A Cure for Wellness

25. November 2017 at 17:51

 

 

© 20th Century Fox

 

 

 

„Do you know what the cure for the human condition is? Disease. Because that’s the only way one could hope for a cure.“

 

 

 

Der junge, aufstrebende und ehrgeizige Banker Lockhart erhält von seinen Bossen den dringlichen Auftrag, den Vorstandsvorsitzenden Pembroke aus einem Sanatorium in der Schweiz zurück nach New York zu holen, denn dessen Unterschrift wird für einen wichtigen Geschäftsabschluss benötigt. Dort angekommen, lässt man ihn zunächst nicht zu ihm und ein Autounfall auf der Rückfahrt ins Hotel zwingt Lockhart letztlich zu einem längeren Aufenthalt im Volmer Institut. Als sich dort diverse Merkwürdigkeiten häufen, versucht er, diesen auf den Grund zu gehen und Pembroke ausfindig zu machen, doch je weiter er nachforscht, desto rätselhafter werden die Ereignisse.

 

Bei dem Namen Gore Verbinski schießen einem zunächst Blockbuster-Titel wie die Fluch der Karibik-Reihe, Lone Ranger oder das Remake des Japan-Horror-Klassikers Ringu durch den Kopf, doch der Regisseur hat bereits mehr als einmal bewiesen, dass er mehr kann als massentaugliche Unterhaltung. Allein sein Animationsfilm Rango dekonstruiert ungemein clever die klassischen Archetypen des Westerngenres und einen leichten Hang zu visueller Extravaganz hatte Verbinski ja auch schon immer. Um so schöner, dass er diesen Hang nun mit A Cure for Wellness hemmungslos ausleben darf und auf der visuellen Ebene herrlich am Rad drehen kann. Sein Film ist geradezu beseelt von der schier unbändigen Lust am visuellen Experiment und Ideen hat Verbinski reichlich: allein die Art, wie er die anfängliche Zugfahrt in der Schweiz inszeniert, ist wunderschön anzusehen. Auch das alte Schloss, welches nun zum Sanatorium umfunktioniert wurde, wird wunderbar entrückt und geradezu märchenhaft von bezaubernden Bildern eingefangen. Doch mit der Ankunft von Lockhart im Volmer Institut wird relativ schnell deutlich, dass die Idylle innerhalb dieser Heilanstalt Risse hat, dass sie brüchig ist und vielleicht nicht alles so rosig ist wie es den Anschein hat. Der Zuschauer bemerkt sie schnell, all die winzigen Unstimmigkeiten, die eingestreuten Seltsamkeiten, die nuancierten Blicke und schiefen Gesichtsausdrücke, doch Lockhart selbst hingegen zunächst nicht, hängt er doch anfangs noch viel zu verbissen an seinem Auftrag fest, Pembroke zurück nach New York zu bringen. Doch kippt erst einmal im weiteren Verlauf die Oberfläche und offenbart das Sanatorium weitere Seltsamkeiten, welche dann auch Lockhart nicht mehr ignorieren kann, dann wandelt er selbst sich auch weg von seiner arroganten Wall Street-Attitüde.

 

© 20th Century Fox

 

Man muss es sagen: visuell ist A Cure for Wellness eine absolute Pracht und schenkt uns zum Teil unglaublich schöne Bilder. Die verschiedenen Sets sind voller faszinierender Details und abwechslungsreich gestaltet, da lässt sich sehr viel entdecken. Die Bildsprache ist ausladend und opulent, die Farbgebung entsättigt, wenn oft blau und grau dominieren, ganz so, als läge alles unter einem dünnen, kränklichen Schleier. Das Setting des Sanatoriums ist ein dankbares, aber Verbinski lässt es dazu noch seltsam zeitlos und nostalgisch erscheinen und vermischt verschiedenste Elemente aus Steam Punk, Horror und Gothic Romance zu einem ganz speziellen Gemisch. All das ist unglaublich stilvoll und sorgfältig arrangiert und nichts ist dem Zufall überlassen. A Cure for Wellness beginnt so gut, dass ich lange dachte: was da alles wohl noch auf mich zu kommen mag? Doch leider vermag die zweite Hälfte des Filmes das Niveau des wirklich starken Einstieges nicht mehr zu halten. Etwa zur Hälfte kippt A Cure for Wellness plötzlich ins Belanglose, ins Bekannte, ins wenig Schleierhafte. Das so sorgfältig aufgebaute Versprechen auf  das große Rätselhafte kann letztlich nicht eingelöst werden. Der Film baut ein Mysterium auf, wo gar keines ist, denn leider Gottes ist schon viel zu früh klar, wo lang der Hase läuft und gegen Ende macht man sich dann noch nicht einmal mehr die Mühe, davon abzulenken. Die Überraschungen bleiben aus und was so herrlich mysteriös und geheimnisvoll begann, das wird im weiteren Verlauf immer konventioneller und mündet in einem erstaunlich vorhersehbaren und geradlinigen Finale, welches all der sorgfältigen Finesse des vorangegangenen Aufbaus kaum noch bis gar nicht mehr das Wasser reichen kann.

 

Letztlich bin ich dann auch ein wenig enttäuscht von A Cure for Wellness, wenn sich die erste Hälfte als so gelungen und fesselnd entpuppt, das Niveau aber nicht gehalten werden kann und der Film schließlich in nur allzu bekannte Genre-Gefilde abdriftet.  So viel wird versprochen, so wenig eingelöst. Der Zauberberg von Thomas Mann ist ein offensichtlicher Bezugspunkt, Shutter Island von Martin Scorsese auch sowie die Ästhetik diverser britischer Horrorfilme der 60er und 70er Jahre, und visuell ist A Cure for Wellness zweifellos aller feinste Kost, aber schlussendlich kann die Geschichte selbst da nicht mithalten und ist zu simpel geraten. Zuviel lässt sich zu früh erahnen und ein richtiger Twist wird auch nicht geboten, wenn final dann doch alles eben genauso ist, wie man es sich zuvor bereits ausgemalt hat. Schade.

 

6,5 von 10 merkwürdigen Heilmethoden