Death Ship (1980)

15. Mai 2018 at 11:57

 

 

© Avco Embassy Pictures

 

 

Ein mysteriöser alter Frachter rammt des Nachts ein Kreuzfahrtschiff und bringt es zum Untergang. Als am nächsten Morgen eine handvoll Überlebender in einem Rettungsboot auf dem Meer treibt, taucht der Frachter wieder auf. Nachdem die Überlebenden es an Bord geschafft haben, müssen sie feststellen, dass das Schiff scheinbar verlassen ist, doch schon bald ereignen sich immer mehr merkwürdige Dinge.

 

Schon diese lange Eröffnungssequenz konnte mich gleich packen. Dieses alte, rostige, schmutzige Schiff, der mächtige Bug, das seltsame Eigenleben allerlei Gerätschaften auf der Brücke, der unheimliche Maschinenraum, dazu dieser treibende, zerrende Score von Ivor Slaney. Überhaupt das gesamte Sounddesign ist im Film ziemlich toll. Mit der Exposition hält sich Regisseur Alvin Rakoff nicht lange auf und das die Handlung einleitende Katastrophenszenario erinnert mit Abstrichen an den drei Jahre älteren The Poseidon Adventure, ohne dessen Wirkung zu erzielen, spielt sich in Death Ship alles doch in einem deutlich kleineren Rahmen ab. 

 

Und ist das Kreuzfahrtschiff erst einmal untergegangen, dann taucht auch schon schnell das alte rostige Nazi-Schiff wieder am Horizont auf. Auch das Innenleben kann sich sehen lassen. Offensichtlich war das Budget seiner Zeit reichlich begrenzt, aber Rakoff und sein Team verstehen es recht geschickt, dieses dennoch effektiv zu nutzen. All die leeren, scheinbar endlos langen, niemals endende Gänge und Flure, eng und dreckig, rostig und alt, die sich wie stählerne Gedärme durch das Schiff ziehen: das ist simpel gehalten und kostengünstig in Szene gesetzt, aber eben auch effektiv. Rakoff versteht es gut, das Schiff auf schlichte Art unheimlich einzufangen und in das richtige Licht zu rücken. 

 

Im Prinzip verlegt Death Ship das Motiv des Haunted House nur auf das offene Meer und behält dessen Strukturen und Mechanismen einfach bei. Insofern passiert auf der erzählerischen Ebene herzlich wenig Neues oder gar Modernes, aber was der Film erzählt, das macht er auf seine Art und Weise gut und spannend. So gibt es etwa zur Filmhälfte eine ziemlich tolle Montage-Sequenz, in der eine Dusche und literweise Kunstblut eine Rolle spielen. Die Atmosphäre ist dicht, zuweilen unheimlich, und Kameramann René Verzier gelingt es immer wieder, das alte Geisterschiff gelungen in einprägsamen Bildern einzufangen. Auch der Cast kann sich sehen lassen und ist mit Richard Crenna, George Kennedy und Nick Mancuso für seine Verhältnisse anständig besetzt. Letztlich holt Death Ship das Maximum aus seinem schmalen Budget heraus. Es ist kein großer Film, sicher auch kein unentdeckter Klassiker, kein vergessenes Glanzstück oder gar eine Perle, die unbedingt gesehen werden muss, aber es ist ein schöner, kleiner, altmodischer Gruselfilm. Und besser als das alberne Quasi-Remake Ghost Ship von 2002 ist er allemal.

 

6,5 von 10 Duschen voller Blut

 

 

Leviathan

13. November 2016 at 15:29

 

 

© MGM

 

 

 

„That’s just great! You’re telling me that we’ve got a goddamned Dracula in here with us?“

 

 

 

16.000 Fuß unter dem Meeresspiegel geht die achtköpfige Besatzung der Schürfstation Shack 7 ihrer Arbeit für die Tri Oceanic Mining Corporation nach und sucht dort nach Silber und anderen Edelmetallen. Kurz vor dem Ablauf ihrer 90 tägigen Einsatzzeit kommt es zu einem Zwischenfall und die Crew entdeckt einen gesunkenen russischen Frachter namens Leviathan. Bei näherer Untersuchung des Wracks entdecken sie einen Safe voller Dokumente und Videobänder, den sie bergen ohne auch nur zu ahnen, welche Folgen das alles noch für sie alle haben wird.

