Ghostland (2018)

25. August 2018 at 11:31

 

 

© 5656 Films/Mars Films/Logical Pictures/Inferno Pictures/Radar Films/Quelle: IMDb

 

 

 

Irgendwo in einer ländlichen Einöde bezieht Colleen gerade mit ihren zwei pubertierenden Töchtern Beth und Vera das alte Haus ihrer verstorbenen Tante, als sie von zwei Fremden brutal überfallen werden und nur durch den Löwenmut der Mutter überleben. Doch dieses einschneidende Ereignis hinterlässt tiefe Spuren bei den drei Frauen und führt 16 Jahre später zu einem Wiedersehen unter merkwürdigen Umständen.

 

Ein Film wie Martyrs kann auch zu einem schweren Päckchen werden, wenn der Regisseur fortan immerzu daran gemessen wird. Ist Pascal Laugier nun also One-Hit-Wonder oder doch die Hoffnung des Horrorfilms? Vor zehn Jahren jedenfalls drehte er Martyrs und erschuf damit quasi aus dem Nichts heraus einen modernen Klassiker des Genres, ein extremes wie radikales, brachiales und wegweisendes Monstrum von Film, an dem sich auch heute noch alles, was auch nur ansatzweise in Richtung Terrorkino schielt, messen lassen muss. Und auch sein nunmehr vierter Film Ghostland muss sich diesen Vergleich gefallen lassen, welchen Laugier irgendwo zwischen H.P. Lovecraft und Stephen King, zwischen Home Invasion und Haunted House, zwischen surrealem Albtraum und kompromissloser Härte ansiedelt. Zudem verzichtet er hier auf das Spiel mit psychologischen Feinheiten und moralischen Ambivalenzen, gibt sich viel lieber voll und ganz dem Terror hin und inszeniert ein selbstbewusst strukturiertes Katz-und-Maus-Spiel in begrenztem Setting.

 

Das alles mag nicht sonderlich innovativ oder gar Genre-Neuland sein und bedient sich auch immer wieder abgegriffener Klischees, aber wenn Laugier seinen Terror erst einmal richtig entfesselt, dann auf einem schweißtreibendem Level, denn er weiß sehr genau, was er da tut und welche Knöpfe er drücken muss. In seinen besten und stärksten Momenten ist Ghostland hart, intensiv, ausweglos und im besten Sinne Terrorkino pur, das auch deswegen funktioniert, weil es so unbestimmt und gleichermaßen zielgerichtet daher kommt. Leider kann der Film dieses Niveau nicht immer aufrecht halten und gerade im Mittelteil geht ein wenig das Tempo verloren und die Inszenierung verlässt sich etwas zu sehr auf diverse altbekannte Klischees und belanglose Jump-Scares. Doch dafür dreht Laugier dann nach einem nicht uninteressanten Twist im letzten Drittel nochmal so richtig auf und fährt all sein inszenatorisches Können auf. Zwar hält er sich in puncto grafischer Gewalt eher zurück, doch sollte man den Härtegrad von Ghostland trotz der Freigabe ab 16 Jahren keineswegs unterschätzen: so kraftvoll, vehement und mitunter schwer zu ertragen wie hier die Gewalt über die Protagonisten herein bricht, das sieht man nicht oft in den eher dem Mainstream zugewandten Ausläufern des Horror-Genres, welche oftmals das Kino fluten. Die wirklich schockierenden Abgründe von Martyrs mag Ghostland zwar zu keinem Moment erreichen, sehenswertes Genrekino aber ist das allemal.

 

7 von 10 furchterregenden Spielzimmern