The People Under the Stairs (1991)

4. August 2019 at 16:22

 

 

© Universal Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

Sometimes in is out.“

 

 

 

Die schiere Verzweiflung treibt das Ghetto-Kid Fool in die Kriminalität, wenn er zusammen mit Leroy einen Einbruch in das Haus seiner ausbeuterischen Vermieter plant. Dies gelingt letztlich auch, doch in das Haus erst einmal eingedrungen, müssen die beiden schnell feststellen, dass es sich um eine regelrechte Festung ohne Entkommen handelt und sich hier noch ganz andere Grausamkeiten abspielen als einfach nur gnadenloser Kapitalismus.

 

The People Under the Stairs mag vielleicht nicht unbedingt der erste Film sein, der einem in den Sinn kommt, wenn man das Schaffen eines der wohl vielseitigsten Regisseure im Genre Revue passieren lässt, doch er ist sicherlich einer der verschrobensten und eigenwilligsten von Wes Craven. Ein grotesker Stilmix ist das mitunter, wenn klassische Märchenmotive in eine moderne Umgebung überführt werden und sich Horror mit überdrehtem Humor und Sozial-Satire auf verspielte Art und Weise kreuzt. Zwar tritt der märchenhafte Charakter von The People Under the Stairs erst später deutlich in den Vordergrund, doch bereits Fool als Protagonist offenbart derartige Bezüge. Insofern ist Cravens Film in seiner ganzen Anlage durchaus als mutig zu betrachten und baut keineswegs auf bereits bestehenden Konventionen auf, sondern versucht viel mehr einen eigenen, eher speziellen Weg abseits ausgetrampelter Genre-Pfade zu finden.

 

Zwar hebelt The People Under the Stairs die Realität nicht vollkommen aus, bietet aber dennoch mehr als genug skurrile Anreize und hält den Zuschauer dauerhaft gekonnt auf Trab, wenn hinter jeder Ecke eine neue Überraschung warten könnte. So ist dann auch das von Kamerafrau Sandi Sissel toll eingefangene Haus der Robesons ein fabelhaftes Setting und der heimliche Star mit all seinen verwinkelten Gängen, Schächten, Geheimtüren, Schlupflöchern und heimtückischen Fallen. Heimlich deswegen, weil die meiste Aufmerksamkeit natürlich Everett McGill und Wendy Robie (Big Ed und Nadine aus Twin Peaks) gilt, die hier ein derart lustvolles und ganz bewusst herrlich überdrehtes Schauspiel liefern, dass es eine helle Freude ist den beiden dabei zuzuschauen. So ist The People Under the Stairs letztlich verspieltes wie eigenwilliges und rasantes Genre-Kino und ein weiterer Beweis für die enorme Vielseitigkeit von Wes Craven, der seinen Höhepunkt (Scream, 1996) sogar noch vor sich hatte. Hier macht er abermals so manches anders und denkt nicht mal daran, sich wie auch immer gearteten Konventionen zu unterwerfen und lotet stattdessen lieber die Grenzen des Machbaren aus. Und das macht in erster Linie ziemlich viel Spaß.

 

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