3 from Hell (2019)

28. September 2019 at 16:03

 

 

© Lionsgate/Quelle: IMDb

 

 

 

Hello America. Did you miss me?“

 

 

 

Entgegen jeglicher Erwartung überleben Otis, Baby und Captain Spaulding das Ende ihrer Flucht im Kugelhagel der Polizei, werden verhaftet und zum Tode verurteilt. Nach der Hinrichtung von Spaulding gelingt Otis die Flucht und fortan ist sein Ziel Baby wie auch immer aus dem Gefängnis zu befreien. Tatkräftige Unterstützung erhält er dabei von seinem Halbbruder Winslow Foxworth Coltrane, genannt The Midnight Wolfman.

 

Nach der überaus zitatfreudigen Horror-Collage House of 1000 Corpses (2003) und dem garstig wuchtigen Road Movie-Trip The Devil´s Rejects (2005) folgt nun also mit 3 from Hell der Abschluss von Rob Zombies Firefly-Trilogie. 31 (2016) ließ es im Ansatz bereits vermuten, dass Zombie wohl möglich seine Inspiration abhanden gekommen sein könnte, doch 3 from Hell macht das in all seiner Ideenlosigkeit mehr als deutlich. Dabei beginnt alles eigentlich sogar recht verheißungsvoll als eine Art Mediensatire, wenn Otis, Baby und Captain Spaulding anfangs nicht unähnlich zur Manson-Family medial ausgeschlachtet werden und sich in der ihnen geschenkten Aufmerksamkeit geradezu sonnen. Doch Zombie wischt das alles viel zu schnell beiseite und schenkt dem keine Bedeutung mehr, wenn er es sich spätestens mit der Flucht von Otis Firefly wieder in altgewohnten Gefilden bequem macht und sich fortan nur noch in gefühlt endlosen Wiederholungen seiner eigenen Stilistik austobt. Zombie zitiert sich pausenlos selbst und dreht sich immerzu im Kreis, ohne jemals ernsthaft ausbrechen zu können oder, vielleicht schlimmer noch, zu wollen.

 

Die Story von 3 from Hell ist unausgegoren, hastig zusammen geschustert und mit der heißen Nadel gestrickt. Wenig ergibt Sinn, vieles wird geradezu willkürlich eingeworfen und doch gleich wieder vergessen. Alles wirkt seltsam planlos, ganz so, als wüsste Zombie nicht mehr, was er überhaupt noch erzählen will oder kann. Dem Firefly-Kosmos jedenfalls kann 3 from Hell nichts mehr hinzufügen, was nicht schon an anderer Stelle etabliert worden wäre. Wiederholung um ihrer selbst willen, der kreative Stillstand, wenn selbst vermeintliche Tabubrüche und Grenzüberschreitungen bloß noch plump und berechenbar daherkommen. Visuell ist das alles erwartungsgemäß auf die Optik des Grindhouse-Kinos getrimmt, handwerklich jedoch geht Zombie nachlässig und oftmals ohne erkennbare Liebe zum Detail vor, wenn 3 from Hell in seiner ganzen Inszenierung hektisch, wirr und ähnlich unübersichtlich ausfällt wie zuletzt noch 31. Schauspielerisch ist vor allem Sheri Moon Zombie als Baby Firefly schnell anstrengend, wenn sie vollkommen ins geradezu grotesk hysterisch Überdrehte abgleitet und sich als eine Art gesteigerte und nur schwer zu ertragende Variation ihrer Mutter inszeniert. Unterm Strich ist 3 from Hell vor allem auch deshalb überflüssig, weil The Devil´s Rejects im Grunde den perfekten Abschluss hatte. So gesehen ist die Fortsetzung kaum mehr als müde wie planlose Leichenfledderei ohne echte Ideen oder Inspiration. Da war selbst 31 zumindest punktuell noch der bessere Film.

 

3,5 von 10 Free the Three-Shirts

 

 

The People Under the Stairs (1991)

4. August 2019 at 16:22

 

 

© Universal Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

Sometimes in is out.“

 

 

 

Die schiere Verzweiflung treibt das Ghetto-Kid Fool in die Kriminalität, wenn er zusammen mit Leroy einen Einbruch in das Haus seiner ausbeuterischen Vermieter plant. Dies gelingt letztlich auch, doch in das Haus erst einmal eingedrungen, müssen die beiden schnell feststellen, dass es sich um eine regelrechte Festung ohne Entkommen handelt und sich hier noch ganz andere Grausamkeiten abspielen als einfach nur gnadenloser Kapitalismus.

 

The People Under the Stairs mag vielleicht nicht unbedingt der erste Film sein, der einem in den Sinn kommt, wenn man das Schaffen eines der wohl vielseitigsten Regisseure im Genre Revue passieren lässt, doch er ist sicherlich einer der verschrobensten und eigenwilligsten von Wes Craven. Ein grotesker Stilmix ist das mitunter, wenn klassische Märchenmotive in eine moderne Umgebung überführt werden und sich Horror mit überdrehtem Humor und Sozial-Satire auf verspielte Art und Weise kreuzt. Zwar tritt der märchenhafte Charakter von The People Under the Stairs erst später deutlich in den Vordergrund, doch bereits Fool als Protagonist offenbart derartige Bezüge. Insofern ist Cravens Film in seiner ganzen Anlage durchaus als mutig zu betrachten und baut keineswegs auf bereits bestehenden Konventionen auf, sondern versucht viel mehr einen eigenen, eher speziellen Weg abseits ausgetrampelter Genre-Pfade zu finden.

 

Zwar hebelt The People Under the Stairs die Realität nicht vollkommen aus, bietet aber dennoch mehr als genug skurrile Anreize und hält den Zuschauer dauerhaft gekonnt auf Trab, wenn hinter jeder Ecke eine neue Überraschung warten könnte. So ist dann auch das von Kamerafrau Sandi Sissel toll eingefangene Haus der Robesons ein fabelhaftes Setting und der heimliche Star mit all seinen verwinkelten Gängen, Schächten, Geheimtüren, Schlupflöchern und heimtückischen Fallen. Heimlich deswegen, weil die meiste Aufmerksamkeit natürlich Everett McGill und Wendy Robie (Big Ed und Nadine aus Twin Peaks) gilt, die hier ein derart lustvolles und ganz bewusst herrlich überdrehtes Schauspiel liefern, dass es eine helle Freude ist den beiden dabei zuzuschauen. So ist The People Under the Stairs letztlich verspieltes wie eigenwilliges und rasantes Genre-Kino und ein weiterer Beweis für die enorme Vielseitigkeit von Wes Craven, der seinen Höhepunkt (Scream, 1996) sogar noch vor sich hatte. Hier macht er abermals so manches anders und denkt nicht mal daran, sich wie auch immer gearteten Konventionen zu unterwerfen und lotet stattdessen lieber die Grenzen des Machbaren aus. Und das macht in erster Linie ziemlich viel Spaß.

 

7 von 10 Mal dem Wachhund Stromstöße verpassen