 

Heute machen wir erneut einen weiteren, kleinen Ausflug in die doch meist wunderbare Welt der B-Movies (nicht zu verwechseln mit Trash, wenn ich bitten darf!), die dem herkömmlichen Filmkonsumenten vielleicht doch eher ein wenig fremd erscheinen mag. Nachdem Ende der 80er Jahre die Produktion von James Camerons The Abyss offiziell angekündigt wurde, entstanden im Zuge dessen zwei weitere Produktionen in ähnlichem Tiefsee-Setting, die zudem deutlich kostengünstiger in der Produktion waren und deren Macher daher durchaus darauf hoffen durften noch vor The Abyss in die Kinos zu kommen, was letztlich auch gelang. Zum einen handelt es sich dabei um Deep Star Six von Sean S. Cunningham, den aller meisten wohl bekannt als Regisseur von Friday the 13th, und zum anderen um Leviathan von George P. Cosmatos, der unter anderem auch Rambo II und Die City Cobra mit Sylvester Stallone sowie den Western Tombstone mit Kurt Russell und Val Kilmer vorzuweisen hat. Doch während Deep Star Six relativ schnell seinen Weg ins Fernsehen fand, dort recht häufig gezeigt wurde und auch heute noch immer mal wieder zu sehen ist, verschwand Leviathan nach kurzer Zeit in der Versenkung, um erst rund 15 Jahre später wieder auf dem heimischen Markt aufzutauchen. Gerade deswegen und auch, um gegen diese Form der Vergessenheit ein wenig anzukämpfen, geht es in den folgenden Zeilen um Leviathan. Cosmatos liefert hier nämlich einen unterhaltsamen Genre-Mix aus diversen bekannten Versatzstücken ab, der konventionelle Erzählstrukturen zwar nicht verlässt oder ihnen gar etwas neues hinzufügt, dafür aber durchaus ansehnlich in der Produktion daherkommt. Ganz offensichtliche Vorbilder waren hier für zweifellos The Abyss, Alien und The Thing. Das Setting ist sehr begrenzt, eine Flucht ist den Protagonisten nicht ohne weiteres möglich und ist das Monster erst einmal auf der Bildfläche erschienen, jagt es seine Beute durch die engen Gänge der Unterwasserstation. Dazu mischt Cosmatos die Body Horror-ähnlichen Effekte, den Gedanken der Assimilation und einen Hauch des Terrors aus John Carpenter´s The Thing und fertig ist Tiefsee-Ekel-Suppe. Hervorzuheben ist noch die Aufnahmetechnik für die Unterwasser-Szenen namens Dry-for-Wet, die so auch bei Deep Star Six zum Einsatz kam, und die durch eine bestimmte Beleuchtung, spezielle Farbfilter und Schwebeteilchen in der Luft den Unterwasser-Effekt kostengünstig simuliert. Zudem arbeiten zahlreiche erfahrene Leute bei Leviathan vor und hinter der Kamera. Besetzt ist der Film in erster Linie mit Peter Weller (der gute alte Robocop) und Richard Crenna (Rambos väterliche Mentor Colonel Trautman) in den tragenden Rollen, doch darüber hinaus sind auch noch Daniel Stern (Kevin – Allein zu Haus I und II), Ernie Hudson (der vergessene Ghostbuster), Hector Elizondo und Meg Foster im Cast vertreten. Für die visuellen Effekte zeichnet sich niemand anderes verantwortlich als der F/X-Legende Stan Winston und die Musik stammt aus der Feder von Jerry Goldsmith. Beide liefern zwar keine spektakulären Höchstleistungen ab, erbringen aber mehr als solide Arbeit in ihren Bereichen und heben so Leviathan ein wenig aus dem sumpfigen Mittelmaß zahlreicher ähnlich gelagerter Filme (unter anderem auch Deep Star Six, der im direkten Vergleich ein wenig schlechter abschneidet) hervor.

 

Innovationen darf man von Leviathan also nicht erwarten, aber George P. Cosmatos liefert ansehnliche Genre-Kost ab und inszeniert einen handwerklich soliden, durchaus atmosphärischen wie spannenden, gut getricksten, alles in allem angenehm kurzweiligen und altmodischen Monsterfilm mit dem einen oder anderen ekligen Effekt. Nicht mehr und nicht weniger, aber manchmal braucht es das ja auch gar nicht.

 

6 von 10 Flachmännern voller russischem Wodka