Valerian and the City of a Thousand Planets (2017)

21. Januar 2018 at 15:32

 

 

© EuropaCorp Distribution

 

 

 

„We get on just great. You flirt, I smile.“

 

 

 

Im 28. Jahrhundert werden die Regierungsagenten Valerian und Laureline im Auftrag des Verteidigungsministers auf eine heikle Mission geschickt, im Zuge derer sie auf eine Verschwörung stoßen, die augenscheinlich bis in die höchsten Kreise der gigantischen Raumstation Alpha reicht. Plötzlich sehen sich die beiden Agenten mitten in einem Geflecht verschiedenster Interessen, das die Existenz von Alpha und damit auch die von tausenden verschiedener Alien-Rassen bedroht.

 

Eigentlich hatte ich Luc Besson nach Malavita und Lucy irgendwie für mich bereits abgeschrieben, denn an seine großen Momente mit Nikita, Leon und Das 5. Element konnte er nun wirklich nicht anknüpfen. Und  ich muss ehrlich zugeben: im Falle von Valerian and the City of Thousand Planets wurde ich glatt zum Opfer meiner eigenen Vorurteile, wollte ich den Film nach den ersten Trailern doch lieber gleich ganz meiden. Nun ergab es sich dennoch ihn zu schauen und er hat mir deutlich besser gefallen als ich es im Vorfeld erwartet hatte. Das 137 Minuten lange, grellbunte und hemmungslos überdrehte Weltraum-Spektakel ist eine Verfilmung der 22teiligen Comicreihe Valérian Et Laureline aus der Feder von Jean-Claude Mézières und Pierre Christin und schon seit vielen Jahren ein absolutes Wunsch -und Herzensprojekt von Luc Besson. Schon sein Film Das 5. Element – wie Star Wars seiner Zeit übrigens auch – war stark davon inspiriert, aber eine direkte Umsetzung des Stoffes war zu der Zeit technisch schlicht und ergreifend nicht möglich. Der Erfolg von Lucy allerdings macht es nun möglich und Besson kann sich mit einem Budget von rund 180 Millionen Dollar austoben. Und das tut er! Valerian ist ein Film geworden, der in Hollywood in dieser Form wohl nie möglich gewesen wäre: zu verrückt, zu bunt, zu überladen, im Grunde einfach zu viel von allem. Besson leert genussvoll ein ganzes Füllhorn an kreativen Ideen und Einfällen auf die Leinwand und vermischt all das zu einer rasanten wie unterhaltsamen Achterbahnfahrt. Ein riesiges wie vielfältiges Universum als Rummelplatz voller unendlicher Möglichkeiten.

 

© EuropaCorp Distribution

 

Wie auch seine gezeichnete Vorlage bietet Valerian reichlich turbulente Abenteuer, aufregende Alien-Rassen, atemberaubende Welten, eine Prise Humor und einen Hauch unschuldiger Erotik: von der frechen wie selbstbestimmten Laureline sagte Besson selbst einmal, dass sie in jungen Jahren seine erste große Liebe war. Und es fällt auch nicht allzu schwer, diese als Blaupause für all die starken Frauenfiguren zu erkennen, welche seine Filme gern mal bevölkern. So weiß zu meiner Überraschung – in Suicide Squad konnte ich so gar nichts mit ihr anfangen – auch Cara Delevingne als Laureline zu überzeugen und spielt die tollkühne wie sarkastische Weltraum-Agentin mit einer Mischung aus Stärke und Sanftmut. Eine Heldin, die im Zweifel den empathischen Weg abseits der Vorschriften wählt und dazu noch ihrem eigentlich Vorgesetzten Valerian eine Lektion in Sachen Liebe und Humanismus erteilen darf. Im Gegenzug dazu gibt Dane DeHaan eben jenen Valerian als wunderbar selbstverliebten und herrlich arroganten Frauenhelden. Die Chemie zwischen den beiden stimmt auch und der verbale Schlagabtausch untereinander versprüht seinen ganz eigenen Charme zwischen Neckereien und duellartigen Wortgefechten. Das findet man nicht allzu oft: im Gegensatz zu vielen ernsteren Science Fiction-Blockbustern heutzutage ist Bessons Film humorvoll, aber nicht zynisch, ein wenig erotisch, aber nicht schmierig, und zeugt von einem geradezu entwaffnend naiven Charme und der offensichtlich immens großen Verspieltheit seines Regisseurs.

