The Equalizer 2 (2018)

5. März 2019 at 12:49

 

 

© Sony Pictures Releasing/Quelle: IMDb

 

 

 

Gentlemen, I am going to kill you all, and my only disappointment is that I only get to do it once.“

 

 

 

Als seine alte Freundin Susan Plummer bei Ermittlungen in Belgien ermordet wird, ruft das Robert McCall auf den Plan, der nicht so recht an die Version eines missglückten Überfalls glauben mag. Also nimmt er die Spur auf und stößt schnell auf Unstimmigkeiten, die etwas größeres vermuten lassen.

 

Robert McCall ist zurück und dieses Mal ist seine Mission von persönlicher Natur. Was ein wenig verwundert, ist The Equalizer 2 unter der erneuten Regie von Antoine Fuqua doch die erste Fortsetzung überhaupt in der langen Karriere von Denzel Washington. Doch obwohl die Figur nun bereits etabliert ist und nicht erst noch aufgebaut werden muss, tappt der zweite Teil in die gleichen Fallen, die mich schon beim Vorgänger gestört haben, und gibt sich insgesamt sehr träge in seiner Inszenierung abseits der Action. So braucht The Equalizer 2 beinahe das gesamte erste Drittel seiner Laufzeit von rund 120 Minuten, bis die eigentliche Handlung Fahrt aufnimmt, und dazwischen gibt es zahlreiche Subplots und vor allem erzählerischen Leerlauf. McCall kümmert sich um einen Überlebenden des Holocaust und den Garten seiner muslimischen Nachbarin, er befreit entführte Kinder in der Türkei und bringt einen anderen Nachbarn zurück auf den richtigen Weg, rächt ein ihm fremdes Mädchen, und klärt darüber hinaus nicht nur den Mord an einer alten Freundin auf, sondern zieht auch gleich die Schuldigen noch zur Rechenschaft.

 

Allerdings verliert sich McCall dabei für meinen Geschmack etwas zu oft in pseudo-philosophischen Kalendersprüchen und kruder Glückskeks-Moral. Sein Vorgehen jedoch ist auch hier immer kontrolliert, überlegt und geprägt von Präzision und Effizienz, doch wo seine speziellen Fähigkeiten im Vorgänger noch die Hauptattraktion waren und Fuqua immer wieder kurze, aber kraftvolle Actionszenen kreieren konnte, da wird dieses Element nun nicht nur sparsamer eingesetzt, sondern visuell auch weniger betont. Im stürmischen, an klassische Western angelehnten Finale dreht Fuqua in puncto Action zwar nochmals ordentlich auf, doch die Hinleitung dorthin ist in vielerlei Hinsicht arg bemüht: allein die aufdringliche Symbolik eines aufziehenden Unwetters ist ebenso vorhersehbar wie die Handlung selbst und deren Wendungen. Spannung kommt so nur sehr selten auf und auch sein ehemaliges Team ist bis auf den von Pedro Pascal verkörperten Dave York vollkommen konturlos, blass und austauschbar und dadurch wenig bedrohlich. Letztlich macht The Equalizer 2 die gleichen Fehler wie schon der erste Teil, bietet zu viel erzählerischen Leerlauf, statt sich auf seine Kernkompetenzen zu konzentrieren, bleibt allerdings auch bei seinen Stärken in jeglicher Hinsicht hinter seinem Vorgänger zurück.

 

5 von 10 zur Waffe umfunktionierten Kreditkarten

 

 

Die Glorreichen Sieben

2. März 2017 at 12:52

 

 

  © MGM

 

 

 

„What we lost in the fire, we found in the ashes.“

 

 

 

Der brutale wie rücksichtslose Grundbesitzer Bartholomew Bogue vergrößert sein Land mit eiserner Faust. Sein neuestes Objekt sind die Grundstücke der Bewohner von Rose Creek und um die anliegende Goldmine ausbeuten zu können, bietet er den Leuten zunächst einen Spottpreis weit unter Wert für ihr Land. Als das nicht funktioniert, braucht es Gewalt, um die Siedler zu vertreiben. In ihrer Not wendet sich die Witwe Emma Cullen an den erfahrenen Kopfgeldjäger Sam Chisolm, der eine schlagkräftige Truppe zusammen stellt, um den gemeinsamen Kampf gegen Bogue und seine Männer aufzunehmen.

