Mission Impossible: Rogue Nation

20. Dezember 2015 at 19:07

 

 

 

Mission: Impossible - Rogue Nation (2015)
Mission: Impossible - Rogue Nation poster Rating: 7.5/10 (160,094 votes)
Director: Christopher McQuarrie
Writer: Christopher McQuarrie (screenplay), Christopher McQuarrie (story), Drew Pearce (story), Bruce Geller (television series)
Stars: Tom Cruise, Jeremy Renner, Simon Pegg, Rebecca Ferguson
Runtime: 131 min
Rated: PG-13
Genre: Action, Adventure, Thriller
Released: 31 Jul 2015
Plot: Ethan and team take on their most impossible mission yet, eradicating the Syndicate - an International rogue organization as highly skilled as they are, committed to destroying the IMF.

 

 

 

„Desperate times, desperate measures.“

 

 

 

Nach der, wenn auch unfreiwilligen Beteiligung an der Zerstörung des Kremls in Moskau und einigen anderen Vorfällen ist der IMF auch intern schwer unter Beschuss geraten und wird aufgelöst. Alle noch sich im Einsatz befindlichen Agenten werden zurück beordert und sämtlich laufenden Operationen vorläufig der CIA übertragen. Nur Ethan Hunt ist nicht gewillt dem nachzugeben, ist er doch inzwischen so nah an der als Syndikat bekannten Organisation aus Terroristen und Ex-Agenten heran gekommen wie noch nie zuvor, an deren Existenz außer ihm jedoch kaum jemand glaubt. Hunt muss handeln, taucht unter und operiert allein weiter. Ohne Unterstützung, staatenlos und nun gejagt von Freund und Feind gleichermaßen, kann er sich nur noch auf einige sehr wenige alte Wegbegleiter verlassen…

 

Über die Mission Impossible-Reihe kann ja denken was man will, den einen unterhalten die Agentenabenteuer rund um Superspion Ethan Hunt, der andere findet das alles viel zu übertrieben und stumpf. Ich persönlich halte die Reihe mal mehr, mal weniger eigentlich immer für einen relativ sicheren Garanten für gute Unterhaltung garniert mit eindrucksvoller Action. Es muss ja nicht immer anspruchsvoll sein, man will auch mal nicht allzu viel denken müssen. Tatsache jedoch ist, dass die Mission Impossible-Filme zu den ganz wenigen großen Reihen gehören, die nicht immer unbedingt kohärent ausfallen, denn jedem bisherigen Regisseur ist es auch immer gelungen, dem jeweiligen Film seine ganz eigene, individuelle Handschrift aufzudrücken. Egal, ob Brian De Palma 1996 mit dem noch am ehesten als Agententhriller angelegten ersten Film, den ich persönlich auch immer noch für den besten von allen halte, John Woo vier Jahre später mit Teil 2, der durch und durch ein reiner Actionfilm und das schwächste Glied der Kette ist, J.J. Abrams 2006 mit Mission Impossible III, der beide Welten schon deutlich besser zu vermischen wusste, oder ob Brad Bird mit Ghost Protocol dann 2011 genau diese Rezeptur weiter verfeinerte und mit der Kletterszene an einem Wolkenkratzer in Dubai den vielleicht eindrucksvollsten Moment der ganzen Reihe inszeniert hat, alle Filme unterschieden sich doch recht deutlich in ihrer Machart und waren immer dem Stil ihrer jeweiligen Regisseure unterworfen. Nun also inszeniert Christopher McQuarrie mit Mission Impossible: Rogue Nation die neueste Agentenhatz über die halbe Weltkugel rund um Ethan Hunt und sein Team, mit dem Tom Cruise bereits für Jack Reacher zusammengearbeitet hat, und als erstes sticht ins Auge: dieses Mal fällt der Sprung im Vergleich zu Ghost Protocol nicht so deutlich auf wie bei den anderen Teilen. McQuarrie gelingt es nicht wirklich, dem Film etwas von seiner Eigenständigkeit mitzugeben und Rogue Nation erinnert oftmals stark an seinen Vorgänger. Das stört allerdings kaum, denn beide Filme bauen auch aufeinander auf, das zuvor angedeutete Syndikat wird nun weiter ausgebaut und endgültig etabliert und man knüpft genau dort an, wo der Vorgänger aufhörte. Überhaupt scheint man mit Abstrichen schon in Teil 3, spätestens aber seit Ghost Protocol auf größere Zusammenhänge zu setzen. Da konnten die ersten beiden Filme durchaus noch alleine und für sich stehen.

 

