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Meine zehn Lieblingsfilme der Coen-Brüder

14. Februar 2015 at 14:51

 

 

Heute mal wieder eine kleine Liste. Eine Liste, die sich dieses Mal nicht auf ein bestimmtes Genre bezieht, sondern auf das Werk zweier Regisseure, deren Filme ich grundsätzlich sehr, sehr schätze, sind sie doch sehr schräge Geschichtenerzähler weit abseits des Hollywood-Mainstreams. Die Filme der Coen-Brüder sind bevölkert von lauter schrägen Figuren, Außenseiter und Gestrauchelte, liebenswerten Versagern und verirrten Suchenden, sie sind voller skurriler Momente und einem so eigenen schwarzen Humor, den tatsächlich nur sie in dieser besonderen Art beherrschen. Aus diesen und noch aus vielen anderen gründen zählen die beiden zu meinen absoluten Lieblingsregisseuren, weshalb ich ihnen diese Liste widme.

 

 

 

 

10.

Barton Fink (1991)
Barton Fink poster Rating: 7.7/10 (77,197 votes)
Director: Joel Coen, Ethan Coen
Writer: Joel Coen, Ethan Coen
Stars: John Turturro, John Goodman, Judy Davis, Michael Lerner
Runtime: 116 min
Rated: R
Genre: Drama, Mystery
Released: 21 Aug 1991
Plot: A renowned New York playwright is enticed to California to write for the movies and discovers the hellish truth of Hollywood.

 

 

 

9.

The Man Who Wasn't There (2001)
The Man Who Wasn't There poster Rating: 7.6/10 (77,017 votes)
Director: Joel Coen, Ethan Coen
Writer: Joel Coen, Ethan Coen
Stars: Billy Bob Thornton, Frances McDormand, Michael Badalucco, James Gandolfini
Runtime: 116 min
Rated: R
Genre: Crime, Drama
Released: 26 Oct 2001
Plot: A laconic, chain-smoking barber blackmails his wife's boss and lover for money to invest in dry cleaning, but his plan goes terribly wrong.

 

 

 

8.

Fargo (1996)
Fargo poster Rating: 8.2/10 (363,010 votes)
Director: Joel Coen, Ethan Coen
Writer: Ethan Coen, Joel Coen
Stars: William H. Macy, Steve Buscemi, Peter Stormare, Kristin Rudrüd
Runtime: 98 min
Rated: R
Genre: Crime, Drama, Thriller
Released: 05 Apr 1996
Plot: Jerry Lundegaard's inept crime falls apart due to his and his henchmen's bungling and the persistent police work of the quite pregnant Marge Gunderson.

 

 

 

7.

Burn After Reading (2008)
Burn After Reading poster Rating: 7.0/10 (217,220 votes)
Director: Ethan Coen, Joel Coen
Writer: Joel Coen, Ethan Coen
Stars: George Clooney, Frances McDormand, Brad Pitt, John Malkovich
Runtime: 96 min
Rated: R
Genre: Comedy, Crime, Drama
Released: 12 Sep 2008
Plot: A disk containing the memoirs of a CIA agent ends up in the hands of two unscrupulous gym employees who attempt to sell it.

 

 

 

6.

Miller's Crossing (1990)
Miller's Crossing poster Rating: 7.9/10 (90,591 votes)
Director: Joel Coen, Ethan Coen
Writer: Joel Coen, Ethan Coen
Stars: Gabriel Byrne, Marcia Gay Harden, John Turturro, Jon Polito
Runtime: 115 min
Rated: R
Genre: Crime, Drama, Thriller
Released: 05 Oct 1990
Plot: Tom Regan, an advisor to a Prohibition-era crime boss, tries to keep the peace between warring mobs but gets caught in divided loyalties.

 

 

 

5.

True Grit (2010)
True Grit poster Rating: 7.7/10 (207,646 votes)
Director: Ethan Coen, Joel Coen
Writer: Joel Coen (screenplay), Ethan Coen (screenplay), Charles Portis (novel)
Stars: Jeff Bridges, Hailee Steinfeld, Matt Damon, Josh Brolin
Runtime: 110 min
Rated: PG-13
Genre: Adventure, Drama, Western
Released: 22 Dec 2010
Plot: A tough U.S. Marshal helps a stubborn young woman track down her father's murderer.

 

 

 

4.