 

Überall nur noch Remakes, Reboots, Sequels oder Prequels. Hollywood generiert keine eigenen Ideen mehr, erschafft nichts eigenständiges mehr. Ein schöner Satz, der leicht in den Wortschatz der Kulturpessimisten aufgenommen werden kann. Allerdings geht selbst mir – der dem hollywood´schen Remake-Wahn sonst eigentlich auch eher kritisch gegenüber eingestellt ist  – inzwischen diese Diskussion auf die Nerven, denn es gibt sie durchaus, die Ideen, auch in Hollywood, man muss sich nur als Film interessierter Mensch manchmal einfach auch auf die Suche nach ihnen begeben und sich mit dem Medium auch auseinander setzen. Auf dem Silbertablett neben der heimischen Couch jedenfalls werden sie sicher nicht serviert werden. Insofern soll es an dieser Stelle auch gar nicht darum gehen, zumal man das dem neuen Film von Antoine Fuqua auch gar nicht zum Vorwurf machen kann, ist doch bereits der 1960 von John Sturges gedrehte Die Glorreichen Sieben mit Yul Brunner und Steve McQueen in den Hauptrollen auch nur ein Remake von Akira Kurosawas Die Sieben Samurai aus dem Jahre 1954. Auch würde ich Fuquas Version der sieben Samurai nur bedingt als Western wahrgenommen sehen. Sicher bedient er sich dem Setting und dem Look dieses Genre mit seiner oftmals sehr einfach gehaltenen Struktur, weist ansonsten aber höchstens oberflächliche und eher kaum typische Merkmale auf und wirkt auf mich vielmehr wie ein Actionfilm im Gewand eines Western. Spätestens im überaus bleihaltigen Finale offenbart sie dann Die Glorreichen Sieben als reinrassiger Actioner voller leicht ironischem Augenzwinkern und angenehm dosiertem Humor. Das liegt meist vor allem an der wunderbar funktionierenden Kombination aus Denzel Washington und Chris Pratt, denn die Chemie zwischen den beiden stimmt einfach, ähnlich wie damals bei Yul Bunner und Steve McQueen – von denen wir ja heute wissen, dass sie sich so gar nicht leiden konnten, wenn die Kamera aus war, und Brunner den jungen und frechen McQueen als Bedrohung für seinen eigenen Status betrachtete.

 

Auch der übrige Cast weiß zu überzeugen und besticht durch enorme ethnische Vielfalt, wenn ein Nordstaatler, ein Südstaatler, ein Mexikaner, ein Chinese, ein Indianer, ein Kanadier und ein Europäer gemeinsam Seite an Seite zu den Waffen greifen. Und die sind auch alle toll besetzt mit Ethan Hawke (den ich eigentlich immer gern sehe und sehr schätze), Vincent D´Onofrio, Byung-hun Lee (an dieser Stelle bitte nicht wieder das reflexartige „White-washing“ Gemaule, bloß weil der Chinese von einem Koreaner verkörpert wird – man kann es auch übertreiben), Manuel Garcia-Rulfo und Martin Sensmeier. Allerdings leidet auch Die Glorreichen Sieben an einem für solche Ensemble getriebenen Filme oftmals recht typischen Problem, wenn einfach nicht jeder einzelne der geradezu archetypischen Charaktere auch genügend Raum bekommt um sich entfalten zu können. Vor allem der von Martin Sensmeier verkörperte Indianer Red Harvest hat mit mangelnder Screentime und einer kaum erklärten Motivation für sein Handeln zu kämpfen. Auch die einzelnen Rekrutierungen der fünf Mitstreiter im Kampf gegen Bogue fallen mir oft zu kurz aus und wirken seltsam gehetzt. Da hätte ich mir mehr gewünscht, gerade auch, weil Sturges Film da eine deutlich besser Balance findet. Dennoch bleibt Fuqua seinem bisherigen Arbeitsethos treu und inszeniert sein jüngstes Werk abermals geradlinig, schnörkellos und ganz im Sinne des von ihm gewohnten Kino des Exzesse. Allerdings fällt Die Glorreichen Sieben für seine Verhältnisse geradezu zahm aus. Gestorben wird hier zwar viel und reichlich, gern auch spektakulär in Szene gesetzt, aber der offensichtliche Mangel an Blut fällt nicht nur schnell ins Auge, es drückt auch ein wenig die sonst eher gelungene Atmosphäre.