Mission Impossible: Rogue Nation führt uns von Weissrussland über London nach Wien, Casablanca und schließlich wieder zurück nach London. Vor allem Casablanca weiß als exotischer Drehort zu bestechen, aber das prachtvolle Herzstück des Films ist wohl die ungemein clever angelegte und ausgesprochen spannend inszenierte Jagd auf einen Attentäter in der Wiener Staatsoper, während dort Puccini´s Turandot aufgeführt wird. Ein ausgedehntes Katz – und Mausspiel mit gleich mehreren doppelten Böden und während die Oper sich mit der Arie Nessun Dorma ihrem Höhepunkt nähert, spitzen sich auch hinter den Kulissen die Ereignisse dramatisch zu, da wird auch schon mal eine Querflöte zur tödlichen Waffe. Die ganze Szenerie ist enorm akribisch und sehr umsichtig aufgebaut und erinnert dabei beinahe schon an Hitchcock und seinen The Man Who Knew Too Much, auch wenn dessen spannungsgeladene Qualitäten dann doch nicht ganz erreicht werden können. Die Verbeugung vor dem Großmeister der Spannung ist jedoch mehr als nur deutlich zu erkennen und McQuarrie liefert hier eine der interessantesten Actionszenen des Kinojahres 2015. Darauf folgt eine ganz stark an den ersten Film erinnernde Heist-Szene, wenn es darum geht in eine Art mehr als nur schwer gesicherten Serverraum einzudringen, um entscheidende Daten auszutauschen, die allerdings längst nicht mehr so überzeugen kann wie die voran gegangene Opernsequenz oder gar die erwähnte Szene aus dem ersten Mission Impossible-Film. Zu übertrieben und aufgeblasen kommt das alles daher und genau an dem Punkt verlässt sich Rogue Nation dann auch viel zu sehr auf CGI und verliert stark an Glaubwürdigkeit. Die darauffolgende Verfolgungsjagd in Casablanca jedoch weiß dann wieder völlig zu überzeugen, angefangen von den engen Gassen der Altstadt raus auf den Highway und in staubigen Serpentinen des nordafrikanischen Gebirges endend, wimmelt es hier nur so von winzigen und sehr gelungenen Ideen und Einfällen. Einzig eine Szene kann nicht überzeugen, aber das ist dann schon wieder fast Jammern auf hohem Niveau.

 

Gelungen ist auch wieder das Zusammenspiel der einzelnen Team-Mitglieder, auch wenn es schade ist, dass diese Interaktion untereinander in Rogue Nation nicht mehr ganz so sehr im Vordergrund steht wie noch in Ghost Protocol und es auch einige Zeit in Anspruch nimmt, bis das Team um Hunt mit Benji Dunn, William Brandt und Luther Stickell dann endlich vollzählig ist. Dafür stimmt die Chemie unter den Charakteren dann aber wieder genauso, wie man es inzwischen gewohnt ist und Timing und Witz passen wie die Faust aufs Auge. Zudem wird Ethan Hunt mit der mysteriösen und kaum zu durchschauenden Ilsa Faust (nur eine von diversen Anspielungen auf den Klassiker Casablanca!) endlich mal eine weibliche Figur an die Seite gestellt, die nicht nur mit ihm völlig auf Augenhöhe agieren darf, sondern die auch zum bisher interessantesten und komplexesten Charakter der ganzen Filmreihe überhaupt zählt. Sie hat dem Film weit mehr zu bieten als einfach nur ihre optischen Reize wie sonst eigentlich immer ihre Vorgängerinnen Thandie Newton, Paula Patton oder Michelle Yeoh, die selten durch mehr beeindrucken konnten als ihre aufwendige Abendgarderobe. Rebecca Ferguson verkörpert diese Rolle dann auch wirklich gut und versteht es, viel aus der doch überraschend komplex angelegten Ilsa Faust herauszuholen, in ihrer Schlagkraft nicht weniger als ein weibliches Pendant zu Ethan Hunt, das ihm aber auch taktisch und strategisch mühelos das Wasser reichen kann und nie wirklich unterlegen ist. Auch ist lange nicht wirklich klar, auf welcher Seite die Dame denn nun tatsächlich spielt, und eine Aura des Mysteriösen umweht sie. Auf der Seite der Bösewichte jedoch wird meist nur schurkische Standardkost geboten, ein Problem, mit dem eigentlich alle Teile der Reihe zu kämpfen haben. Die Gegenspieler haben meist zu wenig screen time und leben irgendwie immer mehr von der bloßen Behauptung ihres Bedrohungspotentials, denn von ihrer tatsächlichen Präsenz, und ja, auch der große Phillip Seymour Hoffman als Waffenhändler Owen Davian in Mission Impossible III bildet da keine Ausnahme. Nun geht es aber in Rogue Nation mit dem Syndikat um ein großes, überwiegend aus bestens ausgebildeten Ex-Agenten und Berufskillern bestehendes, weltweit verdeckt operierendes und ultrageheimes Netzwerk aus Terror und Verbrechen, eine Art Anti-IMF, wie der Film es nennt, dann aber bietet der neue Mission Impossible einfach viel zu wenig auf der Seite der Bösewichte, die trotz ihres Backgrounds kaum mehr sind als Handlanger und Kanonenfutter. Und auch der Chef des ganzen bleibt sehr blass und nichtssagend, Sean Harris als der fiese und sinistre Kopf des Syndikats Salomon Lane, kann nicht wirklich überzeugen, und so gesellt er sich munter in die illustre Runde all der wenig bedrohlichen Bösewichte und Gegenspieler der Mission Impossible-Reihe.

 

Am Ende macht Mission Impossible: Rogue Nation genau das, was er im Grunde soll, nämlich unterhalten. Das Tempo ist gewohnt hoch und die Action meist einfallsreich und spektakulär. Die Chemie im Cast stimmt und mit Ilsa Faust gewinnt das Zusammenspiel der Figuren an Qualität, zumal die meisten Charaktere in der Reihe ja doch eher flach und eindimensional ausfallen. Trotz der für alle Filme typischen Krankheiten wie beispielsweise die blassen und wenig bedrohlichen Gegenspieler, weiß Rogue Nation größtenteils zu gefallen, auch wenn der Vorgänger Ghost Protocol qualitativ nicht ganz erreicht werden kann.

 

7 von 10 Besuchen in der Wiener Staatsoper