Prospect (2018)

6. November 2019 at 20:46

 

 

© DUST(under Gunpowder and Sky)/Quelle: IMDb

 

 

 

Die Teenagerin Cee ist mit ihrem Vater Damon auf einem lebensfeindlichen Mond, um dort einen seltenen Rohstoff abzubauen. Als die beiden auf Ezra und dessen Partner treffen, eskaliert die Situation und Damon wird von Ezra erschossen. Fortan bleibt Cee wenig anderes übrig als mit dem Mörder ihres Vaters zu kooperieren, wenn sie nach Hause will, denn das letzte Schiff soll schon bald die Umlaufbahn verlassen.

 

Für ihr Spielfilmdebüt Prospect haben sich die Regisseure und Drehbuchautoren Christopher Caldwell und Zeek Earl einfach nochmals ihren gleichnamigen Kurzfilm aus dem Jahre 2014 erneut vorgenommen und inszenieren eine sich langsam entfaltende Mischung aus Science Fiction, Western und Survival-Drama. Das erzählerische Tempo mag eher ruhig gehalten sein, doch die Spannung steigert sich immer weiter. Gerade in der inszenatorischen Zurückhaltung liegt die eigentliche Stärke von Prospect, der mit wenigen Mitteln eine dichte, eindringliche und vor allem auch überzeugende Atmosphäre zu erschaffen vermag.

 

Vor allem visuell ist das schön gelöst, wenn sich Caldwell und Earl einem herrlich abgegriffenen, verbrauchten, dreckigen 70er-Look bedienen und dankenswerter Weise überwiegend auf den Einsatz von CGI verzichten. Alles wirkt in dieser Welt so, als würde es auch benutzt werden und zeigt deutlich erkennbare Gebrauchsspuren. Used Future par excellence, weit weg vom Hochglanz vieler anderer Genre-Vertreter. Das verleiht dem ganzen Setting eine gewisse Authentizität, welche der Atmosphäre spürbar zu Gute kommt.

 

Prospect ist zwar in erster Linie Science Fiction, fängt jedoch dazu diese ganz bestimmte Frontier-Stimmung irgendwo zwischen Goldrausch und Glücksritter ein. Der Aufbruch in fremde Welten in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Dazu generiert die eigentlich eher einfach gehaltene Story ein interessantes Spannungsfeld zwischen den Figuren. Das alles mag zwar nicht sonderlich neu sein, doch es ist vor allem in den Details stimmig und atmosphärisch dicht genug, um über die gesamte Laufzeit zu überzeugen. Für eine derartige Indie-Produktion kann sich Prospect absolut sehen lassen.

 

6,5 von 10 verstopften Luftfiltern

 

 

Triple Frontier (2019)

16. März 2019 at 11:43

 

 

© Netflix/Quelle: IMDb

 

 

 

You cannot go back to your normal life after tonight.“

 

 

 

Der ehemalige US-Elite-Soldat Santiago „Pope“ Garcia verdient sein Geld inzwischen als Berater und Söldner für südamerikanische Regierungen im Kampf gegen die Drogenkartelle. Als er durch eine Informantin den genauen Standort des tief im Dschungel gelegenen Verstecks des Drogenbarons Gabriel Martin Lorea erfährt, wendet er sich an vier seiner ehemaligen Kameraden mit dem Plan, das gesicherte Anwesen zu überfallen, um das dort gehortete Bargeld in Höhe von etwa 75 Millionen Dollar außer Landes zu schaffen.

 

For whom the bell tolls… das markante Riff von Metallica gibt gleich die Marschroute vor, doch Regisseur J.C. Chandler bewahrt sich immer noch auch das menschliche Drama in seinen Figuren, welches seine bisherigen Werke Margin Call (2011), All Is Lost (2013) und A Most Violent Year (2014) ebenfalls auszuzeichnen wusste. Statt einen weiteren mit Adrenalin und Testosteron gesättigten Söldner-Actioner der Marke Expendables und Konsorten abzuliefern, da interessiert sich Triple Frontier zwar nicht nur, aber eben auch für die Figuren hinter dem Spektakel, jede auf ihre Art gebrochen, überfordert mit den Anforderungen des Lebens als Zivilist, welches sie ihrer speziellen Fähigkeiten beraubt. Es braucht nur wenige kleine Momente zu Beginn und im weiteren Verlauf, um diese Schieflage im Innern der Männer ausreichend zu skizzieren, und eine Rückkehr in alte, gelernte und antrainierte Verhaltensmuster soll es richten.