 

Letztlich sehe ich Antoine Fuquas neuesten Film weniger als Remake, sondern eher als eine weitere, leicht abgewandelte Adaption eines bestehenden Stoffes, die in einem ganz ähnlichen Verhältnis zu Sturges Film steht wie Walter Hills Last Man Standing zu Sergio Leones Für eine Handvoll Dollar: am Ende lässt sich in beiden Fällen alles auf Akira Kurosawa zurückführen. Fuqua jedoch legt seinen Schwerpunkt wie Walter Hill auch deutlich stärker auf die Action und die kann sich einfach sehen lassen. Dazu bietet er uns interessante Charaktere, die zwar etwas besser ausgearbeitet und in Szene gesetzt sein könnten, aber nichts desto trotz zu unterhalten wissen und sehr gut miteinander harmonieren. Das ist dann auch letzten Endes ein schönes Fazit: Die Glorreichen Sieben ist trotz seiner teils offensichtlichen Schwächen einfach unterhaltsam und macht Spaß! Nicht mehr und nicht weniger.

 

7 von 10 alles niedermähenden Gatlin Guns

 

 

Southpaw

3. Januar 2016 at 18:56

 

 

 

Southpaw (2015)
Southpaw poster Rating: 7.5/10 (98,250 votes)
Director: Antoine Fuqua
Writer: Kurt Sutter
Stars: Jake Gyllenhaal, Rachel McAdams, Forest Whitaker, Oona Laurence
Runtime: 124 min
Rated: R
Genre: Action, Drama, Sport
Released: 24 Jul 2015
Plot: Boxer Billy Hope turns to trainer Tick Wills to help him get his life back on track after losing his wife in a tragic accident and his daughter to child protection services.

 

 

 

„A fighter knows only one way to work.“

 

 

 

Billy Hope hat es geschafft. Vom ungebildeten Waisenjungen aus der Gosse zum Weltmeister im Halbschwergewicht mit einer beeindruckenden Bilanz von 43 Siegen, weltbekannt und Millionen schwer. Als jedoch seine Frau Maureen durch einen tragischen Unfall ums Leben kommt, bricht für Billy eine Welt zusammen. Er stürzt in ein tiefes Loch aus Wut, Trauer, Selbsthass, Alkohol und Drogen und verliert alles, sein Geld, sein bisheriges Leben, sogar das Sorgerecht für seine kleine Tochter Leila. Erst als der Boxtrainer Tick Wills ihn unter seine Fittiche nimmt, besinnt sich Billy wieder auf das wesentliche und beginnt, sich Stück für Stück wieder nach oben zu kämpfen…

 

