Mother´s Day

19. Juli 2015 at 23:31

 

 

 

Mother's Day (2010)
Mother's Day poster Rating: 6.3/10 (11581 votes)
Director: Darren Lynn Bousman
Writer: Scott Milam (screenplay), Scott Milam (screen story), Charles Kaufman, Warren Leight
Stars: Rebecca De Mornay, Jaime King, Patrick John Flueger, Warren Kole
Runtime: 112 min
Rated: R
Genre: Horror, Thriller
Released: 5 May 2011
Plot: The sadistic members of a villainous family return to their childhood home to terrorize the new home owners and their guests.

 

 

 

„When my children were growing up, they occasionally misbehaved. What child doesn’t, after all. But I taught them that their behavior had consequences. Not just for themselves, but also for their brothers and sister.”

 

 

 

Die drei Brüder Ike, Johnny und Addley Koffin befinden sich nach einem missglückten Banküberfall auf der Flucht vor der Polizei. Johnny wurde schwer verletzt und die Nerven bei allen liegen blank, also beschließen sie zu ihrer Mutter in ihr altes Zuhause zu fahren. Allerdings wissen die Brüder nicht, dass das Haus inzwischen zwangsverkauft wurde und seit zwei Monaten neue Besitzer hat. Kaum dort angekommen, werden sie mit eben diesen neuen Hausbesitzern und einigen ihrer Freunde, die im Keller eine Geburtstagsparty feiern, konfrontiert. Alle werden kurzerhand als Geiseln genommen und die drei Brüder tun, was sie immer tun, wenn sie nicht weiter wissen, sie rufen ihre Mutter an. Die kommt dann auch bald, verschafft sich schnell einen Überblick über die Situation und nimmt die Sache fortan auf ihre ganz eigene Art und Weise in die Hand…

 

Mother´s Day ist im weitesten Sinne ein Remake des gleichnamigen Rape and Revenge-Streifens von 1980, der unter der Regie von Charlie Kaufman direkt aus der berühmt-berüchtigten Trashfilm-Schmiede Troma stammt, für deren Verhältnisse aber relativ untypisch daherkommt und ein durchaus ernstzunehmender Film ist. Darren Lynn Bousman jedoch, den man überwiegend für seine Regie bei Saw 2, 3 und 4 kennt, sowie für die wirre, hyperästhetisierte „Genetic Opera“ namens Repo!, die zu den Höhepunkten des neueren ironisch-postmodernen Body Horrors gehören dürfte, lässt von der Vorlage allenfalls noch die Grundkonstellation aus der Mutter und deren Söhnen übrig, wodurch sein Film eine völlig andere Richtung einschlägt als das Original aus 1980, eher eine lose Adaption ist und in weiten Teilen sehr eigenständig geraten ist. Das erzählerische Tempo ist von Beginn an sehr hoch, Regisseur Bousman nimmt sich keine zehn Minuten Zeit und schon überschlagen sich die Ereignisse und der Zuschauer wird mitten ins Geschehen geworfen. Die Charakterisierung der einzelnen Figuren erfolgt dann auch erst im weiteren Verlauf der eigentlichen Story und ist gekonnt mit dem Handlungsstrang verwoben, so dass man erst nach und nach immer mehr über die einzelnen Charaktere erfährt, ein durchaus gelungener erzählerischer Kniff. Zudem verlegt Bousman seinen Film in einen gänzlich anderen Kontext, denn spielte das Original von 1980 noch in ländlicher Idylle mit dem eigentlich eher für Backwood-Slasher typischen Konflikt zwischen arglosen Großstädterinnen und der bösartigen Landbevölkerung, verlagert sich die Handlung nun im Remake konsequent in die amerikanische Vorstadthölle und in Richtung Home Invasion-Thriller.

 

 

 

„You’ll see, if you ever become a mother, punishment is never easy. But if you want them to understand and respect the rules, you can never back down. You see, rules are what make order out of chaos. We must follow the rules.”

