Die Glorreichen Sieben

2. März 2017 at 12:52

 

 

  © MGM

 

 

 

„What we lost in the fire, we found in the ashes.“

 

 

 

Der brutale wie rücksichtslose Grundbesitzer Bartholomew Bogue vergrößert sein Land mit eiserner Faust. Sein neuestes Objekt sind die Grundstücke der Bewohner von Rose Creek und um die anliegende Goldmine ausbeuten zu können, bietet er den Leuten zunächst einen Spottpreis weit unter Wert für ihr Land. Als das nicht funktioniert, braucht es Gewalt, um die Siedler zu vertreiben. In ihrer Not wendet sich die Witwe Emma Cullen an den erfahrenen Kopfgeldjäger Sam Chisolm, der eine schlagkräftige Truppe zusammen stellt, um den gemeinsamen Kampf gegen Bogue und seine Männer aufzunehmen.

 

Überall nur noch Remakes, Reboots, Sequels oder Prequels. Hollywood generiert keine eigenen Ideen mehr, erschafft nichts eigenständiges mehr. Ein schöner Satz, der leicht in den Wortschatz der Kulturpessimisten aufgenommen werden kann. Allerdings geht selbst mir – der dem hollywood´schen Remake-Wahn sonst eigentlich auch eher kritisch gegenüber eingestellt ist  – inzwischen diese Diskussion auf die Nerven, denn es gibt sie durchaus, die Ideen, auch in Hollywood, man muss sich nur als Film interessierter Mensch manchmal einfach auch auf die Suche nach ihnen begeben und sich mit dem Medium auch auseinander setzen. Auf dem Silbertablett neben der heimischen Couch jedenfalls werden sie sicher nicht serviert werden. Insofern soll es an dieser Stelle auch gar nicht darum gehen, zumal man das dem neuen Film von Antoine Fuqua auch gar nicht zum Vorwurf machen kann, ist doch bereits der 1960 von John Sturges gedrehte Die Glorreichen Sieben mit Yul Brunner und Steve McQueen in den Hauptrollen auch nur ein Remake von Akira Kurosawas Die Sieben Samurai aus dem Jahre 1954. Auch würde ich Fuquas Version der sieben Samurai nur bedingt als Western wahrgenommen sehen. Sicher bedient er sich dem Setting und dem Look dieses Genre mit seiner oftmals sehr einfach gehaltenen Struktur, weist ansonsten aber höchstens oberflächliche und eher kaum typische Merkmale auf und wirkt auf mich vielmehr wie ein Actionfilm im Gewand eines Western. Spätestens im überaus bleihaltigen Finale offenbart sie dann Die Glorreichen Sieben als reinrassiger Actioner voller leicht ironischem Augenzwinkern und angenehm dosiertem Humor. Das liegt meist vor allem an der wunderbar funktionierenden Kombination aus Denzel Washington und Chris Pratt, denn die Chemie zwischen den beiden stimmt einfach, ähnlich wie damals bei Yul Bunner und Steve McQueen – von denen wir ja heute wissen, dass sie sich so gar nicht leiden konnten, wenn die Kamera aus war, und Brunner den jungen und frechen McQueen als Bedrohung für seinen eigenen Status betrachtete.

 

Auch der übrige Cast weiß zu überzeugen und besticht durch enorme ethnische Vielfalt, wenn ein Nordstaatler, ein Südstaatler, ein Mexikaner, ein Chinese, ein Indianer, ein Kanadier und ein Europäer gemeinsam Seite an Seite zu den Waffen greifen. Und die sind auch alle toll besetzt mit Ethan Hawke (den ich eigentlich immer gern sehe und sehr schätze), Vincent D´Onofrio, Byung-hun Lee (an dieser Stelle bitte nicht wieder das reflexartige „White-washing“ Gemaule, bloß weil der Chinese von einem Koreaner verkörpert wird – man kann es auch übertreiben), Manuel Garcia-Rulfo und Martin Sensmeier. Allerdings leidet auch Die Glorreichen Sieben an einem für solche Ensemble getriebenen Filme oftmals recht typischen Problem, wenn einfach nicht jeder einzelne der geradezu archetypischen Charaktere auch genügend Raum bekommt um sich entfalten zu können. Vor allem der von Martin Sensmeier verkörperte Indianer Red Harvest hat mit mangelnder Screentime und einer kaum erklärten Motivation für sein Handeln zu kämpfen. Auch die einzelnen Rekrutierungen der fünf Mitstreiter im Kampf gegen Bogue fallen mir oft zu kurz aus und wirken seltsam gehetzt. Da hätte ich mir mehr gewünscht, gerade auch, weil Sturges Film da eine deutlich besser Balance findet. Dennoch bleibt Fuqua seinem bisherigen Arbeitsethos treu und inszeniert sein jüngstes Werk abermals geradlinig, schnörkellos und ganz im Sinne des von ihm gewohnten Kino des Exzesse. Allerdings fällt Die Glorreichen Sieben für seine Verhältnisse geradezu zahm aus. Gestorben wird hier zwar viel und reichlich, gern auch spektakulär in Szene gesetzt, aber der offensichtliche Mangel an Blut fällt nicht nur schnell ins Auge, es drückt auch ein wenig die sonst eher gelungene Atmosphäre.

 

Letztlich sehe ich Antoine Fuquas neuesten Film weniger als Remake, sondern eher als eine weitere, leicht abgewandelte Adaption eines bestehenden Stoffes, die in einem ganz ähnlichen Verhältnis zu Sturges Film steht wie Walter Hills Last Man Standing zu Sergio Leones Für eine Handvoll Dollar: am Ende lässt sich in beiden Fällen alles auf Akira Kurosawa zurückführen. Fuqua jedoch legt seinen Schwerpunkt wie Walter Hill auch deutlich stärker auf die Action und die kann sich einfach sehen lassen. Dazu bietet er uns interessante Charaktere, die zwar etwas besser ausgearbeitet und in Szene gesetzt sein könnten, aber nichts desto trotz zu unterhalten wissen und sehr gut miteinander harmonieren. Das ist dann auch letzten Endes ein schönes Fazit: Die Glorreichen Sieben ist trotz seiner teils offensichtlichen Schwächen einfach unterhaltsam und macht Spaß! Nicht mehr und nicht weniger.

 

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