Leviathan

13. November 2016 at 15:29

 

 

© MGM

 

 

 

„That’s just great! You’re telling me that we’ve got a goddamned Dracula in here with us?“

 

 

 

16.000 Fuß unter dem Meeresspiegel geht die achtköpfige Besatzung der Schürfstation Shack 7 ihrer Arbeit für die Tri Oceanic Mining Corporation nach und sucht dort nach Silber und anderen Edelmetallen. Kurz vor dem Ablauf ihrer 90 tägigen Einsatzzeit kommt es zu einem Zwischenfall und die Crew entdeckt einen gesunkenen russischen Frachter namens Leviathan. Bei näherer Untersuchung des Wracks entdecken sie einen Safe voller Dokumente und Videobänder, den sie bergen ohne auch nur zu ahnen, welche Folgen das alles noch für sie alle haben wird.

 

Heute machen wir erneut einen weiteren, kleinen Ausflug in die doch meist wunderbare Welt der B-Movies (nicht zu verwechseln mit Trash, wenn ich bitten darf!), die dem herkömmlichen Filmkonsumenten vielleicht doch eher ein wenig fremd erscheinen mag. Nachdem Ende der 80er Jahre die Produktion von James Camerons The Abyss offiziell angekündigt wurde, entstanden im Zuge dessen zwei weitere Produktionen in ähnlichem Tiefsee-Setting, die zudem deutlich kostengünstiger in der Produktion waren und deren Macher daher durchaus darauf hoffen durften noch vor The Abyss in die Kinos zu kommen, was letztlich auch gelang. Zum einen handelt es sich dabei um Deep Star Six von Sean S. Cunningham, den aller meisten wohl bekannt als Regisseur von Friday the 13th, und zum anderen um Leviathan von George P. Cosmatos, der unter anderem auch Rambo II und Die City Cobra mit Sylvester Stallone sowie den Western Tombstone mit Kurt Russell und Val Kilmer vorzuweisen hat. Doch während Deep Star Six relativ schnell seinen Weg ins Fernsehen fand, dort recht häufig gezeigt wurde und auch heute noch immer mal wieder zu sehen ist, verschwand Leviathan nach kurzer Zeit in der Versenkung, um erst rund 15 Jahre später wieder auf dem heimischen Markt aufzutauchen. Gerade deswegen und auch, um gegen diese Form der Vergessenheit ein wenig anzukämpfen, geht es in den folgenden Zeilen um Leviathan. Cosmatos liefert hier nämlich einen unterhaltsamen Genre-Mix aus diversen bekannten Versatzstücken ab, der konventionelle Erzählstrukturen zwar nicht verlässt oder ihnen gar etwas neues hinzufügt, dafür aber durchaus ansehnlich in der Produktion daherkommt. Ganz offensichtliche Vorbilder waren hier für zweifellos The Abyss, Alien und The Thing. Das Setting ist sehr begrenzt, eine Flucht ist den Protagonisten nicht ohne weiteres möglich und ist das Monster erst einmal auf der Bildfläche erschienen, jagt es seine Beute durch die engen Gänge der Unterwasserstation. Dazu mischt Cosmatos die Body Horror-ähnlichen Effekte, den Gedanken der Assimilation und einen Hauch des Terrors aus John Carpenter´s The Thing und fertig ist Tiefsee-Ekel-Suppe. Hervorzuheben ist noch die Aufnahmetechnik für die Unterwasser-Szenen namens Dry-for-Wet, die so auch bei Deep Star Six zum Einsatz kam, und die durch eine bestimmte Beleuchtung, spezielle Farbfilter und Schwebeteilchen in der Luft den Unterwasser-Effekt kostengünstig simuliert. Zudem arbeiten zahlreiche erfahrene Leute bei Leviathan vor und hinter der Kamera. Besetzt ist der Film in erster Linie mit Peter Weller (der gute alte Robocop) und Richard Crenna (Rambos väterliche Mentor Colonel Trautman) in den tragenden Rollen, doch darüber hinaus sind auch noch Daniel Stern (Kevin – Allein zu Haus I und II), Ernie Hudson (der vergessene Ghostbuster), Hector Elizondo und Meg Foster im Cast vertreten. Für die visuellen Effekte zeichnet sich niemand anderes verantwortlich als der F/X-Legende Stan Winston und die Musik stammt aus der Feder von Jerry Goldsmith. Beide liefern zwar keine spektakulären Höchstleistungen ab, erbringen aber mehr als solide Arbeit in ihren Bereichen und heben so Leviathan ein wenig aus dem sumpfigen Mittelmaß zahlreicher ähnlich gelagerter Filme (unter anderem auch Deep Star Six, der im direkten Vergleich ein wenig schlechter abschneidet) hervor.

 

Innovationen darf man von Leviathan also nicht erwarten, aber George P. Cosmatos liefert ansehnliche Genre-Kost ab und inszeniert einen handwerklich soliden, durchaus atmosphärischen wie spannenden, gut getricksten, alles in allem angenehm kurzweiligen und altmodischen Monsterfilm mit dem einen oder anderen ekligen Effekt. Nicht mehr und nicht weniger, aber manchmal braucht es das ja auch gar nicht.

 

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