Southpaw

3. Januar 2016 at 18:56

 

 

 

Southpaw (2015)
Southpaw poster Rating: 7.5/10 (98,250 votes)
Director: Antoine Fuqua
Writer: Kurt Sutter
Stars: Jake Gyllenhaal, Rachel McAdams, Forest Whitaker, Oona Laurence
Runtime: 124 min
Rated: R
Genre: Action, Drama, Sport
Released: 24 Jul 2015
Plot: Boxer Billy Hope turns to trainer Tick Wills to help him get his life back on track after losing his wife in a tragic accident and his daughter to child protection services.

 

 

 

„A fighter knows only one way to work.“

 

 

 

Billy Hope hat es geschafft. Vom ungebildeten Waisenjungen aus der Gosse zum Weltmeister im Halbschwergewicht mit einer beeindruckenden Bilanz von 43 Siegen, weltbekannt und Millionen schwer. Als jedoch seine Frau Maureen durch einen tragischen Unfall ums Leben kommt, bricht für Billy eine Welt zusammen. Er stürzt in ein tiefes Loch aus Wut, Trauer, Selbsthass, Alkohol und Drogen und verliert alles, sein Geld, sein bisheriges Leben, sogar das Sorgerecht für seine kleine Tochter Leila. Erst als der Boxtrainer Tick Wills ihn unter seine Fittiche nimmt, besinnt sich Billy wieder auf das wesentliche und beginnt, sich Stück für Stück wieder nach oben zu kämpfen…

 

Keine Sportart ist enger mit dem amerikanischen Traum verknüpft als das Boxen. Vom Außenseiter zum Millionär, du musst es nur wollen und dir hart genug mit Blut, Schweiß und Tränen erkämpfen. Und genau dieser Gedanke ist es, den Regisseur Antoine Fuqua und Drehbuchautor Kurt Sutter hier aufgreifen und auf die Leinwand bringen. Wobei Southpaw zunächst noch recht ungewöhnlich inszeniert ist, verzichtet er doch eingangs auf den sonst üblichen, harten und entbehrungsreichen Weg seines Protagonisten bis ganz nach oben, denn Billy Hope ist bereits dort angekommen, als das Schicksal zuschlägt. Dann erst beginnt sein eigentlicher Kampf, der Kampf um sein Leben, seine Tochter, seine Karriere. Insofern verschiebt Southpaw lediglich altbekannte strukturelle Ansätze, bietet jedoch keine neuen und vermag es zu keiner Sekunde, sich aus dem engen erzählerischen Korsett des Sportdramas zu befreien. Was ja auch überhaupt nicht schlimm wäre, könnte sich doch der Film wenigstens innerhalb dieser starren Strukturen vernünftig bewegen, doch leider sind sowohl Fuqua´s Inszenierung als auch Sutters Drehbuch bestenfalls mittelmäßig, schablonenhaft, formal und stilistisch einfältig und voller gängiger Bilder und leerer Plattitüden. Es überkommt einen das Gefühl, Sutter hätte für das Drehbuch sämtliche Klischees niedergeschrieben, die ihm so eingefallen sind zum Thema Boxen. Überhaupt haben sich da zwei gefunden, die bestens zusammen passen, Antoine Fuqua und Kurt Sutter, der überwiegend bekannt dafür ist, die Serie Sons Of Anarchy erschaffen und geschrieben zu haben. Ihr Schaffen ist doch sehr geprägt von erdrückender Maskulinität und daraus resultierender Gewalt und beide zelebrieren mit Vorliebe ganz besonders männliche Attitüden und Einstellungen. Mit Southpaw erschaffen Fuqua und Sutter nun zusammen ein absolut Testosteron getränktes Boxer-Melodram voller klischeehafter und eindimensionaler Figuren direkt aus dem Sportdrama/Boxfilm-Baukasten, das zu allem Überfluss auch nicht verbergen kann, wie sehr es darum bemüht ist, den Zuschauer emotional zu manipulieren. So weit das Auge reicht nur flache Abziehbilder, eine seltsam verzerrte Vorstellung von Männlichkeit und vorgegaukelte Gefühle. Wirklich zu berühren vermag Southpaw dementsprechend auch nur in den allerwenigsten Momenten. Dennoch ist nicht alles schlecht, was Fuqua und Sutter uns hier auftischen, so viel muss schon um der Fairness willen gesagt werden. Jake Gyllenhaal ist ohne jeden Zweifel ein absolutes Tier, eine Bestie innerhalb und außerhalb des Rings. Seine Performance ist jeglicher Hinsicht herausragend und er reißt den Film definitiv an sich, dominiert jede Szene, erdrückt aber auch beinahe alle anderen Darsteller. Sein Spiel ist fraglos das beeindruckenste am ganzen Film und einzig Forest Whitaker als der in die Jahre gekommene und väterliche Boxtrainer Tick Wills weiß noch zu überzeugen, wenn auch kaum zu glänzen. Ein gelungener und auch nötiger, weil angenehm ruhiger Gegenentwurf zu Gyllenhaals impulsiver und einnehmender Darbietung, dennoch ist auch diese Figur vollkommen durchdrungen von Klischees und Allgemeinplätzen und kommt etwas zu spät zum Zuge, um den Film noch in eine andere Richtung lenken zu können. Der Rest des Cast versinkt in Beliebigkeit und ist sowohl für die Entwicklung der Story als auch schauspielerisch vollkommen belanglos, kaum mehr als simple Stichwortgeber und Erfüllungsgehilfen. In den Boxkämpfen setzt Fuqua auf maximale Dynamik und inszeniert sie sehr direkt und unmittelbar, hart, blutig und verschwitzt. Zwar dominieren schnelle Schnitte, dennoch wirken die Ringszenen immer auch sehr druckvoll und wuchtig, sind aber eher medienartig im Stile von Sportübertragungen gehalten und daher weniger emotional angelegt.

 

Southpaw ist zu jeder Sekunde absolut dominiert von der beinahe schon erdrückenden Präsenz von Jake Gyllenhaal, der zweifellos abermals eine beeindruckend starke Leistung zeigt, hat zu seinem Leidwesen jedoch darüber hinaus bis auf gelungen inszenierte Boxkämpfe relativ wenig zu bieten. Auch Forest Whitaker vermag gerade auch im Zusammenspiel mit Gyllenhaal noch kleinere Glanzpunkte setzen, kann letztlich aber auch nicht mehr aus dem Film heraus holen. Zu sehr reihen Fuqua und Sutter hier Klischee an Klischee an Klischee und versinken in Allgemeinplätzen und Beliebigkeit. Selbst einige wenige durchaus interessante Ansätze verpuffen in zu viel Testosteron und Einfälltigkeit und Southpaw gerät viel zu formelhaft in seiner Erzählstruktur, um dem Genre des Sportdramas neue Aspekte abgewinnen zu können. Muss der Film im Grunde ja auch gar nicht, aber ein bisschen weniger Klischee, emotionale Manipulation und regelrecht ausgequetschte Tränendrüsen wären auch ganz schön gewesen. Dann doch lieber zum x-ten Mal Rocky oder lieber gleich den ungeschlagenen König des Genres, Raging Bull.

 

5,5 von 10 tiefen Cuts über dem Auge