Keine Sportart ist enger mit dem amerikanischen Traum verknüpft als das Boxen. Vom Außenseiter zum Millionär, du musst es nur wollen und dir hart genug mit Blut, Schweiß und Tränen erkämpfen. Und genau dieser Gedanke ist es, den Regisseur Antoine Fuqua und Drehbuchautor Kurt Sutter hier aufgreifen und auf die Leinwand bringen. Wobei Southpaw zunächst noch recht ungewöhnlich inszeniert ist, verzichtet er doch eingangs auf den sonst üblichen, harten und entbehrungsreichen Weg seines Protagonisten bis ganz nach oben, denn Billy Hope ist bereits dort angekommen, als das Schicksal zuschlägt. Dann erst beginnt sein eigentlicher Kampf, der Kampf um sein Leben, seine Tochter, seine Karriere. Insofern verschiebt Southpaw lediglich altbekannte strukturelle Ansätze, bietet jedoch keine neuen und vermag es zu keiner Sekunde, sich aus dem engen erzählerischen Korsett des Sportdramas zu befreien. Was ja auch überhaupt nicht schlimm wäre, könnte sich doch der Film wenigstens innerhalb dieser starren Strukturen vernünftig bewegen, doch leider sind sowohl Fuqua´s Inszenierung als auch Sutters Drehbuch bestenfalls mittelmäßig, schablonenhaft, formal und stilistisch einfältig und voller gängiger Bilder und leerer Plattitüden. Es überkommt einen das Gefühl, Sutter hätte für das Drehbuch sämtliche Klischees niedergeschrieben, die ihm so eingefallen sind zum Thema Boxen. Überhaupt haben sich da zwei gefunden, die bestens zusammen passen, Antoine Fuqua und Kurt Sutter, der überwiegend bekannt dafür ist, die Serie Sons Of Anarchy erschaffen und geschrieben zu haben. Ihr Schaffen ist doch sehr geprägt von erdrückender Maskulinität und daraus resultierender Gewalt und beide zelebrieren mit Vorliebe ganz besonders männliche Attitüden und Einstellungen. Mit Southpaw erschaffen Fuqua und Sutter nun zusammen ein absolut Testosteron getränktes Boxer-Melodram voller klischeehafter und eindimensionaler Figuren direkt aus dem Sportdrama/Boxfilm-Baukasten, das zu allem Überfluss auch nicht verbergen kann, wie sehr es darum bemüht ist, den Zuschauer emotional zu manipulieren. So weit das Auge reicht nur flache Abziehbilder, eine seltsam verzerrte Vorstellung von Männlichkeit und vorgegaukelte Gefühle. Wirklich zu berühren vermag Southpaw dementsprechend auch nur in den allerwenigsten Momenten. Dennoch ist nicht alles schlecht, was Fuqua und Sutter uns hier auftischen, so viel muss schon um der Fairness willen gesagt werden. Jake Gyllenhaal ist ohne jeden Zweifel ein absolutes Tier, eine Bestie innerhalb und außerhalb des Rings. Seine Performance ist jeglicher Hinsicht herausragend und er reißt den Film definitiv an sich, dominiert jede Szene, erdrückt aber auch beinahe alle anderen Darsteller. Sein Spiel ist fraglos das beeindruckenste am ganzen Film und einzig Forest Whitaker als der in die Jahre gekommene und väterliche Boxtrainer Tick Wills weiß noch zu überzeugen, wenn auch kaum zu glänzen. Ein gelungener und auch nötiger, weil angenehm ruhiger Gegenentwurf zu Gyllenhaals impulsiver und einnehmender Darbietung, dennoch ist auch diese Figur vollkommen durchdrungen von Klischees und Allgemeinplätzen und kommt etwas zu spät zum Zuge, um den Film noch in eine andere Richtung lenken zu können. Der Rest des Cast versinkt in Beliebigkeit und ist sowohl für die Entwicklung der Story als auch schauspielerisch vollkommen belanglos, kaum mehr als simple Stichwortgeber und Erfüllungsgehilfen. In den Boxkämpfen setzt Fuqua auf maximale Dynamik und inszeniert sie sehr direkt und unmittelbar, hart, blutig und verschwitzt. Zwar dominieren schnelle Schnitte, dennoch wirken die Ringszenen immer auch sehr druckvoll und wuchtig, sind aber eher medienartig im Stile von Sportübertragungen gehalten und daher weniger emotional angelegt.