Inside Llewyn Davis (2013)
Inside Llewyn Davis poster Rating: 7.5/10 (68,345 votes)
Director: Ethan Coen, Joel Coen
Writer: Joel Coen, Ethan Coen
Stars: Oscar Isaac, Carey Mulligan, Justin Timberlake, Ethan Phillips
Runtime: 104 min
Rated: R
Genre: Drama, Music
Released: 10 Jan 2014
Plot: A week in the life of a young singer as he navigates the Greenwich Village folk scene of 1961.

 

 

 

3.

O Brother, Where Art Thou? (2000)
O Brother, Where Art Thou? poster Rating: 7.8/10 (194,868 votes)
Director: Joel Coen, Ethan Coen
Writer: Homer (epic poem "The Odyssey"), Ethan Coen, Joel Coen
Stars: George Clooney, John Turturro, Tim Blake Nelson, John Goodman
Runtime: 106 min
Rated: PG-13
Genre: Adventure, Comedy, Crime
Released: 02 Feb 2001
Plot: In the deep south during the 1930s, three escaped convicts search for hidden treasure while a relentless lawman pursues them.

 

 

 

2.

No Country for Old Men (2007)
No Country for Old Men poster Rating: 8.1/10 (488,336 votes)
Director: Ethan Coen, Joel Coen
Writer: Joel Coen (screenplay), Ethan Coen (screenplay), Cormac McCarthy (novel)
Stars: Tommy Lee Jones, Javier Bardem, Josh Brolin, Woody Harrelson
Runtime: 122 min
Rated: R
Genre: Crime, Drama, Thriller
Released: 21 Nov 2007
Plot: Violence and mayhem ensue after a hunter stumbles upon a drug deal gone wrong and more than two million dollars in cash near the Rio Grande.

 

 

 

1.

The Big Lebowski (1998)
The Big Lebowski poster Rating: 8.2/10 (410,081 votes)
Director: Joel Coen, Ethan Coen
Writer: Ethan Coen, Joel Coen
Stars: Jeff Bridges, John Goodman, Julianne Moore, Steve Buscemi
Runtime: 117 min
Rated: R
Genre: Comedy, Crime
Released: 06 Mar 1998
Plot: "Dude" Lebowski, mistaken for a millionaire Lebowski, seeks restitution for his ruined rug and enlists his bowling buddies to help get it.

 

 

An dieser Stelle mal ganz viel Dank an einen besonders lieben Freund, der die Coen-Brüder wohl noch mehr verehrt als ich und mich noch tiefer in deren so wunderbar skurrile Welten geführt hat. Danke, Dude!

Und allen anderen wünsche ich viel Spaß mit dieser Liste! Wir lesen uns 😉

 

 

 

Transcendence

7. Februar 2015 at 17:04

 

 

Transcendence (2014)
Transcendence poster Rating: 6.3/10 (123,029 votes)
Director: Wally Pfister
Writer: Jack Paglen
Stars: Johnny Depp, Rebecca Hall, Paul Bettany, Cillian Murphy
Runtime: 119 min
Rated: PG-13
Genre: Drama, Mystery, Sci-Fi
Released: 18 Apr 2014
Plot: A scientist's drive for artificial intelligence, takes on dangerous implications when his consciousness is uploaded into one such program.

 

 

 

„The Internet was meant to make the world a smaller place. But it actually feels smaller without it.”

 

 

 

Dr. Will Caster und sein Team sind die weltweit führenden Experten auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz. Es gelingt sogar kollektives Wissen und menschliche Emotionen zu digitalisieren, ein enormer Durchbruch für die Forschung. Jetzt soll die Öffentlichkeit darüber in Kenntnis gesetzt und der nächste Schritt dieser digitalen Evolution in Angriff genommen werden. Doch es gibt auch Gegner dieses Fortschritts, eine ausgesprochen militante Anti-Technologie-Bewegung, deren Widerstand nicht gerade unerheblich ist. Als schließlich Dr. Caster bei einem Anschlag ums Leben kommt, wird sein Bewusstsein in eine Künstliche Intelligenz transferiert. Diese wächst und wächst fortan immer weiter, verleibt sich Stück für Stück immer mehr ein und gewinnt zusehends an Einfluss auf das Weltgeschehen…

 

