Killing Ground (2016)

28. August 2018 at 17:16

 

 

© IFC Midnight/Quelle: IMDb

 

 

 

Das junge Paar Ian und Samantha beschließt die Tage zwischen Weihnachten und Silvester an einem einsamen Strand in der australischen Wildnis zu verbringen. Dort angekommen müssen sie jedoch feststellen, dass bereits ein anderes Zelt dort steht und scheinbar noch jemand die gleiche Idee hatte. Anfangs ist es ihnen noch recht, dass sie die anderen Camper nicht zu Gesicht bekommen, doch irgendwann kommt ihnen das merkwürdig vor und als Samantha beschließt, im Innern des Zeltes nach dem Rechten zu sehen, ahnen sie noch nicht, was auf sie zu kommen wird.

 

Ozploitation again. Manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass die Australier mit so manchen ihrer heimischen Filmproduktionen Touristen mit aller Kraft fernhalten wollen. Gefräßige Riesen-Krokodile, angriffslustige Wildschweine und immer wieder Bewohner des Outbacks selbst, die nicht erst seit Wolf Creek von Greg McLean Jagd auf unbedarfte Touristen machen. Wähnt man sich zu Beginn im Regiedebüt von Damien Power – von dem auch das Drehbuch stammt – noch in einem gewöhnlichen wie formelhaften Backwood-Slasher, wird doch schnell deutlich, dass Killing Ground durchaus auch andere Wege zu beschreiten versucht. Power lässt sich Zeit um das Setting und die Figuren nachhaltig zu etablieren und lange deutet kaum mehr als das verlassene Nachbarzelt am Strand auf das hin, was da noch kommen mag. Normalität ist seine Waffe, wenn Power größtenteils auf für das Genre sonst eher typische inszenatorische Spielereien verzichtet, die Kamera beinahe schon dokumentarisch nüchtern immerzu ganz dicht und ungefiltert an den Figuren dran ist und eine unterschwellige Dringlichkeit vermittelt. Da sind keine huschenden Schatten, keine Schreckmomente und keine anschwellende Musik, das Grauen bricht unvermittelt, plötzlich und eindrücklich über den Figuren herein und verlangt dem Zuschauer durchaus einiges ab.

 

Zwar überlässt Power viel der Fantasie des Zuschauers, an den Nerven zerrt das Geschehen dennoch (oder genau deswegen), und er gibt sich auch keinem Gore hin, ist aber dennoch konsequent in der bildlichen Darstellung und nutzt auch hier den zuvor bereits etablierten grimmig-realistischen Ton. Zudem montiert Killing Ground recht geschickt zwei aufeinander zulaufende Handlungsstränge, deren smartes Spiel miteinander stark zur Steigerung der Spannung beiträgt. Auch erliegt Power nie der Versuchung, seine Antagonisten zu erklären oder Motive für ihre Handlungen zu finden, sondern lässt den Zuschauer vollkommen allein mit deren Taten. Und umgekehrt sind auch die Protagonisten angenehm menschlich ausgearbeitet und bleiben nachvollziehbar, denn übermenschlichen Heroismus gestattet Power ihnen nicht, im Gegenteil, sie dürfen sogar feige sein und wenig glanzvolle Entscheidungen treffen. Alles in allem macht Damien Power mit seinem Debüt Killing Ground im Kleinen so einiges anders als manch anderer Vertreter des Backwood-Slashers und kann sich dadurch ein wenig aus der Masse des Genres abheben und eine eigene Handschrift entwickeln. Sollte man sich vielleicht merken, den Mann.

 

6,5 von 10 Bierdosen voller Einschusslöchern