 

© EuropaCorp Distribution

 

Natürlich ist Valerian auch der ehrgeizige wie riskante Versuch, der beinahe erdrückenden Dominanz amerikanischer Comic-Blockbuster eine opulente und visuell kraftvolle Alternative entgegenzusetzen – immerhin ist es der teuerste europäische Film aller Zeiten. Dabei wird aber auch eines der Probleme von Valerian recht schnell offensichtlich, wenn bereits früh deutlich wird, dass Besson eindeutig mehr Wert legt auf die visuelle Überwältigung als auf eine ausgearbeitete Story oder durchdachte Figuren. Ihm geht es eher um das Mitreißen seines Publikums, um die Möglichkeiten, welche ihm das moderne Filmemachen bietet und das Ausloten technischer Grenzen. Der Film beginnt mit einer stimmungsvollen Montage, wunderbar unterlegt mit dem Song Space Oddity von David Bowie, zeigt uns danach das tragische Schicksal einer uns noch unbekannten Alien-Rasse in betörend schönem Setting und setzt dann zu seiner ersten wahnwitzig inszenierten Actionsequenz an, welche krachend die beiden Protagonisten einführt. Danach jedoch beginnt der Plot zu zerfasern, bekommt einen eher episodischen Charakter und wird von Besson genutzt, um diverse Gastauftritte von Ethan Hawke, Herbie Hancock oder Rihanna unterzubringen.

 

Ich muss es zugeben: Valerian and the City of a Thousand Planets hat mir deutlich besser gefallen als erwartet. Sicherlich ist hier nicht alles perfekt, aber ich möchte diesen Film einfach gern haben, appelliert er doch so sehr an unsere nahezu grenzenlose Imagination wie kaum ein anderer in letzter Zeit. Luc Besson tobt sich hier buchstäblich vollkommen aus, lässt seiner Kreativität freien Lauf und inszeniert einen visuellen Rausch aus grellen Farben, fantastischen Settings, exotischen Aliens und beeindruckenden Effekten. Zudem gibt mir der Film ein Gefühl, welches ich schon lange nicht mehr hatte im modernen SF-Blockbuster-Kino: er deutet eine Welt hinter der Leinwand an, ganz so, als wäre in diesem Universum noch unendlich viel Stoff für unzählige fantastische Geschichten. Bessons jugendlicher Elan ist kaum zu übersehen und jederzeit ebenso spürbar wie seine riesige Liebe zur Vorlage und so erschafft er einen geradezu unwiderstehlichen Spielplatz voller großer Ideen, eine ganze Welt voller Abenteuer und Entdeckungen, in der einfach alles möglich scheint, und reißt mich zu einer eigentlich eher abgedroschenen Formulierung hin: das ist Eskapismus in Reinkultur. Denn genau das ist es. Die erzählerischen Schwächen und offensichtlichen Mängel werden übertönt vom Spektakel auf der Leinwand: das kann man nun alles schrecklich albern finden, man kann sich aber auch vom Enthusiasmus seines Regisseurs einfach anstecken lassen.

 

7,5 von 10 exotischen Tänzen an der Stange

 

 

 

 

 

The House of Horrorctober #6: Daybreakers

14. Oktober 2017 at 12:54

 

 

© Lionsgate

 

 

Im Jahr 2019 haben sich Vampire als neue Spezies an die Spitze der Nahrungskette gesetzt. Die letzten verbliebenen Menschen sind auf der Flucht, im Untergrund abgetaucht oder dienen den Vampiren in riesigen Blutfarmen als Nahrungsquelle. Doch ihr Umgang mit den Ressourcen ist verschwenderisch und ihre Blutreserven werden wie die Rasse Mensch immer kleiner. Der Hämatologe Dr. Edward Dalton soll einen künstlichen Blutersatz finden, der das Nahrungsproblem lösen könnte, denn zu starker Blutentzug lässt die Vampire zu den sogenannten Subsiders degenerieren – fledermausartige Aussätzige mit Hang zum Kannibalismus. Als das Blut von der Regierung immer weiter rationiert wird, macht sich Unruhe in der Vampirbevölkerung breit und für Dalton wird die Zeit immer knapper.