Transcendence ist das Regiedebüt von Wally Pfister, dem Kameramann von Christopher Nolan. Und Johnny Depp spielt mit. Das war es dann aber auch schon, vielmehr gibt es da nicht zu sagen. Die Grundidee des Films ist eine die durchaus zu gefallen weiß, die Frage, was Bewusstsein ist, was Menschlichkeit, was uns als Menschen ausmacht. Im Grunde also eine ähnlich gelagerte Thematik wie im Film Her, nur wird sie hier völlig anders umgesetzt. Oder eben auch nicht, denn Transcendence schafft es zu keiner Sekunde, das Thema wirklich aufzugreifen, sich damit ernsthaft zu beschäftigen und kratzt permanent nur an der Oberfläche einer eigentlich sehr komplexen Idee. Hier scheitert der Film auf der ganzen Linie. Zudem scheint der Film nicht wirklich zu wissen, was er will, schwankt er doch über die gesamte Laufzeit zwischen Science Fiction-Drama mit philosophischem Tiefgang und Actionfilm mit intelligentem Unterbau, ist letztlich aber keines von beidem, geht für das eine nicht tief und weit genug und für das andere ist er einfach zu zahm inszeniert, es mangelt zu sehr an Dynamik in der Erzählstruktur. Auch gibt es keinen richtigen Höhepunkt, auf den zugestrebt wird und in dem sich Angestautes entladen könnte, kein richtiges Finale, der Film ist plötzlich einfach irgendwie zu Ende. Transcendence wirkt seltsam orientierungslos und dümpelt in seiner eigenen Mittelmäßigkeit so vor sich hin, ganz so als wollte man keine Stellung beziehen, lieber gar nichts sagen als anzuecken. Zu allem Überfluß wird dann am Ende auch noch die ganze große Moralkeule ausgepackt und hinterlässt einen fiesen Beigeschmack im Abgang, sogar eine Art digitaler Jesus wird inszeniert.

 

 

 

„I spent my life trying to reduce the brain to a series of electrical impulses. I failed. Human emotion, it can contain illogical conflict. Can love someone, and yet hate the things that they’ve done. Machine can’t reconcile that.“

 

 

 

So überraschungsarm und dünn die Story ist, so eindimensional und oberflächlich sind die Charaktere, die sie bevölkern. Kaum ein Klischee wird ausgelassen bei der Figurenzeichnung, alle wirken wie Abziehbilder, wie aus einem Baukasten zusammengesetzt. Erschreckend schwach ist auch die schauspielerische Leistung, gerade und vor allem auch von Johnny Depp. Da spielt der Mann endlich mal eine Figur, die nicht wieder die x-te, leicht abgewandelte Variation eines seiner durchgeknallten und abgedrehten (und oftmals überdrehten) Charaktere ala Jack Sparrow ist, und präsentiert sich absolut blutleer, seelenlos und völlig austauschbar. Die Figur des Dr. Caster mit irgendwem anderes zu besetzen, es hätte keinen Unterschied gemacht, von seiner Performance bleibt wirklich nichts hängen. Der Rest des Cast um Rebecca Hall, Paul Bettany, Cillian Murphy und Kate Mara, ja sogar Morgan Freeman ist aber auch nicht viel besser. Johnny Depp allerdings ist mehr als nur auf dem absteigendem Ast, Flop reiht sich an Flop, und er ist auf dem besten Wege in der Versenkung zu verschwinden. Gewagte These meinerseits: Johnny Depp müsste mal einen Film mit Tarantino machen, das würde seine Karriere vielleicht wieder Aufwind verleihen. Wäre ja nicht das erste Mal, das Tarantino scheinbar tot geglaubte Schauspieler wiederbelebt.

 

Transcendence ist schlicht und ergreifend langweilig und vorhersehbar in allen Belangen. Ein allzu offensichtliches Spiel mit Moral, mit Gut und Böse, die ständige Schwarz/Weiß-Malerei, flache und eindimensionale Charaktere und deren oft unglaubwürdigen Entscheidungen und Motivationen, die Unfähigkeit konsequent eine erzählerische Richtung einzuschlagen und der enorm schwache Cast machen aus Transcendence einen größtenteils tatsächlich überflüssigen Film. So ambitioniert die zu Grunde liegende Idee doch ist, so schwach ist deren filmische Umsetzung. Es mangelt an Herz und Leidenschaft, auch an Figuren, die Identifikationspotential bieten, und an einer klaren Vision, was der Film nun eigentlich sagen will. Vor allem aber mangelt es an Menschlichkeit, ironischerweise ist Transcendence in diesem Punkt erstaunlich konsequent, wenn man so will. Es braucht eben doch mehr für einen guten Film als eine Idee und Optik.

