The Purge: Anarchy

25. Mai 2015 at 16:16

 

 

 

The Purge: Anarchy (2014)
The Purge: Anarchy poster Rating: 6.5/10 (63283 votes)
Director: James DeMonaco
Writer: James DeMonaco, James DeMonaco (characters)
Stars: Frank Grillo, Carmen Ejogo, Zach Gilford, Kiele Sanchez
Runtime: 103 min
Rated: R
Genre: Action, Horror, Thriller
Released: 18 Jul 2014
Plot: Three groups of people are trying to survive Purge Night, when their stories intertwine and are left stranded in The Purge trying to survive the chaos and violence that occurs.

 

 

 

„We can’t have heroes… oh no sir… no heroes. I hope you feel cleansed. Blessed be America, a nation reborn.“

 

 

 

Dank des Vorgängers The Purge ist die Story zwar mehr oder weniger bekannt, ich gehe aber trotzdem nochmal kurz darauf ein. Amerika im Jahr 2023. Die neue Regierung, auch bekannt als Die Neuen Gründungsväter, hat aufgrund von hohen Kriminalitätsraten, überfüllten Gefängnissen und wachsender Armut die sogenannte Purge-Night eingeführt. Einmal im Jahr ist für zwölf Stunden alles erlaubt, kein Verbrechen wird bestraft werden und sämtliche Polizeikräfte sind ebenso wenig im Dienst wie die Feuerwehr und auch die Krankenhäuser sind geschlossen. Mord, Raub, Vergewaltigung, völlig egal, der Täter bleibt straffrei und das System scheint zu funktionieren, denn außerhalb der Purge-Night ist jegliches Verbrechen nahezu gänzlich verschwunden und kaum jemand lebt noch unter der Armutsgrenze. In einer dieser Purge-Nights kreuzen sich die Wege einer Kellnerin und deren Tochter mit einem jungen Paar mit Autopanne und der geheimnisvolle Sergeant ist auch auf den Straßen unterwegs….

 

Wie schon bei dem ein Jahr zuvor erschienenen The Purge ist die Ausgangssituation bei The Purge: Anarchy genau die gleiche. Die Grundidee beider Filme hat durchaus Potential und ist reizvoll, sofern man nicht allzu genau hinsieht und anfängt, die Dinge auf Logik hin abzuklopfen, denn dann stürzt alles in sich zusammen wie ein Kartenhaus auf wackeligem Boden. The Purge hatte das grundlegende Problem, dass ein gutes und vielversprechendes Konzept zu schwach und zahm umgesetzt wurde, statt die provokante Prämisse konsequent auszuleuchten, präsentierte Autor und Regisseur James DeMonaco nach einem durchaus brauchbarem Auftakt dann doch nur einen allenfalls mäßigen und nach den üblichen Mustern des Genres gestrickten Home-Invasion-Thriller, der zudem mit nicht unerheblichen handwerklichen Mängeln zu kämpfen hatte.

 

The Purge: Anarchy geht nun einen Schritt weiter und projiziert seine gesellschaftskritische Botschaft in einem deutlich größeren Radius, weg von einer einzigen Familie, die in der Purge-Night in ihrem Haus von einer marodierenden Bande terrorisiert wird hin zu den Straßen von L.A. ein Jahr später in eben dieser Nacht mit zahlreichen umherstreifenden Gruppierungen jeglicher Art, die nur eines im Sinn haben, nämlich all das hemmungslos auszuleben, was die moderne Gesellschaft mit ihrem Rechtssystem sonst nicht zulässt: Anarchie auf ganzer Linie. The Purge: Anarchy lehnt sich also stilistisch deutlich weniger bis gar nicht mehr am klassischen Home-Invasion-Thriller a la Panic Room, The Last House on the Left oder Straw Dogs an, sondern zitiert vielmehr Filme wie Die Klapperschlange oder Assault-Anschlag bei Nacht von John Carpenter sowie The Wanderers von Philip Kaufman, Filme also, die den Terror auf offene und verlassene Straßen ausdehnen, auf unbekanntes Terrain, der Heimvorteil für die Opfer ist dahin.

 

Leider krankt The Purge: Anarchy an ähnlichen Problemen wie sein Vorgänger, die Umsetzung und Inszenierung sind zwar etwas besser geraten, aber das Potential der Grundidee wird immer noch nicht annähernd ausgeschöpft. Die Charaktere sind extrem stereotyp aufgebaut und kommen direkt vom Reißbrett, sie sind flach, eindimensional und voller Klischees und ermöglichen wenig bis gar keine Identifikation, es wird dem Zuschauer kein Grund geboten an ihrem Schicksal zu antizipieren, sie bleiben einfach belanglos und egal. Schauspielerisch hat der Film auch nicht viel zu bieten, nur Frank Grillo als der mysteriöse Sergeant sticht ein wenig hervor, ist aber dennoch auch nur ein Klischee auf zwei Beinen. Würde aber Grillo nicht schon Brock Rumlow/Crossbones im Marvel-Universum spielen, er gäbe einen wunderbaren Punisher ab. The Purge: Anarchy ist immer noch zu zahm inszeniert, der Härtegrad hat zwar im Vergleich zum Vorgänger ein wenig angezogen, erreicht aber bei weitem noch nicht das Level, das die Story eigentlich verdient hätte. Auch ist der Film schmutziger und gemeiner, aber auch hier ist noch deutlich Luft nach oben. Als besonders unangenehm fällt der massive Gebrauch von CGI-Blut und Blutspritzern auf, das raubt viel an Atmosphäre, handgemachte Spezialeffekte hätten auch im Kontext des Films sehr viel mehr Sinn ergeben.

 

Letztlich sind sowohl die Ausarbeitung der Story, die Inszenierung und die Zeichnung der Charakter einfach viel zu schwach, um einen wirklich guten Film aus The Purge: Anarchy zu machen, obwohl die Grundidee durchaus interessant ist und Potential hat. Außerdem will der Film Hypersatire und relevante Gesellschaftskritik sein, Amerika wohl möglich einen Spiegel vorhalten, doch dafür kommen seine Kernaussagen viel zu flach und stumpf und vor allem mit dem Holzhammer dosiert daher, über die Schlagwort-Problematiken Kriminalitätsrate, Arbeitslosigkeit, Armut und Waffenbesitz kommt das Drehbuch zu keiner Sekunde hinaus und sämtliche aufkeimenden kritischen Ansätze verpuffen in der plumpen und ungelenken Umsetzung. Dennoch ist eine Steigerung im Vergleich zum Vorgänger erkennbar und vielleicht wird ein dritter Teil noch mehr in die richtige Richtung gehen können, aber es ist auch zu befürchten, dass man jetzt aufgrund der gegebenen Erfolgsformel niedrige Produktionskosten und starke Einspielergebnisse einfach nur ein weiteres billig produziertes und zahlreiche Ableger nach sich ziehendes The Purge-Franchise aufziehen wird.

 

5 von 10 Schüssen in einer gesetzlosen Nacht