 

Daybreakers war eigentlich gar nicht geplant für meinen Horrorctober, funkte mir quasi dazwischen und brachte meine angedachte Liste durcheinander. Schon oft gesehen und immer gemocht, lief er mir nun mal wieder eher zufällig über den Weg und da ich den Film schon immer mal besprechen wollte, warum also nicht jetzt? Daybreakers ist einer dieser Filme, die immer sehr stark unterschätzt werden und deren Qualitäten nur zu gern zu Unrecht verlacht werden. Dabei kann sich die zweite größere Regiearbeit der in Deutschland geborenen und in Australien aufgewachsenen Brüder Michael und Peter Spierig (The Spierig Brothers) mehr als nur sehen lassen und zählt in meinen Augen zu den besseren Vertretern des Vampirgenres. Und angesichts des Budgets von lediglich 20 Millionen Dollar ist ihr Film auch erstaunlich hochwertig geraten und muss den Vergleich mit deutlich teureren Produktionen des Genres nicht scheuen. Dass Daybreakers hierzulande keine Kinoauswertung erfuhr, sondern direkt in die Videothekenregale wanderte, verwundert mich bei so manchem aktuellen Kinofilm bis heute, hätte der Film auch auf der großen Leinwand eine gute Figur abgegeben. Auf der dramaturgischen Ebene weiß der Film nicht immer zu überzeugen, auf der inszenatorischen allerdings dann umso mehr und die Spierig Brothers verstehen es sehr gut auf eine recht clevere Art und Weise zahlreiche gesellschaftlich sehr aktuelle Themen der Menschheit in die Vampir-Thematik zu übertragen. So erschaffen sie eine umfassende Allegorie auf die Spezies Mensch und halten uns gnadenlos einen Spiegel vor.

 

Die Vampire gehen ähnlich verschwenderisch mit den Ressourcen ihrer Umwelt um wie der Mensch es auch tut und drängen sich selbst nach und nach an den Abgrund ihrer Auslöschung. Auch Rassismus ist ein Thema sowohl gegenüber den wenigen noch verbliebenen Menschen als auch gegen die aus Sicht der Blutsauger minderwertigen und abscheulichen Subsider. Konsumkritik, mangelnde Weitsicht oder der Turbokapitalismus werden ebenfalls mal mehr mal weniger subtil angeschnitten, aber zugleich von zum Teil herrlich kreativen Ideen und kleinen Einfällen flankiert. Das reicht von TV-Werbespots für unnütze Vampir-Gimmicks, Kaffee mit Blut statt mit Milch, über Autos mit Tageslicht-Modus bis hin zu unterirdischen Fußwegen zwischen U-Bahn-Stationen oder einer Vampir-Version von Uncle Sam auf der Suche nach neuen Rekruten fürs Militär. Man spürt deutlich, dass sich die Spierig Brothers sichtlich Gedanken darüber gemacht haben, wie sie ihre quasi verkehrte Welt sinnvoll ausbauen und erweitern könne, auch wenn Teile der Grundidee der von Matrix nicht unähnlich sind, wenn Menschen in den Blutbanken von riesigen Maschinen „gemolken“ werden. Visuell sieht das alles sehr gut aus und muss sich wie bereits erwähnt wirklich nicht vor größeren Produktionen verstecken und das World Building ist sehr gelungen, denn die Spierig Brothers beschränken sich beim Erschaffen ihrer düster verkehrten Vampirwelt nicht einfach nur auf dunkle Bilder und ein paar Vampirzähne, sondern haben das gründlich durchdacht und ihren Hauptaugenmerk auf all die Details gelegt, welche diese Welt letztlich zum Leben erwecken. Daybreakers ist mit Ethan Hawke (ein Schauspieler, den ich wahnsinnig gern sehe und für total unterschätzt halte), Willem Dafoe und Sam Neill hervorragend besetzt, doch agieren alle drei eher mit angezogener Handbremse und unter ihrem Niveau. Ein kleiner Wehmutstropfen, der allerdings angesichts der wirklich tollen Inszenierung und all der hübschen kreativen Ideen dem Filmvergnügen kaum Abbruch tut. Daybreakers ist deutlich besser als sein Ruf, vielerorts schwer unterschätzt und zweifellos einer der besseren Filme im Genre der Vampirfilme.

