Tusk

9. September 2015 at 15:44

 

 

 

Tusk (2014)
Tusk poster Rating: 5.4/10 (23953 votes)
Director: Kevin Smith
Writer: Kevin Smith
Stars: Michael Parks, Justin Long, Genesis Rodriguez, Haley Joel Osment
Runtime: 102 min
Rated: R
Genre: Comedy, Drama, Horror
Released: 19 Sep 2014
Plot: When podcaster Wallace Bryton goes missing in the backwoods of Manitoba while interviewing a mysterious seafarer named Howard Howe, his best friend Teddy and girlfriend Allison team with an ex-cop to look for him.

 

 

 

„The walrus is far more evolved than any man I’ve ever known. Present company included.“

 

 

 

Wallace Bryton ist für seinen Podcast The Not-See Party (Anspielung und Anlass für den einen oder anderen Nazi-Witz), den er zusammen mit seinem Freund Teddy Craft betreibt, überall in den USA und in Kanada unterwegs, um vermeintliche Internetphänomene und deren 15 Minuten Ruhm aufzuspüren und zu interviewen. Natürlich nicht, ohne sich über sie lustig zu machen. Weil sich sein nächster Interviewpartner, das legendäre Kill Bill Kid (ein Teenie, der sich in der Garage seiner Eltern vor laufender Kamera beim Hantieren mit einem Katana versehentlich ein Bein abtrennt), dummerweise kurz vorher das Leben nimmt, hängt Bryton jetzt in Kanada fest. Er ist allerdings nicht gewillt, ohne eine brauchbare Story heimzukehren, und als er eher zufällig auf einen Aushang aufmerksam wird, in dem ein alter Seemann freie Kost und Logis in seinem Haus verspricht, wenn im Gegenzug anfallende häusliche Arbeiten verrichtet werden, ist sein Interesse geweckt. Obendrein verspricht der Mann spannende Geschichten aus seinem Leben auf See. Auch mit dem Gedanken im Hinterkopf, sich dann kein Hotelzimmer nehmen zu müssen, ruft Bryton den Mann kurzerhand an und so macht er sich schließlich auf den Weg zu dem abgelegenen Haus, nicht ahnend, welch Schrecken ihn dort erwarten wird, denn sein Gastgeber ist besessen von der Idee, einen Menschen operativ in ein Walross zu verwandeln….

 

Jep…ihr habt richtig gelesen. Ein Walross. Die Ausgangslage des neuesten Films vom ehemaligen Regiewunderkind Kevin Smith ( Clerks, Mallrats, Dogma, Jay und Silent Bob in allen möglichen Variationen) liest sich nicht nur so, sie ist auch völlig absurd, und ebenso verrückt wie verstörend. Ob sich das Drehbuch als bewusste Anspielung auf die Human Centipede-Reihe (die ich nicht gesehen habe) versteht, vermag ich nicht zu sagen, gewisse Parallelen im Plot lassen sich jedoch nicht leugnen. Die Herangehensweise scheint mir jedoch ein gänzlich andere, ist Tusk doch zumindest bemüht, sich irgendwo zwischen Horrorkomödie und Groteske anzusiedeln, wohingegen die Human Centipede-Filme dem Vernehmen nach doch eher humorlos ans Werk gehen. Leider wirkt Tusk seltsam zerfasert und Smith scheint sich nicht so richtig entscheiden zu können, ob er nun eine völlig abgedrehte Komödie voller schwarzem Humor machen wollte, oder doch lieber psychologischen Horror. Ständig pendelt der Film zwischen durchaus ansehnlich bedrohlicher Atmosphäre und grotesken Absurditäten und gerade im letzten Drittel kippt dann alles einfach komplett ins gänzlich Bizarre. Wirklich gelungen ist das nicht immer, zumal ausschweifende Dialoge im Mittelteil den Film künstlich in die Länge ziehen und einzulullen beginnen. Smith überschüttet den Zuschauer hier regelrecht mit einem Flickenteppich aus Anspielungen, Zitaten und Querverweisen aus Film, Literatur und Musik, so dass schon bald das Interesse an der Geschichte auf der Strecke bleibt. Repetive Rückblenden und ein allenfalls notdürftig mit eingewobener Subplot blasen die eigentlich bizarr-interessante Ausgangslage so lange auf, bis die Blase platzt und nicht mehr viel davon übrig bleibt außer Langeweile. Als knackig inszenierter Kurzfilm mit einem leicht verlagerten Schwerpunkt würde Tusk vermutlich deutlich besser funktionieren. So aber bleibt die Idee letztlich größer als ihre Umsetzung und ab einem gewissen Punkt hat sich diese Idee schlicht und ergreifend verbraucht. Selbst der gut spielende Michael Parks als walrossbesessener Seemann kann im grotesken und geradezu lächerlichen Finale nichts mehr aus dem Stoff herausholen. Justin Long in der Opferrolle vermag seinem Schrecken kaum Ausdruck zu verleihen, und da sein Wallace Bryton ohnehin als arrogantes Hipster-Arschloch angelegt ist, verpufft schnell jegliches Mitleid mit seinem Schicksal. Der völlig exzentrische Gastauftritt von Johnny Depp als kaum wiederzuerkennender kanadischer Detektiv Guy Lapointe (soviel Spoiler muss sein) versprüht zunächst auch einen gewissen Reiz, und wäre das lediglich ein Cameo, würde es sogar funktionieren, doch dummerweise reißt der Mann beinahe das ganze letzte Drittel des Films an sich und wird schnell unerträglich.

 

Die grundlegende Idee von Tusk hat wegen ihrer hemmungslos ausufernden Absurdität einen gewissen Reiz, der jedoch schnell verpufft und einen Spielfilm kaum tragen kann. Eine handvoll Gags sind ganz gut platziert und funktionieren sogar, die meisten jedoch nicht. Die Spezialeffekte wirken (bewusst? Ich bin mir da nicht sicher…) billig und dadurch oft lächerlich. Als drastisch herunter gebrochener Kurzfilm könnte das Konzept vielleicht besser funktionieren, so aber holt Kevin Smith leider zu wenig heraus aus seiner Idee und streckt sie mit unnötigem Füllmaterial. Nach Filmen wie Cop Out und Red State leitet auch Tusk leider keinen erkennbaren Aufwärtstrend im Schaffen des einst gefeierten Independent-Regisseurs ein.

 

4 von 10 köstlichen Tassen Tee