The Void

20. Mai 2017 at 11:14

  © Screen Media Films

 

 

„You’d be surprised at the things you find when you go looking…“

 

 

 

Als der Cop Daniel Carter bei einer seiner nächtlichen Streifenfahrten einen schwer verletzten Mann am Straßenrand entdeckt, bringt er diesen sofort in die Notaufnahme des örtlichen Krankenhauses, welches nach einem Brand nur noch von einer Rumpfbesetzung betrieben wird. Doch schon bald nach seiner Ankunft geschehen mysteriöse Dinge und schnell sieht sich die handvoll Menschen im Hospital von seltsam maskierten und bewaffneten Fremden belagert, die jede Flucht verhindern. Aber die eigentliche Gefahr droht nicht von außen…

 

Das kanadische Filmkollektiv Astron-6 hat sich seit 2007 in gewissen Liebhaberkreisen mit Filmen wie beispielsweise Father´s Day durchaus einen Namen gemacht als Troma-artige Filmschmiede – sehr schmales Budget, aber gute Ideen und Spaß am abseitigen Nischendasein. Für The Void jedoch agieren Jeremy Gillespie und Steven Kostanski losgelöst vom Kollektiv und bringen ihre ganz eigene, crowdfunding-finanzierte Hommage an das Horror -und Thrillerkino eines frühen John Carpenter oder eines Stuart Gordon auf die Leinwand, vermengen das Ganze mit einer ordentlichen Prise H.P. Lovecraft in Gestalt seines Cthulhu-Mythos und verzichten nahezu völlig auf den augenzwinkernden Humor vorheriger Astron-6-Filme. Ja, die filmischen Bezüge sind größtenteils offensichtlich, aber sie zeugen auch von einer großen Liebe zu ihnen und der damaligen Effektarbeit, denn an Schleim, Gekröse, Kunstblut und Latex mangelt es auf keinen Fall, wenn es ans Eingemachte geht. Werke wie Hellraiser, The Thing, Assault, The Fly oder From Beyond schießen einem hier durch den Kopf – zumindest auf der visuellen Ebene. Denn auf der erzählerischen Ebene kann sich The Void kaum von ausgetretenen Pfaden losreißen und greift immer wieder nur allzu bekannte Motive auf, wenn die Struktur des Filmes in Formelhaftigkeit verfällt und zu starr ausfällt. Aber das kann ich verkraften, wenn zumindest Atmosphäre und Effekte stimmig sind, und hier kann The Void definitiv punkten. Die Effekte sind herrlich altmodisch, handgemacht und oft auch erstaunlich kreativ inszeniert, CGI sucht man hier vergeblich und die Stimmung ist im ausreichenden Maß klaustrophobisch und von Paranoia durchzogen, nur um im Finale in flackernde Absurdität zu kippen. Und das meine ich positiv. In den letzten rund 20 Minuten fährt der Film nochmal richtig dick auf und schmeißt all seine Qualitäten in die Waagschale, feuert aus allen Rohren, gibt sich gänzlich Lovecraft-artigen Fieberträumen hin und eskaliert im Irrsinn.

 

So erschaffen Jeremy Gillespie und Steven Kostanski einen stimmungsvollen und atmosphärischen Film, der sich irgendwo zwischen Terrorkino, Body Horror und Okkultismus-Thriller positioniert und mit wunderbar schmierig schleimigen und vor allem handgemachten Spezialeffekten glänzen kann, gleichzeitig aber auch mit einer schwachen Story, genreüblichen Klischees und blassen wie eindimensionalen Figuren zu kämpfen hat. The Void erfindet nichts neu, fügt seinem Genre nichts hinzu und funktioniert erzählerisch nur bedingt, weiß aber auf der visuellen Ebene dafür umso mehr zu überzeugen und gerade die wirklich toll aussehenden Ekeleffekte sind eine angenehme Abwechslung zum sonstigen CGI-Einerlei. Low Budget muss eben nicht immer auch gleich billig bedeuten.

 

6,5 von 10 schleimigen Tentakelmonstern aus der Hölle