Imperium

4. Februar 2017 at 13:02

 

 

  © Lionsgate Premiere

 

 

 

„We all create a narrative based on what we think is important.We see what we want to see. But just because you’re not looking at something… doesn’t mean it’s not there.“

 

 

 

Nate Forster ist ein eher unscheinbarer und introvertierter Analyst beim FBI. Seine Vorgesetzte jedoch erkennt in ihm das Potential zum Undercover-Agenten und wählt ihn für einen Einsatz aus. Das Ziel ist es, ein rechtsextremes Netzwerk zu infiltrieren, dessen Mitglieder einen Anschlag mit einer schmutzigen Bombe zu planen scheinen. Anfangs fällt es Nate noch schwer zu erkennen, wer innerhalb der Szene nur lautstarkes Großmaul ist und wer wirklich Pläne schmiedet, doch mit zunehmender Zeit undercover dringt er immer tiefer in diese Welt voller Rassenkriegsideen und zionistischen Verschwörungstheorien vor und sieht sich zunehmend mit Problemen konfrontiert.

 

Schon mit der allerersten Einblendung zu Beginn von Imperium etabliert Regisseur Daniel Ragussis das zentrale Motiv seines Filmes, wenn er ein nachträglich Hitler zugeordnetes Zitat einblendet und so die manipulative Macht des gesprochenen Wortes in den Mittelpunkt rückt. Words build bridges into unexplored regions. Das ist ein interessanter Ansatz, der immer wieder im Film auftaucht und auch die Neonazi-Szene als Objekt der Infiltration gibt einiges her. Darüber hinaus ist zwar Imperium handwerklich gelungen, stilistisch aber eher Mittelmaß und arbeitet sich Punkt für Punkt durch die Checkliste für den Undercover-Thriller. Neues kann Ragussis dem Genre nicht hinzufügen und abgesehen von seinem Milieu kann sich sein Film kaum bis gar nicht von anderen Vertretern dieser Disziplin abheben. Imperium ist sehr langsam und zurückhaltend inszeniert, verlässt sich überwiegend auf seine Atmosphäre und rückt lieber seine Hauptfigur und deren schwierigen Spagat zwischen zweier grundlegend verschiedener Welten in den Vordergrund, statt auf Action oder Gewalt zu setzen. Besonders hervorzuheben ist in meinen Augen neben der sehr guten darstellerischen Leistung von Daniel Radcliffe, der sich mehr und mehr von seiner Rolle des Harry Potter frei zu spielen scheint, vor allem die sehr differenzierte Betrachtung und Ausleuchtung der Neonazi-Szene. Weder wird hier Schwarz/Weiß-Malerei betrieben noch einfach nur blindlings dämonisiert, sondern vielmehr auf Zwischentöne gesetzt, um ein recht differenziertes Bild zu zeichnen. Nate trifft auf seinem Weg immer tiefer in diese ausgesprochen misstrauische Szene bei weitem nicht nur auf debile wie stumpfe Schlägertypen, die einem gemischtrassigen Paar am liebsten gleich an Ort und Stelle die Zähne ausschlagen würden statt auch nur eine Sekunde lang nachzudenken. Natürlich ist die Idee nicht neu, dass die eigentliche Gefahr viel mehr aus der bürgerlichen Mitte kommt, dass der integrierte wie anerkannte Anzugträger als geistiger Brandstifter und charismatischer Rattenfänger gefährlicher ist als der hohle und orientierungslose Springerstiefelträger, aber Imperium macht das gelungen nochmals deutlich. Beim vegetarischen Barbecue wird da inmitten biederster und spießigster Vorstadtkulisse fleißig networking betrieben und Cupcakes mit Hakenkreuzen gibt es auch. Da werden schon die Kinder auf den bevorstehenden Rassenkrieg vorbereitet, aus ethnischer Diversität wird im Handumdrehen der Genozid an der „weißen Rasse“ und zionistische Verschwörungen werden an jeder Ecke vermutet und gehören bekämpft.

 

Letztlich ist Imperium ein solider Beitrag zu den bereits unzähligen Undercover-Thrillern dieser Welt, welcher seinem Genre zwar nichts neues hinzufügen kann oder gar herausragt, seine Materie aber sehr wohl verstanden hat. Das Setting selbst ist angenehm unverbraucht und bietet genug Tiefe, um spannend zu bleiben, wird ungewöhnlich differenziert betrachtet und Daniel Radcliffe verkörpert seine Figur des Undercover-Agenten einnehmend und überzeugend. Nennenswerte Höhen und Tiefen gibt es hier ebenso wenig wie Anlässe zu Jubelarien oder Verrisse. Ist doch zu Abwechslung auch mal ganz schön.

 

6,5 von 10 mit Hakenkreuzen verzierte Cupcakes