Shock Waves (1977)

9. Mai 2018 at 20:05

 

 

© Blue Underground

 

 

 

Der Plot ist schnell erzählt: eine mehr oder weniger zufällig zusammen gewürfelte Gruppe von Touristen strandet mit ihrem Boot auf einer geheimnisvollen Insel irgendwo im Nirgendwo, welche scheinbar einzig von einem ehemaligen SS-Offizier bewohnt wird. Dieser warnt die Gruppe und mahnt sie dazu, die Insel so schnell wie möglich wieder zu verlassen, doch das Grauen erhebt sich bereits aus seinem feuchten Grab.

 

Wer bei Nazi-Zombies gleich an Dead Snow denkt oder im weiteren Sinne vielleicht an den unsäglichen Iron Sky, weil der auf ähnliche Art und Weise sein filmisches Thema grotesk überzeichnet, dem entgegne ich so gleich mit Shock Waves. Obwohl das jetzt reißerischer klingen mag, als der Film von Ken Wiederhorn letztlich ist, denn er unterläuft schon auch irgendwie gängige Klischees und Erwartungshaltungen, wenn es eben keine irrsinnigen Splatter-Szenen gibt oder blank ziehende junge Damen und Shock Waves für einen solchen Genre-Film Ende der 70er erstaunlich zahm ausfällt. Ich glaube sogar, es gibt nicht ein Tröpfchen Blut im Film zu sehen, aber da kann ich mich rückblickend auch irren.

 

Aber gerade diese Zurückhaltung in seiner Inszenierung gefällt mir an Shock Waves. Sicherlich gilt auch hier, dass es kein wirklich guter Film ist, handwerklich allenfalls ein so gerade noch solides B-Movie, aber er erschafft eine sehr merkwürdige, irgendwie surreal-träumerische, kaum zu greifende Atmosphäre, die einlullt und fesselt ohne das sonderlich viel passieren würde. Ganz ehrlich: Shock Waves ist nicht blutig, nicht spannend, nicht dramatisch, und TROTZDEM mag ich den Film irgendwie. Auf seine Art übt er eine sehr seltsame Faszination auf mich aus. Und diese kühle Distanz, mit der sich die natürlich platinblonden Nazis immer wieder aus den Fluten erheben und ihrem Mordhandwerk mit schweigsamer Präzision und geradezu enigmatischer Effizienz nachgehen, die ist ausgesprochen eigenwillig, aber eben auch faszinierend und irgendwie sehr anders. Dazu dann der verstärkende Effekt des Scores von Richard Einhorn, den man – vorsichtig formuliert – als europäisch bezeichnen könnte, wenn er sich deutlich an ähnlichen Werken des italienischen Genre-Kinos jener Zeit orientiert.

 

Wie gesagt: Shock Waves ist am Ende des Tages kein sonderlich guter Film, aber zumindest für mich ist er eigenwillig genug in seiner Machart, um mich für seine rund 85 Minuten Laufzeit nicht zu langweilen. Kein vergessenes Meisterwerk oder unbedingter Geheimtipp, dafür ist er in der Entwicklung seines Plots insgesamt dann doch zu genre-konform, aber ein hübscher kleiner Querschläger ist das schon.

 

5,5 von 10 Nazi-Zombies mit Sonnenbrillen