Uncut Gems (2019)

2. Februar 2020 at 17:01

 

 

© A24/Netflix/Quelle: IMDb

 

 

 

Made a crazy risk. You gamble and it’s – about to pay off.“

 

 

 

Howard Ratner ist Juwelier im New Yorker Diamond District und steht konstant unter Strom. Hier ein Deal, dort eine Wette, immer auf der Suche dem großen Geld und überall in der Stadt Schulden. Ein ganz großes Geschäft soll ihn auf einen Schlag sanieren, doch als die Dinge plötzlich anfangen schief zu laufen, da verliert Howard zunehmend die Kontrolle über sein Leben.

 

Die beiden Brüder Josh und Benny Safdie bleiben mit Uncut Gems ihrem bisherigen Stil der Inszenierung treu, wenn ihr neuester Film ähnlich wie sein Vorgänger Good Time (2017) immerzu in Bewegung bleibt und keinen Stillstand bietet, rasant getaktet keine Ruhepause gönnt und eine enorme Dringlichkeit aufzubauen vermag. Erneut entfesseln sie eine geradezu rauschhafte Spirale immerwährender Eskalation und erneut endet alles mit einem Knall. Eine gnadenlose Kette falscher Entscheidungen wird in Gang gesetzt, wenn jede weitere Entscheidung, jede neue Idee von Howard Ratner bloß noch schlechter und risikoreicher ist als die davor. Der notorische Zocker ist regelrecht triebgesteuert und wettet bloß noch um des Wetten willens. Gewinn und Verlust, Sieg und Niederlage, die Wechselwirkung aus beidem, dieser fiebrige Rausch, das ist es, was ihn antreibt. Dabei hält er sich für einen Big Player, ist aber eigentlich eher bemitleidenswert, verkackt er doch immerzu seine Deals, übernimmt sich immer wieder und kann nicht einmal sein Familienleben zusammenhalten.

 

Auf der inszenatorischen Ebene ist Uncut Gems geradezu meisterhaft geraten und ist das eindrucksvoll virtuose Ergebnis einer perfekten Symbiose aus Schnitt, Kamera, Score, Sounddesign, Regie und Schauspiel. Wie alle Puzzleteile hier nahtlos fließend ineinander greifen, das ist wahrlich formvollendet. Die tänzelnd flirrende Kamera von Darius Khondji (Seven, Too Old to Die Young, The Beach), der fiebrig pulsierende Score abermals aus der Feder des Experimental-Elektrokünstlers Oneohtrix Point Never (Daniel Lopatin), die grandiose schauspielerische Leistung von Adam Sandler (The Meyerowitz Stories, Punch Drunk Love, Anger Management), all das fügt sich perfekt zusammen, nimmt den Zuschauer von Beginn an gefangen und versetzt ihn in hektisch atemlose Anspannung. Das mag manchmal anstrengend sein, stellenweise vielleicht sogar überfordern, aber es kann auch ungemein lohnenswert sein, sich all dem auszusetzen. Bereits Good Time war grandioses Kino und hatte alle Zutaten, welche nun Uncut Gems ähnlich großartig machen. Von den Safdie-Brüdern werden wir noch viel hören.

 

8,5 von 10 mit Diamanten besetzte Furbys aus Gold