Headshot

23. Juli 2017 at 14:16

 

 

© Vertical Entertainment

 

 

 

Als ein junger Mann mit einer Schussverletzung am Kopf am Strand angespült wird, nimmt sich die junge Ärztin Ailin dessen an und pflegt ihn gesund. Ishmail nennt sie den Unbekannten, der sich scheinbar nicht an seine Vergangenheit zu erinnern vermag. Was beide nicht ahnen: schon bald heften sich brutale Killer an die Fersen von Ishmail, denn dieser hat eine durchaus bewegte kriminelle Vergangenheit in der Organisation des Unterweltbosses Lee. Als dessen Schergen Ailin entführen, begibt sich Ishmail auf einen gnadenlosen Rachefeldzug.

 

Wer sich auch nur ein wenig im Actiongenre auskennt, dem dürfte spätestens seit dem indonesischen Knaller The Raid der Name Iko Uwais ein Begriff sein. Dieser meldet sich nun auch hierzulande mit dem in seiner Heimat Indonesien bereits Ende 2016 erschienenen Headshot erneut eindrucksvoll zurück. Unter der Regie von Kimo Stamboel und Timo Tjahjanto – in Genrekreisen besser geläufig als die Mo Brothers und bekannt für allerhand kranke Ideen, was ihre Filme Macabre und Killers bestens beweisen – darf das Martial Arts-Ausnahmetalent erneut seine unbändigen Fähigkeiten zur Schau stellen. Headshot erreicht zwar nicht das sehr hohe Niveau von The Raid und dessen Fortsetzung The Raid 2: Berandal, ist aber immer noch ein sehr gut inszenierter und stellenweise überharter Actionfilm, der mühelos rund 90 % der Genrevertreter aus Hollywood ziemlich alt aussehen lässt. Die Martial Arts-Sequenzen sind auf extreme Körperlichkeit ausgelegt, krachend effizient umgesetzt und von expliziter Brutalität geprägt. Zwar lässt Headshot trotz Iko Uwais, der auch für die Choreografien der Kampfszenen verantwortlich war, die ausgefeilte Rafinesse und Virtuosität von The Raid und vor allem dessen Nachfolger vermissen, aber gerade für The Raid 2: Berandal zum Beispiel wurde so manche Sequenz aufgrund ihrer Komplexität annähernd zwei Jahre lang geprobt und einstudiert. Für Headshot gab es solche Möglichkeiten nicht und folglich dominiert hier eindeutig Martial über Arts: die Kampfszenen haben nichts Elegantes, nicht Verspieltes oder gar Tänzerisches, sondern sind roh, explosiv und schmerzhaft anzusehen, jede einzelne Bewegung scheint ausgelegt zu sein auf maximale Effektivität und Zerstörung. Darüber hinaus ist so manche Actionszene durchaus kreativ umgesetzt und hat Momente zu bieten, die erfrischend innovativ wirken. Zuweilen allerdings nimmt die zum Teil absurde bis groteske Gewalt geradezu Cronenbergsche Züge an und steht mitunter dem Body Horror näher als dem klassischen Actionfilm. Ganz ähnlich wie bereits The Raid verlässt sich Headshot in seinem Handlungsbogen auch voll und ganz auf eine stark ausgeprägte videospielartige Struktur inklusive stufenweisem Aufsteigen, Zwischengegnern mit wachsender Stärke und dem finalen Kampf gegen den Endboss. Die dramatischen Handlungselemente und vor allem auch die kurzen romantischen Momente darf man dabei getrost vergessen, wirken sie doch oft arg hölzern, auch weil Iko Uwais dafür dann doch schauspielerisches Können fehlt. Das macht aber nichts, fallen diese doch spätestens mit der zweiten Hälfte von Headshot unter den Tisch und werden zu Gunsten von scheinbar endlos aneinander gereihten wie spektakulären Kampfszenen geopfert.

 

Um es kurz zu machen: Headshot erreicht zwar nie die schwindelerregenden Qualitäten eines The Raid oder gar The Raid 2: Berandal, ist aber dennoch für Fans des Genres eine unbedingte Empfehlung. Statt der enormen Virtuosität in den Kampfszenen setzen die Mo Brothers lieber auf rohe wie explosive Gewalt, vollkommen auf Zerstörung ausgerichtet, deren bloßes Anschauen schon schmerzhaft ist. Sollte man mal gesehen haben.

 

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