 

 

 

Mother´s Day funktioniert auch vor allem deshalb so gut, weil Rebecca De Mornay ihre Rollen als Natalie „Mother“ Koffin mit enormer Wucht und Präsenz spielt, zurückgenommen und stets beherrscht und doch beherrschend, scheinbar immer die Kontrolle über die Situation habend. Ihre Performance ist es, die den Film aus einem Brei mittelmäßiger Home Invasion-Thriller deutlich hervorhebt, und sie legt ihre Figur ähnlich an wie damals in Hand an der Wiege, mal liebevolle Beschützerin, mal gestrenge Übermutter, mal eiskalte Psychopathin. Wirklich interessant wird es dann, wenn die Figur der neuen Hauseigentümerin Beth zu einer Art Gegenpol zur Mutter der drei Brüder aufgebaut wird und es gegen Ende des Films auf ein Duell Mutter gegen Mutter hinaus läuft, beide von einem stark ausgeprägten Beschützerinstinkt getrieben, wenn doch auf denkbar unterschiedlichste Art und Weise. Diese Konstellation bietet reichlich Konfliktpotential und wenn sich dann noch eine fiese Mischung aus grafischer Gewalt und perfidem Psychoterror in die durch Angst geprägte Atmosphäre einschleicht, hat Mother´s Day seine besten Momente. Harmlos geht es hier definitiv nicht zur Sache, der Grundton des Films ist generell sadistisch und böse, und die Gewaltszenen nehmen zwar nicht überhand und sind vielmehr geschickt im Film verteilt, aber immer ausgesprochen schmerzhaft umgesetzt, verkommen dabei aber nie zum bloßen Selbstzweck, der Film ergötzt sich nicht an der Gewalt um ihrer selbst willen und nie stellt sich das Gefühl des Voyeurismus beim Zuschauer ein. Auch die zum Teil aus den Saw-Filmen bekannten sadistischen Entscheidungen, die einigen Figuren auferlegt werden, kommen hier zum Einsatz, aber auch diese sind wohl dosiert und werden keineswegs inflationär gebraucht, ein weiterer deutlicher Pluspunkt des Films, und so entsteht eine wirklich unangenehme Atmosphäre, die große Teile von Mother´s Day prägt und seine eigentliche Stärke ist.

 

Sicher hat Mother´s Day auch eine ganze Reihe von Schwächen, das lässt sich nicht leugnen oder unter den Teppich kehren. Zum einen wäre da die manchmal etwas plumpe und ungelenke Story, die zuweilen versucht, über ihre gelegentliche Einfallslosigkeit durch viel Blut und Gewalt hinweg zu täuschen. Dazu gesellen sich eine ganze Reihe von Logikfehlern, schwachen schauspielerischen Leistungen und dramaturgischen Luftlöchern, das drohende Unwetter zum Beispiel wird oft erwähnt, dann aber erzählerisch nicht genutzt, es wird irgendwann einfach nicht mehr thematisiert. Auch sind die meisten Wendungen der Story vorhersehbar und nicht sonderlich überraschend, ein klein wenig mehr Mut und Kreativität im Plot hätten den Film noch deutlich stärker gemacht. Dafür ist die Atmosphäre wirklich gut geraten und phasenweise sehr dicht inszeniert und vor allem das Ende ist wirklich böse, ein fieser Schlag in die Magengrube, dessen Zynismus sich perfekt in die düstere und pessimistische Grundstimmung des ganzen Films einfügt.

 

Mother´s Day ist am Ende ein kleiner räudiger Home Invasion-Thriller, der sich vor allem durch eine gelungene und schlüssige Zeichnung seiner Charaktere von der großen Masse der Mittelmäßigkeit abhebt. Vom Original bleibt nicht mehr viel außer der Grundkonstellation erhalten und die Rape and Revenge-Elemente lassen sich allenfalls noch erahnen, aber das ist nicht weiter schlimm, denn Bousman´s Film ist durch seine Neuausrichtung eigenständig genug geraten und funktioniert problemlos auch in seinem verschobenem Kontext. Das überdurchschnittliche Schauspiel von Rebecca De Mornay und die geschickte Balance zwischen perfiden Psycho-Spielchen und glaubhaft inszenierter grafischer Gewalt kreieren letztlich eine dichte, manchmal regelrecht böse Atmosphäre, die über die volle Laufzeit aufrecht erhalten werden kann. Ein kleiner, aber gelungener Film, der ein wenig mehr Aufmerksamkeit verdient und Beachtung finden sollte.

 

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