The Beach House (2019)

29. August 2021 at 18:11

 

© Low Spark Films/Uncorked Productions/Shudder

 

 

Die Werke von H.P. Lovecraft und David Cronenberg sind durchaus Bezugspunkte für das Regiedebüt von Jeffrey A. Brown. Der Schrecken des Unbegreiflichen und körperliche Zersetzung. In diesen Untiefen bewegt sich auch The Beach House und bedient sich dabei bereits bekannten Mechanismen und Motiven. So wird zwar das Genre-Rad nicht unbedingt neu erfunden, doch Brown kombiniert all diese Versatzstücke durchaus geschickt. Obwohl wir direkt in die Handlung einsteigen und die Atmosphäre von Beginn an reichlich schräg und unheimlich wirkt, lässt sich The Beach House auf der erzählerischen Ebene Zeit und breitet seinen Schrecken erst nach und nach aus. Vor allem gibt er seinen Figuren Raum zur Entfaltung und setzt gezielt wie schleichend den Grundton für die unausweichlich folgende Eskalation. Der Wahnsinn sickert nur langsam in die rationale Welt, dafür aber beständig. Tropfen um Tropfen. Doch mit zunehmender Dauer bahnt sich der Wahnsinn unbarmherzig an und auch der Body-Horror darf Einzug halten und so manche Ekligkeit bereit halten.

 

Einen nicht unbeträchtlichen Teil seiner unangenehmen Wirksamkeit ensteht dadurch, dass sich der Schrecken nicht erklärt. Der Zuschauer weiß genau so wenig über die merkwürdigen Ereignisse wie die Figuren selbst. Dazu ist das Drehbuch, für welches ebenfalls Brown verantwortlich ist, deutlich cleverer geraten, als man es für einen solchen Genrefilm erwarten würde, verzichtet auf die üblichen Ungereimtheiten und achtet auf Details. Vor allem die von Liana Liberato verkörperte Emily trifft immer wieder überraschend kluge Entscheidungen. Und auch das auf den ersten Blick unbefriedigend wirkende Ende ist bei genauerer Betrachtung im Grunde nur logisch und konsequent. The Beach House entlässt den Zuschauer ratlos in die Ungewissheit. Einzig die schmerzliche Erkenntnis bleibt zurück, wie anfällig und fragil die menschliche Existenz angesichts einer solch diffusen Bedrohung doch eigentlich ist. Und das beständige Rauschen des Meeres.

 

7,5 von 10

 

 

Dagon (2001)

20. Oktober 2018 at 14:55

 

 

© Filmax International/Lions Gate Entertainment/Quelle: IMDb

 

 

 

No one leave Imboca. People come, but no one leave.“

 

 

 

Ein plötzlich aufziehendes Unwetter beendet den Segelurlaub von Paul und seiner Freundin Barbara vor der spanischen Küste und zwingt die beiden, in einem verlassen anmutenden Fischerdorf Hilfe zu suchen. Von Barbara getrennt, sieht sich Paul schon bald unheimlichen Kreaturen ausgesetzt, die ihm scheinbar nach dem Leben trachten und ein düsteres Geheimnis bergen.

 

Als 2001 Dagon auf die Videotheken losgelassen wurde, da war es bereits eine Weile ruhig um die Horrorikonen Brian Yuzna und Stuart Gordon (Re-Animator, From Beyond, Society), die sich zu der Zeit in Spanien mit der Fantastic Factory ihr eigenes Filmstudio fürs Low Budget-Genrekino aufgebaut haben. H.P. Lovecraft war schon immer mal mehr, mal weniger Teil ihres Schaffens, doch mit Dagon kamen sie so nah an den Kern wie kaum jemand anderes, wenn sie hier hauptsächlich dessen Novelle The Shadow Over Innsmouth mit Elementen aus Dagon vermischen. Nicht selten wird Dagon für die selbst zu seiner Zeit schlechten digitalen Effekte kritisiert und das auch vollkommen zu Recht, allerdings beschränken sich diese auf nur wenige Minuten zu Beginn und zum Ende hin und es wird im gleichen Atemzug auch gern übersehen, dass die schön schmoddrigen praktischen Effekte dafür – oder vielleicht deswegen – umso besser wirken. Davon ab bezieht der Film seinen Reiz viel lieber überwiegend aus der verwinkelten, unübersichtlichen und geradezu alptraumhaften Architektur des kleinen Fischerdorfes Imboca mit all seinen verwitterten und engen Gassen.

 

All das strahlt eine enorme wie unheimliche Authentizität aus und gestaltet die lang andauernde Flucht von Paul nur noch intensiver. Die Art, wie dieser ausufernde Teil der Geschichte erzählt wird, ist umwerfend. Paul wird endlos verfolgt von fremdartigen Wesen und hat nirgendwo die Möglichkeit ein sicheres Versteck zu finden, geschweige denn zu entkommen. Dazu verleiht ihm das Drehbuch eine spürbare Menschlichkeit, wie man sie in solchen Genre-Filmen eher selten finden kann: verletzt er sich, dann humpelt er auch für den Rest des Filmes, Türen lassen sich nicht so einfach auftreten, seine Brille will immer wieder zu Recht gerückt werden und ein Auto kann auch nicht ohne weiteres kurz geschlossen werden. Das mögen nur Details am Rande sein, aber sie tragen sehr zur eigenwilligen, seltsam unwirklichen und dichten Atmosphäre bei, welche Dagon letztlich ausmacht. Auch ist es ein hübscher Kniff, dass Paul sich als Amerikaner in Spanien aufgrund seiner Sprachbarriere nicht verständlich machen kann und so die unheilvolle Konfrontation eines Einzelnen mit einer fremdartigen Überzahl zusätzlich hervorgehoben wird. Dagon ist in seiner Gänze sicherlich alles andere als perfekt, aber in seinen Details immer wieder so sehr gelungen, dass ich ihm seine Fehler nur zu gern nachsehe, wenn Yuzna und Gordon das verfallene Fischerdorf Imboca in solch faszinierender Fremdartigkeit als märchenhaften Horror inszenieren.

 

7 von 10 glitschigen Fischhänden