Resolution (2012)

6. Oktober 2018 at 18:40

 

 

© Tribeca Film/Cinedigm/Quelle: IMDb

 

 

 

There really are a lot of weird people out here.“

 

 

 

Als Michael ein Video von seinem alten Freund Chris geschickt bekommt, in welchem er stark unter Drogen scheinbar am Tiefpunkt angekommen ist, da beschließt er, ihn in seiner abgewrackten Hütte irgendwo in der kalifornischen Pampas zu besuchen. Ein kalter Entzug soll es werden, unterstützt durch ein paar Handschellen, eine Woche soll es dauern. Doch mit jedem Tag, der verstreicht, häufen sich merkwürdige Vorfälle. Irgendetwas unheimliches scheint vor sich zu gehen, doch beide haben nicht den Hauch einer Idee, was.

 

What the fuck?! Was mit einer simplen wie schlüssigen Prämisse beginnt, das wird mit zunehmender Laufzeit immer verschachtelter und am Ende entzieht sich dieser Genre-Bastard namens Resolution einfach jeglicher Deutungshoheit. Der Film der beiden Regisseure Aaron Moorhead und Justin Benson ist dermaßen Low-Low-Budget, dass man sich verwundert die Augen reiben muss, wenn man spürt, wie viele tolle Ideen dennoch in ihm stecken. All die teils ausgesprochen cleveren audiovisuellen Brotkrumen, welche die beiden dort sehr sorgfältig platzieren, lassen sich zwar mühelos finden, nur zu einem schlüssigen Ganzen zusammenfügen, das will nicht so recht gelingen. Resolution spielt nicht bloß mit möglichen Auflösungen seines Szenarios, er verweigert sich diesen gleich vollkommen. Das kann man nun als faul, nachlässig oder schlampig geschrieben abtun, ich für meinen Teil finde das mutig, frisch und unkonventionell.

 

Stimmung und Atmosphäre sind Moorhead und Benson deutlich wichtiger als kausale Zusammenhänge, voller diebischer Freude treiben sie das Prinzip des unzuverlässigen Erzählers auf die Spitze und lassen den Zuschauer lieber gleich vollkommen im Dunkeln stehen, wenn ihr Film im letzten Drittel jegliche Struktur aufgibt und komplett frei dreht. Obwohl Resolution derart grundlegend diffus und regelrecht unbestimmt formlos daherkommt in seiner ganzen Machart, ist er dennoch ein absolut sehenswerter Film. Feinsinnig, subtil, beinahe schon hinterhältig. Ein Film, der kaum zu fassen ist, nicht wirklich einzuordnen ist, ja, nicht einmal sinnig zu beschreiben ist und einem immer wieder durch die Finger rinnt. Und doch sind so viele interessante Ansätze in ihm zu finden: sein unkonventioneller und trotzdem fesselnder Spannungsaufbau fernab sonstiger Genre-Mechanismen, die permanent unterschwellig vibrierende Bedrohung, die konsequente Verweigerungshaltung gegenüber Interpretationsansätzen. Faszinierend, was Moorhead und Benson mit so wenigen Mitteln hier für ein schillerndes, packendes und unvergleichliches Monster von Film erschaffen haben, welches einem abschließend nur noch mehr Fragen und Rätsel mit auf den Weg gibt, als man zuvor schon hatte. Das mag sicher nicht jedermanns Geschmack sein, aber wenn man sich darauf einlassen kann, dann ist eines gewiss: Resolution bleibt im Kopf.

 

7 von 10 kalten Entzügen mit Handschellen.