The Mission (Cheung foh, 1999)

12. Mai 2019 at 15:31

 

 

© Milkyway Image/International Films Enterprise Ltd./Quelle: IMDb

 

 

 

Da jemand dem Triaden-Boss Lung nach dem Leben trachtet und er bereits ein Attentat nur knapp überleben konnte, stellt dessen Bruder eine fünfköpfige Crew aus Bodyguards rund um die erfahrenen Curtis und Roy zusammen. Der nächste Anschlag lässt nicht lange auf sich warten, doch den fünf Männern gelingt es recht schnell, die Drahtzieher dahinter ausfindig zu machen. Allerdings wird eine Verfehlung des jungen Shin zum dramatischen Prüfstein für ihre Freundschaft.

 

Mit The Mission drehte Regisseur Johnnie To einen Actionfilm über das Warten. Das mag zwar auf den ersten Blick paradox klingen und vielleicht sogar langweilig, funktioniert aber im Endeffekt erstaunlich gut. Ein nicht unbeträchtlicher Teil des Alltags dieser fünf Männer in ihrer Funktion als Bodyguards für den Triaden-Boss Lung besteht aus kaum viel mehr als warten. Warten auf den Boss, warten auf den nächsten Einsatz, warten auf den nächsten Angriff. Diese Momente voller Verspieltheit sind es dann auch, die geradezu beiläufig den wortkargen Figuren genügend Tiefe geben, um deren Entwicklung glaubwürdig voranzutreiben und eine zarte Freundschaft entstehen zu lassen. Die innere Dynamik dieser Gruppe aus fünf Männern ist letztlich dann auch das eigentliche Thema von The Mission, der zugegeben hauchdünne Plot rund um Boss Lung nur der Stein des Anstoßes. So kommt diesem Geflecht der Beziehungen untereinander auch im letzten Drittel überhaupt erst die eigentliche Bedeutung zu, wenn sich der Konflikt zwischen der Loyalität untereinander und der Loyalität dem Boss gegenüber dramatisch zuspitzt.

 

Und gerade wegen dieser zahlreichen ruhigen und beschwingten Momente entwickelt die enorm präzise getimte Action eine ganz andere Dringlichkeit. Wie sieben Jahre später in Exiled auch (und bei To beinahe immer) sind die Actionsequenzen und vornehmlich die Shootouts von meisterhafter Effizienz in ihrer hochgradig minimalistischen Reduktion auf das absolut Wesentliche. To inszeniert enorm sparsam und überlegt in langen und ruhigen Einstellungen und gerade deswegen ist The Mission in seinen besten Momenten äußerst spannend geraten in dieser kargen wie schlichten Schönheit. Exemplarisch hierfür steht eine etwa fünf minütige Sequenz in einem Einkaufscenter, die durch eine perspektivisch ausgefeilte, beinahe schon statisch anmutende Ästhetik brilliert. Nur selten fällt ein Schuss, doch die Anspannung ist geradezu greifbar, die Protagonisten sind kunstvoll in Raum und Tiefe angeordnet, und aufgelöst wird die Situation durch minimale Verschiebungen.

 

Auch mit The Mission verknüpft Johnnie To Action mit Drama und bedient sich dafür einer virtuosen Bildsprache, reduziert und präzise in der Bewegung, stilisiert im Stillstand. Freundschaft und Loyalität stehen in diesem hervorragend komponierten Film auf dem Prüfstein, der Exiled und vielen anderen seiner Werke nicht unähnlich eine nahezu perfekt choreografierte Abhandlung über Gewalt darstellt, und dennoch eher von den ruhigen, gelassenen und verspielten Momenten lebt.

 

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