 

Ein Trugschluss, wie Chandor uns bildgewaltig wissen lässt, doch dafür nimmt er sich Zeit und besinnt sich auf seine Stärken. Die Actionszenen sind eher rar gesät, aber dafür klug platziert und mehr auf Präzision ausgelegt als auf Krawall. Doch geht es mal zur Sache, dann ist die Action dringlich wie bodenständig und die Kamera immer nah dran am Geschehen ohne dabei in Hektik zu verfallen. Letztlich sehe ich Triple Frontier dann auch weniger als Actionfilm, sondern eher als Drama mit Thriller-Anstrich, Survival-Elementen und Heist-Motiven, wenn Chandor über das Spektakel hinaus auch eine Bestandsaufnahme einer Gesellschaft liefert, die für ihre Kinder des Krieges keine Verwendung mehr hat. Im Grunde ist es kein Wunder, dass die Männer schließlich tun, was sie tun, so ganz ohne Rückhalt außerhalb ihrer Profession. Sie können nichts anderes, haben nie etwas anderes gelernt, sind im zivilen Leben aber weitestgehend nutzlos und zum Scheitern verurteilt, haben sie doch nie dessen Regeln verinnerlichen können.

 

8 von 10 Mal zig Millionen Dollar und ein Muli verlieren

 

 

The Equalizer 2 (2018)

5. März 2019 at 12:49

 

 

© Sony Pictures Releasing/Quelle: IMDb

 

 

 

Gentlemen, I am going to kill you all, and my only disappointment is that I only get to do it once.“

 

 

 

Als seine alte Freundin Susan Plummer bei Ermittlungen in Belgien ermordet wird, ruft das Robert McCall auf den Plan, der nicht so recht an die Version eines missglückten Überfalls glauben mag. Also nimmt er die Spur auf und stößt schnell auf Unstimmigkeiten, die etwas größeres vermuten lassen.

 

Robert McCall ist zurück und dieses Mal ist seine Mission von persönlicher Natur. Was ein wenig verwundert, ist The Equalizer 2 unter der erneuten Regie von Antoine Fuqua doch die erste Fortsetzung überhaupt in der langen Karriere von Denzel Washington. Doch obwohl die Figur nun bereits etabliert ist und nicht erst noch aufgebaut werden muss, tappt der zweite Teil in die gleichen Fallen, die mich schon beim Vorgänger gestört haben, und gibt sich insgesamt sehr träge in seiner Inszenierung abseits der Action. So braucht The Equalizer 2 beinahe das gesamte erste Drittel seiner Laufzeit von rund 120 Minuten, bis die eigentliche Handlung Fahrt aufnimmt, und dazwischen gibt es zahlreiche Subplots und vor allem erzählerischen Leerlauf. McCall kümmert sich um einen Überlebenden des Holocaust und den Garten seiner muslimischen Nachbarin, er befreit entführte Kinder in der Türkei und bringt einen anderen Nachbarn zurück auf den richtigen Weg, rächt ein ihm fremdes Mädchen, und klärt darüber hinaus nicht nur den Mord an einer alten Freundin auf, sondern zieht auch gleich die Schuldigen noch zur Rechenschaft.

 

Allerdings verliert sich McCall dabei für meinen Geschmack etwas zu oft in pseudo-philosophischen Kalendersprüchen und kruder Glückskeks-Moral. Sein Vorgehen jedoch ist auch hier immer kontrolliert, überlegt und geprägt von Präzision und Effizienz, doch wo seine speziellen Fähigkeiten im Vorgänger noch die Hauptattraktion waren und Fuqua immer wieder kurze, aber kraftvolle Actionszenen kreieren konnte, da wird dieses Element nun nicht nur sparsamer eingesetzt, sondern visuell auch weniger betont. Im stürmischen, an klassische Western angelehnten Finale dreht Fuqua in puncto Action zwar nochmals ordentlich auf, doch die Hinleitung dorthin ist in vielerlei Hinsicht arg bemüht: allein die aufdringliche Symbolik eines aufziehenden Unwetters ist ebenso vorhersehbar wie die Handlung selbst und deren Wendungen. Spannung kommt so nur sehr selten auf und auch sein ehemaliges Team ist bis auf den von Pedro Pascal verkörperten Dave York vollkommen konturlos, blass und austauschbar und dadurch wenig bedrohlich. Letztlich macht The Equalizer 2 die gleichen Fehler wie schon der erste Teil, bietet zu viel erzählerischen Leerlauf, statt sich auf seine Kernkompetenzen zu konzentrieren, bleibt allerdings auch bei seinen Stärken in jeglicher Hinsicht hinter seinem Vorgänger zurück.