 

7 von 10 blutleeren Kaffeetassen

 

 

In a Valley of Violence

4. Juli 2017 at 12:26

 

 

© Focus World

 

 

 

„You talk too much.“

 

 

 

Paul ist auf dem Weg Richtung Süden, nach Mexiko, und auf der Flucht vor seiner Vergangenheit, als er in dem kleinen Kaff Denton einen kurzen Aufenthalt einlegen muss. Im hiesigen Saloon gerät er mit dem Heißsporn Gilly aneinander und schlägt ihn kurzerhand aus Notwehr bewusstlos. Was er nicht weiß ist, dass Gilly der Sohn des Marshalls ist. Dieser legt Paul nahe, den Ort zu verlassen und niemals wieder zu kommen, doch Gilly und seinen Männern reicht das nicht und so reiten sie ihm nach um sich zu rächen. Ein folgenschwerer Fehler für alle Beteiligten, wie sich herausstellen soll.

 

The House of the Devil, Cabin Fever 2, The Innkeepers, seine Beiträge zu den Anthologien V/H/S und The ABCs of Death sowie einige Folgen von Serien wie Outcast, Scream oder Wayward Pines mag ich durchaus gern und Ti West versteht sein Handwerk als Genre-Regisseur. Mehr noch als sein stark ausgeprägtes Bewusstsein für gängige Genre-Mechanismen jedoch hat er darüber hinaus auch die Fähigkeit bewiesen, eben jene Mechanismen zu transzendieren. Umso spannender ist nun In a Valley of Violence, begibt sich West doch hierfür erstmalig aus dem Horror-Genre heraus und sucht sich für seinen nächsten Film mit einem Western ausgerechnet ein Genre aus, welches von starren wie festen Konventionen kaum stärker beherrscht sein könnte. Ein Genre, welchem heutzutage ja immer nur zu gern nachgesagt wird, es wäre zumindest überholt, wenn nicht gar bereits tot. Dem kann ich mich nun wirklich nicht anschließen und Filme wie Bone Tomahawk, The Salvation oder Slow West beweisen in meinen Augen recht deutlich, dass das Genre in den letzten Jahren durchaus produktiv war und Gutes hervorgebracht hat. Und auch hier zeigt West überdeutlich, dass er das Genre an sich nicht nur liebt, sondern es auch verstanden hat, in dem er nicht einfach blindlings und willkürlich imitiert, sondern vielmehr etwas Eigenständiges erschafft. In a Valley of Violence ist auf den ersten Blick so sehr klassisch inszeniert, dass man ihn beinahe für kaum mehr als eine weitere, beliebige Aufwärmung altbekannter Klischees halten könnte, doch West geht über die Grenzen des traditionellen Genres hinaus und lässt in seinem Film viel lieber den urtypischen amerikanischen Western mit dem Schmutz und Dreck des Italo-Western kollidieren. Allein die Titelsequenz ist nicht nur den ikonischen einiger Italo-Western nachempfunden, auch der Score ist dem von Ennio Morricone nicht unähnlich, aber dennoch eigenständig genug. Ethan Hawkes Figur des Paul (immerhin hat der Protagonist einen Namen) ist seiner Figur in Die Glorreichen Sieben nicht sonderlich unähnlich. Er versteht das Handwerk des Tötens, hat aber genug davon unzählige Indianer abzuschlachten, ist desillusioniert, will nicht mehr als in Mexiko in Ruhe ein friedliches Leben führen und gerät doch wieder nur in einen Strudel aus Gewalt. Diese Prämisse ist ein geradezu klassischer Westernstoff, den Ti West sehr schön schnörkellos und geradlinig in Szene setzt und einen sehr angenehmen und im besten Sinne altmodischen Film erschafft. Die Handlung wird ohne große Umschweife voran getrieben, Nebenhandlungen etwa sucht man hier vergeblich, und die Figuren sind klar definiert. Überraschungen sollte man also nicht erwarten, aber West zeigt mit In a Valley of Violence, dass er auch außerhalb seines bisherigen angestammten Genre hervorragend funktioniert. Man darf gespannt sein, was der Mann in Zukunft noch so alles an Projekten in Angriff nehmen wird.

