicht, dann bleiben immer noch einige sehr witzige und unvergessliche Szenen. Bei Gerard Johnstone bin ich auf jeden Fall gespannt, was da in Zukunft noch kommen mag.

 

7 von 10 elektronischen Fußfesseln