 

3 von 10 digitalen Märtyrern

 

Zitat des Tages

3. Februar 2015 at 14:12

 

 

 

I’m showing him how the world works. You work, you get paid, you drink.”

 

 

 

 

Birdman

1. Februar 2015 at 20:55

 

 

Birdman (2014)
Birdman poster Rating: 8.3/10 (65,738 votes)
Director: Alejandro González Iñárritu
Writer: Alejandro González Iñárritu, Nicolás Giacobone, Alexander Dinelaris, Armando Bo
Stars: Michael Keaton, Emma Stone, Kenny Chin, Jamahl Garrison-Lowe
Runtime: 119 min
Rated: R
Genre: Comedy, Drama
Released: 14 Nov 2014
Plot: A washed up actor, who once played an iconic superhero, battles his ego and attempts to recover his family, his career and himself in the days leading up to the opening of a Broadway play.

 

 

 

„Popularity is the slutty little cousin of prestige.”

 

 

 

Riggan Thomson ist ein in die Jahre gekommener Schauspieler, der seinem Ruhm von einst hinterher läuft. Früher einmal, vor 20 Jahren, da war er ein gefragter Mann und spielte den Superhelden Birdman. Jetzt ist er zunehmend verzweifelt, trauert alten Zeiten nach und will eigentlich nur noch einmal etwas auf die Beine stellen, das wirklich Bedeutung hat, etwas großes, etwas, das die Menschen bewegt und nicht in Vergessenheit gerät. Also setzt er sich zum Ziel ein ambitioniertes Theaterstück zu inszenieren, eine Adaption von Raymond Carvers Kurzgeschichte What We Talk About When We Talk About Love. Hinter den Kulissen allerdings geht alles schief, was irgendwie nur schief gehen kann. Es fehlt an allen Ecken und Enden Geld für die Inszenierung, seine männliche Hauptbesetzung fällt aus, der Ersatz ist ein unerträglich arrogantes Arschloch sondergleichen, seine anderen Schauspieler machen ihm das Leben schwer, Egos wollen gestreichelt werden, seine drogensüchtige Tochter ist auch keine sonderlich große Hilfe als Produktionsassistentin und sein Manager macht zunehmend Druck, denn der Abend der Premiere rückt gnadenlos näher und näher…

 

Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit. Irgendwie umschreibt das ganz hervorragend den Film, auch wenn ich gar nicht genau sagen kann, warum. Oder was es bedeuten soll. Natürlich geht es hauptsächlich um die Gefühlswelt von Riggan Thomson, um dessen innere Zerrissenheit zwischen Anspruch und Realität, zwischen Größenwahn und Bedeutungslosigkeit, doch zunehmend wird der Film zu einem Bühnenstück in einem Bühnenstück, das ein äußerst zynisches und bitterböses Bild vom Haifischbecken Broadway zeichnet und schonungslos die Mechanismen dieses Zirkus der Eitelkeiten, dieser seelenlosen Welt voller Lügen offenlegt. Schnell wird klar, dass Riggan Thomson nur einer von vielen Irren ist, die, statt zusammen zu arbeiten, permanent damit beschäftigt sind, die Hackordnung hinter den Kulissen auszufechten, sich und andere zu demütigen und ihre geschundenen Egos gnadenlos aufzublasen.

 

 

 

„A thing is a thing, not what is said of that thing.”

 

 

 

Weitaus interessanter als die recht einfach gehaltene Story, die Birdman erzählt, ist seine Inszenierung. Hier ist Regisseur Alejandro González Iñárritu ein absolutes Meisterstück gelungen. Nahezu der ganze Film ist als eine einzige, zweistündige Plansequenz angelegt. Es ensteht der Eindruck nur einer Linse, durch die der Zuschauer blickt, nur einer Kamera, die geschmeidig von der einen Szene in die nächste wandert, einer Kamera, die den Zuschauer, mal wild, mal hektisch, mal entspannt, durch die Kulissen hinüber zu den Darstellern trägt, die immer ganz nah dran ist am Geschehen und der nichts entgeht. Das Bild ist immer in Bewegung, folgt den Charakteren, flüchtet vor ihnen, wechselt wild die Perspektive, so gut wie nie hält es inne und vermittelt dem Zuschauer auf diesem Weg gekonnt, ein Teil des Ganzen zu sein und versinnbildlicht gleichzeitig die innere Unruhe und Getriebenheit der Figuren im Film. Das bedeutet natürlich nicht, das es keine Schnitte gibt, allerdings sind diese so geschickt platziert und verpackt, das sie dem Zuschauer kaum bis gar nicht auffallen, und man so immer weiter in diese skurrile, mit sehr eigenen Moralvorstellungen ausgestattete Welt hinein gezogen wird. Dadurch wirkt Birdman unglaublich authentisch, man ist so nah an den Darstellern dran, wie man es selten erlebt, nichts bleibt einem verborgen, jedes Detail ist erkennbar, jede noch so kleine Regung, jede Emotion und jede Handlung kommen voll zur Geltung. Ein weiterer Geniestreich in diesem Kontext ist der Soundtrack, dominiert hier doch überwiegend ein meist sehr unruhiges und treibendes Jazz-Schlagzeug, welches immer wieder gekonnt Situationen unterstreicht und hervorhebt. Einige Male wird der Drummer sogar einfach in den Film und die Kulissen mit eingebaut, was das bunte Treiben letztlich nur noch bizarrer erscheinen lässt, als es ohnehin schon ist.