 

Mit In a Valley of Violence beweist Regisseur Ti West abermals, dass er es ausgesprochen gut versteht, einzelne Genre-Mechanismen zu erkennen, zu isolieren und neu zu ordnen. So entsteht ein allenfalls oberflächlich klischeehafter Beitrag zum nur zu gern totgesagten Western, der bei näherer Betrachtung genügend Eigenständigkeit aufzuweisen hat, um nicht als blinde Kopie bekannter Ikonographien durchzugehen. Ethan Hawke – im Übrigen ein Schauspieler, den ich immer sehr schätze, der selbst gern mal eher kleinere Genre-Filme wie Daybreakers, Predestination oder Brooklyn´s Finest bevölkert und der meiner Meinung nach immer sehr unterschätzt wird – steht die Rolle des (nicht ganz) namenlosen, wortkargen Drifters ganz hervorragend und die innere Zerrissenheit seiner Figur versteht er nachvollziehbar zu verkörpern. Ihm gegenüber steht John Travolta als in die Jahre gekommener Marshall, der auch ambivalenter angelegt ist, als man anfangs vermuten würde. Ihn hab ich seit Jahren nicht mehr so gut aufgelegt erlebt und auch er schafft es, die moralischen Implikationen seiner Figur gelungen abzubilden. Insgesamt ist In a Valley of Violence ein rundum gelungener Genrebeitrag, kein großer Wurf, das sicher nicht, aber einfach ein geradlinig inszenierter Western, der eigenständig genug bleibt, um nicht als Klischee durchzugehen. Ein einfach gehaltener Film, der angenehm altmodisch inszeniert ist, durchgängig spannend bleibt und letztlich doch ein wenig mehr ist als nur die Summe seiner Teile.

 

7 von 10 Blechnäpfe voller Wasser

 

 

Die Glorreichen Sieben

2. März 2017 at 12:52

 

 

  © MGM

 

 

 

„What we lost in the fire, we found in the ashes.“

 

 

 

Der brutale wie rücksichtslose Grundbesitzer Bartholomew Bogue vergrößert sein Land mit eiserner Faust. Sein neuestes Objekt sind die Grundstücke der Bewohner von Rose Creek und um die anliegende Goldmine ausbeuten zu können, bietet er den Leuten zunächst einen Spottpreis weit unter Wert für ihr Land. Als das nicht funktioniert, braucht es Gewalt, um die Siedler zu vertreiben. In ihrer Not wendet sich die Witwe Emma Cullen an den erfahrenen Kopfgeldjäger Sam Chisolm, der eine schlagkräftige Truppe zusammen stellt, um den gemeinsamen Kampf gegen Bogue und seine Männer aufzunehmen.

 

Überall nur noch Remakes, Reboots, Sequels oder Prequels. Hollywood generiert keine eigenen Ideen mehr, erschafft nichts eigenständiges mehr. Ein schöner Satz, der leicht in den Wortschatz der Kulturpessimisten aufgenommen werden kann. Allerdings geht selbst mir – der dem hollywood´schen Remake-Wahn sonst eigentlich auch eher kritisch gegenüber eingestellt ist  – inzwischen diese Diskussion auf die Nerven, denn es gibt sie durchaus, die Ideen, auch in Hollywood, man muss sich nur als Film interessierter Mensch manchmal einfach auch auf die Suche nach ihnen begeben und sich mit dem Medium auch auseinander setzen. Auf dem Silbertablett neben der heimischen Couch jedenfalls werden sie sicher nicht serviert werden. Insofern soll es an dieser Stelle auch gar nicht darum gehen, zumal man das dem neuen Film von Antoine Fuqua auch gar nicht zum Vorwurf machen kann, ist doch bereits der 1960 von John Sturges gedrehte Die Glorreichen Sieben mit Yul Brunner und Steve McQueen in den Hauptrollen auch nur ein Remake von Akira Kurosawas Die Sieben Samurai aus dem Jahre 1954. Auch würde ich Fuquas Version der sieben Samurai nur bedingt als Western wahrgenommen sehen. Sicher bedient er sich dem Setting und dem Look dieses Genre mit seiner oftmals sehr einfach gehaltenen Struktur, weist ansonsten aber höchstens oberflächliche und eher kaum typische Merkmale auf und wirkt auf mich vielmehr wie ein Actionfilm im Gewand eines Western. Spätestens im überaus bleihaltigen Finale offenbart sie dann Die Glorreichen Sieben als reinrassiger Actioner voller leicht ironischem Augenzwinkern und angenehm dosiertem Humor. Das liegt meist vor allem an der wunderbar funktionierenden Kombination aus Denzel Washington und Chris Pratt, denn die Chemie zwischen den beiden stimmt einfach, ähnlich wie damals bei Yul Bunner und Steve McQueen – von denen wir ja heute wissen, dass sie sich so gar nicht leiden konnten, wenn die Kamera aus war, und Brunner den jungen und frechen McQueen als Bedrohung für seinen eigenen Status betrachtete.

