Ghostbusters (2016)

5. März 2017 at 17:14

 

 

  © Columbia Pictures

 

 

 

„Who you gonna call?“

 

 

 

Erin Gilbert steht kurz vor ihrer Promotion an der Columbia University und einer Festanstellung im Bereich der Teilchenphysik. Doch es taucht unliebsamer Ballast aus ihrer Vergangenheit in Form eines Buches über Geisterphänomene auf, einst gemeinsam mit ihrer Jugendfreundin Abby Yates geschrieben. Die steckt derweil zusammen mit der Ingenieurin Jillian Holtzman nach wie vor mitten in ihrer Erforschung des Übernatürlichem. Doch plötzlich wird die zunächst noch eher unfreiwillige Gruppe, später dann noch ergänzt durch die Mitarbeiterin der New Yorker U-Bahn Patty Tolan, mit einem tatsächlichen Geist konfrontiert. Als sich ähnliche Ereignisse immer öfter wiederholen, beginnen die vier ihren Kampf gegen allerhand Ausgeburten der Geisterwelt.

 

Ich beschäftige mich nun schon seit vielen Jahren recht intensiv mit dem Medium Film, aber einen solchen Hass wie bei Ghostbusters habe wohl noch nie erlebt. Was die Internet-Fangemeinde da schon sehr früh absonderte, war überwiegend kaum zu ertragen. Da hat der gemeine Nerd seine hässlichste Seite gezeigt, wenn schon von einer „Vergewaltigung“ des Originals fabuliert wurde, ohne dass es auch nur ein einziges Fitzelchen Film zu sehen gab, bloß weil die vier männlichen Protagonisten nun von Frauen verkörpert werden sollten. Unvoreingenommen scheint kaum jemand an das Reboot herangehen zu können. Ich muss gestehen, dass Ghostbusters nicht unbedingt zu meinen Lieblingsfilmen gehört, wodurch ich nicht zum harten Kern der zahlreichen Fanboys gehöre. Ich mag den ersten Teil immer noch sehr und schaue ihn auch immer mal wieder gerne, aber da gibt es andere Filme dieser Zeit, welche mir dann doch mehr am Herzen liegen und prägender für meine filmische Sozialisation waren. Und schon den zweiten Teil fand ich in vielerlei Hinsicht schwächer und letzten Endes sogar verzichtbar, denn sein Vorgänger hätte mühelos für sich allein stehen können. Allein der Erfolg von Ghostbusters legitimierte die Fortsetzung und ich finde auch, dass man das dem zweiten Teil anmerkt. Nun kommt also nach erheblichen, sich über Jahre hinweg ziehenden, Schwierigkeiten seitens der Produktion unterschiedlichster Art und einem Sturm massenhafter Fanproteste, doch noch ein Reboot. Immerhin ließ man schnell von der Idee einer Fortsetzung in Originalbesetzung ab (nach dem Tod von Harold Ramis wäre das ohnehin nicht mehr möglich gewesen), die in meinen Augen nicht funktioniert hätte. Ist also die teils harsche Kritik an Ghostbusters vollkommen überzogen oder vielleicht doch gerechtfertigt?

 

Gleich vorweg: die eventuell zu erwartende Vollkatastrophe blieb letztlich in meinen Augen aus. Ja, der Film ist nicht besonders gut, aber einen solchen Shitstorm ist er keineswegs wert. Eher ist Ghostbusters erschreckend belang -wie harmlos und würde ohne die geradezu hysterischen Proteste im Vorfeld vermutlich schnell in Vergessenheit geraten. Risiken jedenfalls geht hier niemand ein und ein Fanal für den Feminismus sollte man auch nicht erwarten. Insofern kann ich all das Gezeter nun nach dem Ansehen des Filmes von Paul Feig nur noch weniger nachvollziehen, geschweige denn verstehen, so egal wirkt er auf mich. Das große, beinahe alle Aspekte des Filmes überschattende Hauptproblem von Ghostbusters ist dann auch keineswegs die im Vorfeld so hart verurteilte Besetzung, sondern vielmehr das in nahezu allen Punkten unglaublich schwache Drehbuch. Das Tempo stimmt selten, das Timing von Action und Gags funktioniert oft nicht, die Balance zwischen erzählerischen und visuellen Momenten findet keinen guten Mittelweg und vor allem fällt der Humor insgesamt erschreckend flach und banal aus. Kaum ein Witz zündet wirklich, kaum eine Pointe geht auf. Zudem übertreibt es Regisseur Paul Feig mit all den Querverweisen und Zitaten in Bezug auf Ivan Reitmans Film von 1984 so sehr, dass sich die neue Truppe kaum wirklich entfalten kann und unter dieser Masse an augenzwinkernden Anspielungen einfach untergeht. In diesen Kontext passen dann auch all die sehr merkwürdigen, teils lustlos und sehr gezwungen anmutenden Gastauftritte alter Bekannter. Egal ob Bill Murray (der scheinbar sowas von keine Lust hatte), Dan Aykroyd, Sigourney Weaver, Ernie Hudson oder Annie Potts, nie fühlt sich der jeweilige Auftritt passend an oder würde sich homogen in den Film einfügen. Aber nicht alles war auch nur schlecht in Ghostbusters. Melissa McCarthy beispielsweise spielt für ihre Verhältnisse geradezu angenehm zurückgenommen und zeigt sich deutlich weniger laut und schrill als gewohnt. Ein kleines Highlight war für mich auch die wunderbar grimassierende Kate McKinnon, deren exaltiertes Schauspiel mir durchaus Spaß machte. Und Chris Hemsworth als tumber Sekretär Kevin kann in einer Szene meinen einzigen wirklichen Lacher für sich verbuchen, wenn er auf seine Brille angesprochen wird. Auch visuell ist Ghostbusters sehr gelungen und hübsch anzusehen, auch wenn das Finale es in gewohnter Blockbuster-Manier vollkommen übertreibt und zu Gunsten einer gigantischen CGI-Orgie die ohnehin schon wenigen erzählerischen Elemente vollends aufgibt.

 

Wie gesagt: das Reboot von Ghostbusters ist beileibe kein guter Film geworden, hat seine Probleme aber gewiss an ganz anderen Stellen, als zuvor erwartet. Und diese offenbaren dann auch gleich entlarvend die Probleme der Fankultur, welche immer wieder den kreativen Stillstand in Hollywood bemängelt, sich gleichzeitig aber furchtbar aufregt und zum Gralshüter aufschwingt, wenn dann doch mal Leute Dinge anders machen möchten. Folglich werden dann natürlich überwiegend Stoffe produziert, die mehr auf Nummer sicher gehen und dem geneigten Fanboy geben, was ihm am besten schmeckt. Eine reichlich fragwürdige Spirale der Entwicklung, die nun mit dem Reboot von Ghostbusters vorerst einen sehr unrühmlichen Höhepunkt findet und mich durchaus nachdenklich stimmt.

 

4 von 10 Pfützen aus glibbrigem Ektoplasma