The Hallow

31. Mai 2017 at 16:02

                    © MFA Film

        

 

 

„Hallow be their name / And blest be their claim / If you who trespass put down roots / Then Hallow be your name.“

 

 

 

Als Adam und Clare mit dem Säugling Finn von London in die Wälder Irlands ziehen, ahnen sie noch nicht, was ihnen und ihrem Sohn noch bevorstehen wird. Nicht nur, dass der Nachbar unheimlich und aufdringlich wirkt und generell der ganze Ort den Neuankömmlingen gegenüber ausgesprochen ablehnend reagiert, scheint tief in den Wäldern etwas zu lauern, das es offenbar  auf den kleinen Finn abgesehen hat.

 

The Hallow ist der erste Langfilm des irischen Regisseurs Corin Hardy, der zuvor einige Kurzfilme und vor allem Musikvideos für Acts wie The Prodigy, Biffy Clyro, Olly Murs oder Paolo Nutini gedreht hat. Der in Irland gedrehte Horrorfilm, welcher auch Elemente der irischen Folklore und Sagenwelt aufgreift und verarbeitet, feierte seine internationale Premiere 2015 auf dem Sundance Festival und war hier erstmals auf dem Fantasy Film Fest zu sehen. The Hallow ist für ein Regiedebüt erstaunlich souverän und selbstbewusst in seiner Inszenierung ausgefallen, versehen mit einem guten Gespür für Tempo und Timing und Hardy hat sehr konkrete Vorstellungen von dem, was er ausdrücken will. Zwar ist die Handlung nahezu frei von Überraschungen und im Kontext des Genres relativ formelhaft, dafür aber weiß das frische Setting zu gefallen und die Atmosphäre ist angenehm dicht und düster. Lange spielt Hardy geschickt mit der Erwartungshaltung des Zuschauers und setzt für rund eine Stunde sehr routiniert auf das nur allzu bekannte Wechselspiel aus Spannung und Anspannung, nur um dann für das letzte Drittel die Spannungsschraube immer weiter anzuziehen, wenn sich ab einer wichtigen Schlüsselszene nicht nur das Tempo deutlich erhöht, sondern The Hallow auch die Wandlung vom stimmungsvollen Gruseler zum Creature-Horror vollzieht. Dass dieser Bruch nicht abrupt und spürbar irritierend erfolgt, verdankt der Film seinem Drehbuch, welches schon zuvor immer wieder gezielt Indizien setzt für die Dinge, die da wohl möglich noch folgen werden. Zunächst scheint The Hallow den Konflikt zwischen der fortschrittlichen Zivilisation und den mythischen Überlieferungen von einst nachzuzeichnen, ein klassischer wie inzwischen arg überstrapazierter Plot, doch Hardy ist sich durchaus bewusst, das ein solch biederer Ansatz heutzutage eben nicht mehr ausreicht, und lenkt seinen Film im letzten Drittel geschickt in die Body Horror-Schiene, wenn es ihm gelingt, den sich immer weiter zuspitzenden Konflikt umzudrehen. Das Design der Kreaturen ist überwiegend hübsch altmodisch umgesetzt, weitestgehend handgemacht, kommt überwiegend ohne digitale Effekte aus und auch die Hintergründe dieser Wesen hinterlassen durchaus einen unangenehmen Beigeschmack. Passable darstellerische Leistungen und ein ganz wunderbar eingefangenes Naturpanorama erhöhen dann noch die Schauwerte von The Hallow, können jedoch über die erzählerischen Schwächen nicht hinwegtäuschen.

 

Corin Hardy geht mit seinem Regiedebüt durchaus eigene Wege und hat gute Ideen, kann sich aber letztlich nicht von den genreüblichen wie formelhaften Erzählstrukturen lösen. Die Handlung ist weitestgehend vorhersehbar und die Figuren schablonenhaft eindimensional, aber das interessante und noch einigermaßen unverbrauchte Setting und eine dichte Atmosphäre garniert mit tollen Monstereffekten machen The Hallow für Horrorfans dennoch sehenswert. Und auch einen nicht zu leugnenden Hauch Gesellschaftskritik hätte Hardy sich in einer solch diffusen Ausformulierung letztlich sparen können, doch sein Gespür für Tempo, Timing und Atmosphäre lässt sich nicht abstreiten.

 

6,5 von 10 Vögeln im Kinderzimmer