 

Southpaw ist zu jeder Sekunde absolut dominiert von der beinahe schon erdrückenden Präsenz von Jake Gyllenhaal, der zweifellos abermals eine beeindruckend starke Leistung zeigt, hat zu seinem Leidwesen jedoch darüber hinaus bis auf gelungen inszenierte Boxkämpfe relativ wenig zu bieten. Auch Forest Whitaker vermag gerade auch im Zusammenspiel mit Gyllenhaal noch kleinere Glanzpunkte setzen, kann letztlich aber auch nicht mehr aus dem Film heraus holen. Zu sehr reihen Fuqua und Sutter hier Klischee an Klischee an Klischee und versinken in Allgemeinplätzen und Beliebigkeit. Selbst einige wenige durchaus interessante Ansätze verpuffen in zu viel Testosteron und Einfälltigkeit und Southpaw gerät viel zu formelhaft in seiner Erzählstruktur, um dem Genre des Sportdramas neue Aspekte abgewinnen zu können. Muss der Film im Grunde ja auch gar nicht, aber ein bisschen weniger Klischee, emotionale Manipulation und regelrecht ausgequetschte Tränendrüsen wären auch ganz schön gewesen. Dann doch lieber zum x-ten Mal Rocky oder lieber gleich den ungeschlagenen König des Genres, Raging Bull.

 

5,5 von 10 tiefen Cuts über dem Auge

 

 

The Equalizer

12. November 2015 at 1:46

 

 

 

The Equalizer (2014)
The Equalizer poster Rating: 7.2/10 (202,042 votes)
Director: Antoine Fuqua
Writer: Richard Wenk, Michael Sloan (television series), Richard Lindheim (television series)
Stars: Denzel Washington, Marton Csokas, Chloë Grace Moretz, David Harbour
Runtime: 132 min
Rated: R
Genre: Action, Crime, Thriller
Released: 26 Sep 2014
Plot: A man believes he has put his mysterious past behind him and has dedicated himself to beginning a new, quiet life. But when he meets a young girl under the control of ultra-violent Russian gangsters, he can't stand idly by - he has to help her.

 

 

 

„When you pray for rain, you gotta deal with the mud too.“

 

 

 

Das Leben von Robert McCall ist die reinste Routine, pedantisch und beinahe schon neurotisch wiederholt der Baumarktmitarbeiter immer und immer wieder seine alltäglichen Abläufe, Tag für Tag. Was niemand ahnt: McCall ist ein bestens ausgebildeter CIA-Agent im Ruhestand, ausgestattet mit einer neuen Identität und einem völlig neuen Leben. Als eine mit ihm bekannte, junge Prostituierte schwer misshandelt wird, beschließt er, doch noch einmal sein handwerkliches Können zu nutzen, und tötet kurzerhand ihren Zuhälter und einige seiner Männer. Noch ahnt er nicht, dass er sich nun jedoch mit einem sehr mächtigen Arm der russischen Mafia angelegt hat, der fortan Jagd auf ihn machen wird…

 

