The Villainess (2017)

7. Februar 2018 at 0:08

 

 

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Als die junge Sook-hee quasi im Alleingang den Mörder ihres Gangster-Vaters und dessen gesamte Gang brutal ermordet und anschließend von der Polizei festgenommen wird, lenkt das die Aufmerksamkeit des Geheimdienstes auf sie. Der Deal: sie soll zehn Jahre ihres Leben widmen, sich zur Killerin ausbilden lassen und alle Aufträge übernehmen, die ihr angeboten werden. Im Gegenzug wäre sie danach frei und hätte für den Rest ihres Lebens ausgesorgt. Sook-hee willigt schließlich ein, doch schon bald zeigt sich, dass das alles nicht ganz so einfach ist wie angenommen.

 

Puh. Also die ersten rund zehn Minuten hauen gleich mal in allerfeinster Action-Manier voll rein und brechen reichlich Knochen was das Zeug hält. Geöffnete Arterien inklusive. Das Tempo in der eröffnenden Actionsequenz ist irre hoch und so manchen feinen technischen Kniff hat dieser Quasi-One-Take zu bieten. Die Kamera ist geradezu entfesselt, scheint sich mehr oder weniger frei und losgelöst beinahe tänzerisch durch den Raum zu bewegen und ist doch immer ganz nah am Geschehen. Das erzeugt eine enorme Dynamik innerhalb dieser Auftaktsequenz, kann allerdings ebenso für Konfusion sorgen. Die teils atemlosen Actionsquenzen sind letztlich auch die wesentliche Stärke von The Villainess, doch unter dieser schlagkräftigen Oberfläche offenbart sich nach und nach ein melodramatisches Herz.

 

Auch wenn die Geschichte selbst recht deutlich Anleihen an Nikita (Luc Besson, 1990) nimmt, gewinnt sie im Verlauf immer mehr an Emotionalität, wenn sich nach und nach ein immer dichter werdendes Netz aus Liebe, Verrat, Betrug, Intrigen und Täuschungen aus dem Dunkeln heraus schält und die erzählerische Dramaturgie mit mehr und mehr Rückblenden die eigentliche Tragik dieser zunächst doch so simpel erscheinenden Story offenbart. Allerdings macht es der Film einem nicht besonders leicht, wenn seine Rückblenden meist recht unvermittelt über den Zuschauer herein brechen und für Desorientierung  und Verwirrung sorgen können. Ein wenig gewöhnungsbedürftig ist das anfangs schon und ich musste den Film dann auch ein zweites Mal schauen, um alles wirklich zu durchschauen. Auf der inhaltlichen Ebene mag das nichts herausragendes sein, mag The Villainess seinem Genre nichts nennenswertes hinzu fügen, doch die virtuose Inszenierung von Jung Byung-Gil glänzt dafür umso mehr.

 

Dramaturgisch ausgewogen ist sein Film dadurch nun nicht unbedingt, seine visuellen Qualitäten und einfallsreichen Ideen sind dafür umso bemerkenswerter und die Action fetzt gewaltig. So bleibt letztlich ein inhaltlich eher konventioneller Actionfilm, welcher stilistisch jedoch erstaunlich originelle Punkte zu setzen vermag, einfallsreiche Szenen zu bieten hat und nach und nach immer mehr Emotionalität aufbaut.

 

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