 

Auch der übrige Cast weiß zu überzeugen und besticht durch enorme ethnische Vielfalt, wenn ein Nordstaatler, ein Südstaatler, ein Mexikaner, ein Chinese, ein Indianer, ein Kanadier und ein Europäer gemeinsam Seite an Seite zu den Waffen greifen. Und die sind auch alle toll besetzt mit Ethan Hawke (den ich eigentlich immer gern sehe und sehr schätze), Vincent D´Onofrio, Byung-hun Lee (an dieser Stelle bitte nicht wieder das reflexartige „White-washing“ Gemaule, bloß weil der Chinese von einem Koreaner verkörpert wird – man kann es auch übertreiben), Manuel Garcia-Rulfo und Martin Sensmeier. Allerdings leidet auch Die Glorreichen Sieben an einem für solche Ensemble getriebenen Filme oftmals recht typischen Problem, wenn einfach nicht jeder einzelne der geradezu archetypischen Charaktere auch genügend Raum bekommt um sich entfalten zu können. Vor allem der von Martin Sensmeier verkörperte Indianer Red Harvest hat mit mangelnder Screentime und einer kaum erklärten Motivation für sein Handeln zu kämpfen. Auch die einzelnen Rekrutierungen der fünf Mitstreiter im Kampf gegen Bogue fallen mir oft zu kurz aus und wirken seltsam gehetzt. Da hätte ich mir mehr gewünscht, gerade auch, weil Sturges Film da eine deutlich besser Balance findet. Dennoch bleibt Fuqua seinem bisherigen Arbeitsethos treu und inszeniert sein jüngstes Werk abermals geradlinig, schnörkellos und ganz im Sinne des von ihm gewohnten Kino des Exzesse. Allerdings fällt Die Glorreichen Sieben für seine Verhältnisse geradezu zahm aus. Gestorben wird hier zwar viel und reichlich, gern auch spektakulär in Szene gesetzt, aber der offensichtliche Mangel an Blut fällt nicht nur schnell ins Auge, es drückt auch ein wenig die sonst eher gelungene Atmosphäre.

 

Letztlich sehe ich Antoine Fuquas neuesten Film weniger als Remake, sondern eher als eine weitere, leicht abgewandelte Adaption eines bestehenden Stoffes, die in einem ganz ähnlichen Verhältnis zu Sturges Film steht wie Walter Hills Last Man Standing zu Sergio Leones Für eine Handvoll Dollar: am Ende lässt sich in beiden Fällen alles auf Akira Kurosawa zurückführen. Fuqua jedoch legt seinen Schwerpunkt wie Walter Hill auch deutlich stärker auf die Action und die kann sich einfach sehen lassen. Dazu bietet er uns interessante Charaktere, die zwar etwas besser ausgearbeitet und in Szene gesetzt sein könnten, aber nichts desto trotz zu unterhalten wissen und sehr gut miteinander harmonieren. Das ist dann auch letzten Endes ein schönes Fazit: Die Glorreichen Sieben ist trotz seiner teils offensichtlichen Schwächen einfach unterhaltsam und macht Spaß! Nicht mehr und nicht weniger.

 

7 von 10 alles niedermähenden Gatlin Guns