Calibre (2018)

28. Juli 2018 at 14:25

 

 

© Netflix/Quelle:IMDb

 

 

 

Die beiden langjährigen Freunde Marcus und Vaughn unternehmen einen Wochenendtrip in ein abgelegenes Dorf in den schottischen Highlands, um dort jagen zu gehen. Als es dann zu einem tragischen wie schrecklichen Unfall kommt und die beiden Jungs versuchen, alles zu vertuschen, da spitzt sich die Lage für sie immer weiter zu.

 

Calibre ist das Debüt des schottischen Regisseurs Matt Palmer und ein wahrlich garstiger kleiner Thriller vor der Kulisse abgelegener Wälder im tiefsten Schottland. Filme wie Eden Lake oder Straw Dogs und zumindest anfangs noch generell Backwood-Slasher kommen einem da kurz in den Sinn, doch findet Calibre schnell seinen ganz eigenen Weg und schlägt eine andere Richtung ein. Palmer baut eine authentische Druckkulisse auf, erschafft ordentlich Atmosphäre und zeichnet eine starke Spannungskurve, lässt sich dabei aber reichlich Zeit und steigert aus einer Kombination aus einem tragischen Unfall und vermeidbaren Leichtsinn heraus zusehends eine Spirale der Eskalation. Dazu ist sein Film erstaunlich frei von sonst eher gängigen Klischees und auf angenehme Art nicht allzu plakativ geraten, wenn dem geneigten Zuschauer keineswegs die sonst übliche Ansammlung an irren wie degenerierten Hinterwäldlern präsentiert wird, sondern vielmehr ein sehr kleiner und vertrauter Kreis von Dorfgemeinschaft, der Fremden gegenüber zwar erst einmal mit gesundem Argwohn reagiert, grundsätzlich aber freundlich und offen erscheint. Gerade der in seiner Gemeinde einflussreiche Logan gibt lange die Stimme der Vernunft und ist selbst in der bitteren Erkenntnis der Ereignisse immer noch um Deeskalation bemüht in dem Versuch, eine Lösung zu für alle Beteiligten zu finden. Letztlich aber muss eine wirklich unangenehme Entscheidung getroffen werden, um Wiedergutmachung zu leisten und die Ereignisse münden in einer hässlichen kleinen Wendung und einem intensiven Finale. Calibre ist eine angenehme Überraschung innerhalb eines sonst eher formelhaften Genre und insgesamt angenehm klischeefrei und bodenständig. Wirklich eine kleine Perle und sehr empfehlenswert.

 

7 von 10 Pints zu viel