Maggie

11. November 2015 at 3:11

 

 

 

Maggie (2015)
Maggie poster Rating: 5.6/10 (22,513 votes)
Director: Henry Hobson
Writer: John Scott 3
Stars: Arnold Schwarzenegger, Abigail Breslin, Joely Richardson, Douglas M. Griffin
Runtime: 95 min
Rated: PG-13
Genre: Drama, Horror, Thriller
Released: 08 May 2015
Plot: A teenage girl in the Midwest becomes infected by an outbreak of a disease that slowly turns the infected into cannibalistic zombies. During her transformation, her loving father stays by her side.

 

 

 

„Dad, I’ve gone to the city. Please don’t come for me. There’s a curfew here. Just… just keep them safe. I’m sorry. I love you.“

 

 

 

In einer Art von postapokalyptischer Welt holt ein Vater seine mit einem tödlichen Virus infizierte Teenagertochter zum Sterben zu sich nach Hause, wohl wissend, dass die Infektion in ihr hochgradig ansteckend ist. Ihnen bleiben nur noch wenige gemeinsame Wochen und das Ende ist absolut unausweichlich…

 

Arnold Schwarzenegger trifft auf Zombies… wer jetzt einen spektakulären Endzeitactioner mit brutalen Schauwerten erwartet, der könnte kaum mehr daneben liegen. Das Regiedebüt von Henry Hobson ist vielmehr intensives Drama als Horror oder Action, es ist ein ruhiger, ein intimer Film, der sich ganz im Stillen abspielt. Der Fokus liegt auch gar nicht auf dem großen Ganzen, auf dem Drumherum, der Außenwelt, sondern ganz eindeutig auf der infizierten Maggie und ihrem Vater Wade, auf deren ganz persönlichen Welt, auf all den Dingen, die nur zwischen ihnen beiden stattfinden. Das ist auch der Grund, warum der Film so gut funktioniert, weil er große Teile dieser seltsamen Welt ausblendet und sich mehr oder weniger nur auf Maggie und ihren Vater konzentriert. Es geht um Maggie, die niemals erwachsen sein wird, die niemals ihre eigene Familie haben wird und die niemals ihre Kinder im Garten wird spielen sehen, um Maggie, die keine Zukunft, keine Hoffnung, keine Chance mehr hat. Maggie besticht durch ein sehr trostloses Setting eingefangen von ruhigen, aber düsteren, monochromen Bildern, und glänzt durch seine erfrischend andersartige Herangehensweise an ein überwiegend schon abgenutztes Genre, obwohl er sich hin und wieder trotzdem in typischen Klischees verliert. Dennoch werden gängige Genrekonventionen weitestgehend hinter sich gelassen. Die Bildsprache ist überraschend subtil und intelligent ausgefallen, nie plakativ oder zum reinen Selbstzweck degradiert, und stellenweise wunderschön geraten. Anders als in den üblichen Zombiefilmen liegt hier in der Welt danach eben keine eklatante Verschiebung der sozialen Werte vor, was den Film auch so interessant gestaltet, denn eine solche Menschlichkeit ist in diesem Genre selten, hier herrschen weder Anarchie noch Grausamkeit an jeder Ecke. Es gibt keine offenkundige, ständige Bedrohung von außen, beinahe so etwas wie Alltag ist wieder eingekehrt, Normalität, oder zumindest etwas, das in diese Richtung geht. So wie früher allerdings, wie vorher, so wird es nie wieder sein, immer wieder blitzt zwischendurch in einzelnen Szenen ein Hauch von Normalität auf, Hoffnung aber gibt es keine, nur noch den Moment, keine Zukunft. Arnold Schwarzenegger stößt hier zwar an seine schauspielerischen Grenzen, macht seine Sache aber wirklich überraschend gut, er gibt den hilflosen, verzweifelten und liebenden Vater doch sehr glaubwürdig und einfühlsam, ganz ohne viele Worte oder große Gesten. Ihm gegenüber steht Abigail Breslin als seine Tochter, und ihre Performance ist beeindruckend, man leidet mit in den vielen ruhigen Szenen, die ihr gehören. Nicht, weil sie künstlich wirken würden, aufgeblasen oder gar triefend vor Pathos, sondern weil sie auf sehr ruhige und zurückhaltende Weise echt wirken, weil die leere in Breslins Augen geradezu greifbar ist. Ebenfalls zu Gute kommt Maggie, dass die Laufzeit mit rund 95 Minuten sehr überschaubar ist und so das tragende Thema zum Glück nicht gnadenlos ausgewalzt wird, und gerade das erste Drittel des Films ist sehr eindringlich und hat einige äußerst einprägsame Bilder und Sätze zu bieten. Die letzte Szene dagegen weiß das alles nochmal zu toppen und ist wirklich großes Gefühlskino, das einen konsterniert zurücklässt.

 

Maggie ist ein dezent und zurückhaltend inszeniertes Drama und spielt sich beinahe ausschließlich zwischen Vater und Tochter ab. Ein gefühlvoller und feinsinniger Film, der durch seine ungewöhnliche Ausrichtung innerhalb seines Genre angenehm zu überraschen weiß und besonders dann gut funktioniert, wenn man in der Lage ist, sich darauf einzulassen, sich ein ähnliches Szenario auszumalen vermag, vergleichbares vielleicht schon einmal erlebt hat oder sogar gerade erlebt, den schleichenden und unwiederbringlichen Verlust eines geliebten Menschen.

 

8 von 10 ausgelassenen, letzten Abenden am Lagerfeuer