 

5 von 10 zur Waffe umfunktionierten Kreditkarten

 

 

Kingsman: The Golden Circle (2017)

13. Mai 2018 at 15:43

 

 

©20th Century Fox

 

 

 

„The only Golden Circle I want vexing me is the one my glass leaves behind on the table.“

 

 

 

Als die regierungsunabhängige Geheimorganisation der Kingsman mit dem von Poppy Adams geführten Drogenkartell The Golden Circle konfrontiert wird, bedarf es auch der Hilfe der Statesman, ihrem amerikanischen Gegenstück. Gemeinsam nehmen sie den Kampf gegen Poppy auf und müssen erneut nicht weniger als die Welt retten.

 

Kingsman: The Secret Service kam 2015 für mich aus dem Nichts, schlug voll bei mir ein, wusste mich mit seiner launigen Inszenierung zu unterhalten und hat mir viel Spaß gemacht. Auf rotzfreche und gleichzeitig dennoch ungemein charmante Art und Weise vermischt Kingsman die Gewalt und die Anarchie aus Kick-Ass mit dem Witz und der Eleganz der alten James Bond-Filme und verpasst dem ganzen einen gehörigen Schuss The Avengers (Mit Schirm, Charme und Melone…. nicht der Marvel-Zirkus). Regisseur Matthew Vaughn gelingt hier eine nahezu perfekte Mischung aus Parodie und Hommage an eine Zeit, als Agentenfilme noch lustig und haarsträubend weit hergeholt sein durften und nicht todernst und bedeutungsschwanger sein mussten. Sein Film ist hemmungslos überdreht, aber nie respektlos seinen Vorlagen gegenüber, er ist voller absurder und bizarrer Einfälle, aber gleichzeitig auch herrlich selbstironisch und kommt mit einem fetten Augenzwinkern daher.

 

Kingsman: The Golden Circle kann nun leider nichts mehr von all dem einlösen und ist in allen Belangen deutlich schwächer als sein Vorgänger. Es mangelt an Frische, an Vitalität, an Unberechenbarkeit, an Wucht. Matthew Vaughn hat den erzählerischen Schwung verloren, sein Film ist zu lang geraten, in seiner Inszenierung zu sehr over the top und das Timing stimmt auch oft nicht. Ein klassischer Fall von bigger is better, aber es funktioniert nicht, verliert schnell seinen Reiz und sieht auf der Effekt-Ebene oft wirklich nicht besonders gut aus. Der zweite Film bietet zwar etwa 20 Minuten mehr Laufzeit als noch sein Vorgänger, kann diese aber deutlich weniger gut ausfüllen, leidet vor allem im Mittelteil an Leerlauf und verliert sich etwas zu sehr in schrägen Geschmacklosigkeiten. Wo die Kingsman selbst noch als charmante, leicht parodistische Hommage an den klassischen britischen Agentenfilm durchgehen, da verkommt ihr amerikanisches Pendant, die Statesman, bloß noch zu einer Aneinanderreihung plumper Klischees, welche Schauspieler wie Pedro Pascal, Channing Tatum oder Jeff Bridges unterfordern und sinnlos verpulvern. Auch die von Julianne Moore gespielte Antagonistin Poppy Adams ist zwar reichlich exzentrisch, es fehlt ihr jedoch der durchgeknallte Charme eines Richmond Valentine aus dem Vorgänger. Dafür können immerhin Taron Egerton, Colin Firth und vor allem der von mir sehr geschätzte Mark Strong durchaus wieder überzeugen.

 

Kingsman: The Golden Circle ist letztlich kaum mehr als eine leidlich unterhaltsame und weitestgehend verzichtbare Fortsetzung, welche ihrem gelungenen Vorgänger nichts von Relevanz hinzuzufügen vermag und in nahezu allen Aspekten im direkten Vergleich deutlich unterliegt. Schade, denn das filmische Potential ist in den Comics ja durchaus vorhanden.

 

5 von 10 elektrischen Lassos