Mechanic: Resurrection

3. Juni 2017 at 11:38

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„Tell your principal it never pays to fuck with the dead.“

 

 

 

Eigentlich hatte sich der Auftragskiller Arthur Bishop längst mit einer falschen Identität in Brasilien zur Ruhe gesetzt, als ihn plötzlich ein alter Widersacher in Gestalt von Riah Crain ausfindig macht und mächtig unter Druck setzt: Bishop soll für ihn drei äußerst knifflige Morde begehen, die zudem noch unbedingt wie ein Unfall aussehen müssen oder anderenfalls muss seine neue Flamme Gina mit ihrem Leben bezahlen. So sehr in die Ecke gedrängt, sieht Bishop keine andere Wahl, als sich äußerst widerwillig an die Arbeit zu machen.

 

Die inhaltliche Kohärenz bei Actionfilmen ist nun nicht unbedingt ein Thema, dem ich größeren Raum geben wollte und könnte, aber man muss sich bei Mechanic: Resurrection schon auch die Frage stellen, warum der Film überhaupt als Fortsetzung seines Vorgängers angepriesen und verkauft wird, ist er doch so sehr losgelöst von Mechanic, dass man ihn vollkommen mühelos als ganz eigenständiges Jason Statham-Vehikel vermarkten könnte. Im Grunde bleibt vom ersten Teil nicht viel mehr übrig als der Name Arthur Bishop und dessen Profession, ansonsten gibt es keinerlei Verbindung zwischen beiden Filmen und Stathams Figur hätte auch irgendeine andere sein können, für den Film selbst hätte das keinen Unterschied gemacht. Der deutsche Regisseur Dennis Gansel darf nach Filmen wie Napola, Die Welle oder Wir sind die Nacht nun seinen Film in Hollywood drehen und kann gleich mit einem der wenigen noch ikonischen Actionstars in Gestalt von Jason Statham arbeiten und was macht er daraus? Zugegeben nicht sonderlich viel. Statt seine Geschichte wie noch der gute und über weite Strecken durchaus gelungene Vorgänger von Simon West im eher kleinen, überschaulichen Rahmen zu erzählen, bläht sich Mechanic: Resurrection wo er nur kann unnötig auf und setzt auf Hochglanz, bleibt aber letztlich nur ein schlichtes B-Movie, welches seine Herkunft nur allzu gern verschleiern würde, sich aber letztlich doch immer wieder selbst entlarvt. Die ständig wechselnden Schauplätze wirken zwar exotisch, aber der Kamera gelingt es selten, deren Flair so einzufangen, dass sich dieses Gefühl gleichsam auch auf den Zuschauer überträgt und all die Bilder und set pieces sind ohnehin kaum mehr als der Versuch, über die mangelnde Handlung und die schwache Figurenzeichnung hinwegzutäuschen – Mechanic: Resurrection wähnt sich in diesem Punkt zwar in der Tradition solcher Filmreihen wie Bond, Bourne oder gar Mission Impossible und würde sich nur zu gern irgendwo dazwischen platzieren, schafft das aber zu keiner Sekunde. Und ja, es ist natürlich ein wenig hoch gegriffen, vielleicht sogar heuchlerisch, einem solchen Actionfilm seine schwachen Figuren anzukreiden, doch besonders die Liebesgeschichte zwischen Bishop und Gina macht gut deutlich, wo die Probleme von Mechanic: Resurrection liegen. Denn von der vermeintlich großen Liebe ist wirklich nichts, aber auch rein gar nichts im Film zu spüren. Es wird zwar behauptet, sie sei vorhanden, ist sie aber letzten Endes nicht, was auch überhaupt kein Problem wäre, würde der Film nicht im weiteren Verlauf an eben genau dieses Motiv zuviel hängen. Zudem mangelt es Gansel an einem guten Gespür für Bewegung, Timing, Räume und Dynamik, sind seine Actionszenen meist doch viel zu hektisch und unübersichtlich umgesetzt. Dazu gesellt sich das alte Problem der stark verwackelten Kamera gerade in den Kampfszenen und die eigenartige Angewohnheit, dass immer kurz vor einem Körpertreffer weggeschnitten wird, wodurch gerade Faustkämpfe und ähnliches seltsam drucklos bleiben und die Action einfach im leeren Raum verpufft. Das erinnerte mich oftmals stark an Quantum of Solace – eben jenes Bond-Abenteuer, welches unter ganz ähnlichen Problemen zu leiden hatte und mit Marc Forster von einem ebenfalls deutschen Regisseur gedreht wurde, der zweifellos gute Filme in seinem Repertoire hat, im Actiongenre aber eher weniger gut aufgehoben zu sein scheint.

 

Mit seinem Einstand in Hollywood in Gestalt von Mechanic: Resurrection wird sich der deutsche Dennis Gansel vermutlich keinen Stand als Actionfilm-Regisseur erarbeiten können, zeugt sein Film doch sehr von einem offenkundigen Mangel an Gespür für Timing, Raum und Übersicht. Zudem fehlt es an Druck und Dynamik in der Action und eine ruhigere Kameraführung wäre auch förderlich gewesen. Die Figuren und ihre Motivationen bleiben zu schwach ausformuliert, werden aber dennoch vom Film zu ernst genommen. Dieses Ungleichgewicht stört durchaus ganz ordentlich, verlangt Mechanic: Resurrection zwar nach Identifikation mit seinen Figuren, kann jedoch im Gegenzug nichts dafür tun, diese auch zu fördern. Jason Statham zieht gewohnt sein Ding durch, kriegt aber eher wenig Chance zu glänzen und springt auffällig oft aus großen Höhen kopfüber ins Wasser. Im freien Oberkörper natürlich. Und Jessica Alba… naja, sie ist nett anzusehen… und Tommy Lee Jones, der gibt sich als Karikatur eines Bösewichts vollkommen unnötig der Lächerlichkeit preis. Unterm Strich gerade auch im Vergleich zum ersten Teil – ein völlig unnötiger Bezugspunkt – einfach zu wenig, um sich gegen die Unmenge an modernen Actionfilmen abheben zu können. Es gibt DTV-Actioner, die besser inszeniert sind und sich nicht so aufblasen.

 

4 von 10 Tuben mit Anti-Hai-Mittel