Antoine Fuqua hinter und Denzel Washington vor der Kamera, das hat 2001 schon einmal sehr gut in Training Day funktioniert. Nun adaptieren beide sehr lose die TV-Serie The Equalizer aus den 80er Jahren und bei Fuqua kann man sicher sein, dass er eines noch im Schlaf beherrscht, nämlich großartige Actionszenen auszuarbeiten. Seine Filme Shooter mit Mark Wahlberg oder Olympus Has Fallen mit Gerard Butler sind da ganz hervorragende Beispiele. Und auch Denzel Washington hat in der Vergangenheit mit Filmen wie Man on Fire, 2 Guns oder The Taking of Pelham 123 mehr als einmal bewiesen, dass er nicht nur in Actionfilmen glänzen kann, sondern auch, dass ihm Rache als Antrieb und Motivation ganz hervorragend steht. Und tatsächlich fällt The Equalizer ähnlich rau, grimmig und kompromisslos aus wie 2004 noch der beinharte Racheactioner Man on Fire von Tony Scott. Die Actionszenen sind kraftvoll und teils überraschend kreativ, die Zweikämpfe dreckig, hart und toll choreografiert, meist relativ kurz, dafür aber effektiv und brachial. In einigen Momenten darf man ruhig mal kurz die Altersfreigabe ab 16 in Frage stellen. Leider krankt The Equalizer an einem holprigen Erzählrhythmus, Fuqua nimmt einfach viel zu oft das Tempo wieder raus, was zu unnötigen Längen und Szenen voller Füllmaterial führt, die dem Film nicht gut stehen. Da ist zuviel erzählerischer Leerlauf zwischen der Action, der nichts voran treibt und nur dazu beiträgt, Figuren weiterhin zu zementieren, deren Struktur schon längst umrissen ist. McCall ist einer der guten, das ist ebenso offensichtlich, wie das sein Gegenpart, Teddy, eine Art Problemlöser für die Russenmafia, ihm ebenbürtig ist und ein Soziopath aus dem Lehrbuch, aber Fuqua scheint es für nötig zu halten, es uns so lange immer wieder und wieder vor Augen zu führen, bis auch der letzte unter den Zuschauern begriffen hat, wie die Dinge liegen. Weder Handlung noch Figuren werden dadurch weiterentwickelt und The Equalizer wirkt durch die inszenatorischen Ausreißer nicht straff und kompakt genug, 20 Minuten weniger hätten dem Film sehr gut getan in meinen Augen. So ensteht ein seltsamer Hybrid, der phasenweise wirklich zu begeistern weiß, phasenweise aber ebenso tatsächlich langweilt. Das ist schade, denn für einen knackigen und straighten Actioner im Stile vom ersten 96 Hours beispielsweise wäre der Stoff geradezu prädestiniert. Der Look des Films hingegen weiß durchgängig zu überzeugen, die Handlung spielt überwiegend nachts und Fuqua weiß, das klug zu nutzen und einige sehr schöne Bilder und Szenerien zu generieren, die Atmosphäre ist dicht und stimmungsvoll. Seine Figuren sind zwar etwas eindimensional, aber effektiv und toll gespielt, Washington schwankt ganz hervorragend zwischen einfühlsam und stoisch-effektiv, zwischen dem sanften Witwer mit einem offenen Ohr für seine Mitmenschen und der eiskalten Killermaschine, zu der ausgebildet wurde. Morten Csokas hingegen ist nicht weniger gut aufgelegt als fieser Soziopath durch und durch und auch das Katz-und-Maus-Spiel, welches sich die beiden im Mittelteil liefern, weiß zu unterhalten. Das große Finale im Baumarkt ist dann auch noch mal ein Höhepunkt, vielleicht ein wenig zu dunkel geraten, aber dafür umso kreativer, wenn sich McCall munter in den Baumarktregalen bedient und Alltagsgegenstände zu Waffen und Fallen zweckentfremdet.

 

Unterm Strich könnte The Equalizer ein wirklich sehr gelungener und unterhaltsamer Actionreißer sein, wenn er nicht mit einigem Leerlauf in der Handlung zu kämpfen hätte, welcher den Film nicht wirklich voran bringen kann und unnötig zu Längen führt. Genügend Pluspunkte gerade auch in Bezug auf die ungewöhnlich kompromisslose und brachiale Action kann The Equalizer durchaus sammeln, da gibt es so manchen kreativen und denkwürdigen Moment, aber am Ende reicht es nicht für mehr als….

 

6,5 von 10 zweckentfremdeten Korkenziehern