 

 

 

„People, they love blood. They love action. Not this talky, depressing, philosophical bullshit.”

 

 

 

Als absolut genial erweist sich die Besetzung der Hauptrolle mit Michael Keaton. Der Mann spielt hemmungslos und völlig entfesselt, er wirkt derart authentisch verzweifelt, man könnte glauben, er SEI Riggan Thomson, die Figur scheint wie für ihn erschaffen worden zu sein, und er erfüllt sie mühelos mit Leben. Vielleicht steckt ja auch einiges von Michael Keaton selbst in Riggan Thomson, spielte er doch 1989 und 1992 unter der Regie von Tim Burton den dunklen Ritter in Batman und Batman Returns und verschwand danach mehr oder weniger von der Bildfläche. Birdman liest sich unter diesem Gesichtspunkt dann als Keaton´s What We Talk About When We Talk About Love, als Versuch, wieder etwas Bedeutsames zu schaffen, im Grunde nicht anders als Riggan Thomson. Ob ihm das gelungen ist, das lässt sich jetzt schon kaum sagen, das wird wohl nur die Zeit allein beantworten können. Ebenfalls herausragend aus dem ohnehin schon sehr guten Ensemble ist Edward Norton. Er spielt Mike Shiner, den gefeierten und talentierten Broadway-Star, der als Ersatz für die ausgefallene Hauptrolle an Bord kommt und dessen Mitwirken einen enormen Publikumsandrang verspricht, der charakterlich und menschlich aber auch ausgesprochen schwierig ist. Ganz ehrlich, Norton war noch nie so gut wie in Birdman, und der Mann hat ja durchaus einige beeindruckende Leistungen in seinem Lebenslauf. Sein Mike Shiner ist arrogant, selbstverliebt und über alle Maßen eitel, gleichzeitig aber auch völlig unberechenbar und geradezu manisch, versucht er doch zum Beispiel seine Partnerin in einer Bettszene auf der Bühne zu richtigem Geschlechtsverkehr vor Publikum zu nötigen. Ständig verwechselt er Kunst und Leben, Bühne und Wirklichkeit, und kann schon lange nicht mehr dazwischen unterscheiden. Bei ihm liegen Genie und Wahnsinn nicht bloß dicht beieinander, er vereint sie in seiner gestörten Persönlichkeit. Aber auch der Rest des Cast mit Naomi Watts als Co-Star mit Minderwertigkeitskomplex, Emma Stone (die einen so wahnsinnig guten Moment mit einem kleinen Monolog hat, dass man den Mund nicht mehr zubekommt vor lauter Staunen) als drogensüchtige Tochter von Thomson und Zach Galifianakis (der hier sehr nuanciert spielt und endgültig beweist, dass er mehr kann als Hangover-Nonsens) als dessen Manager ist fantastisch und es ist eine wahre Freude ihnen allen zuzuschauen.

 

Birdman ist Drama, tiefschwarze und bitterböse Komödie und die Ausleuchtung einer zerrissenen Künstlerseele gleichzeitig und dabei zu jeder Sekunde enorm unterhaltsam, trifft doch kluger Humor auf messerscharfe Dialoge. Der Film rechnet voller galligem und ätzendem Zynismus mit Hollywood, mit dem Theater, dem Broadway, ja, mit dem ganzen Showbusiness ab, und es kriegt in diesen 120 Minuten so ziemlich jeder sein Fett weg, von Robert Downey,jr. bis zu Justin Bieber. Ein Film über mediale Eintagsfliegen und wahre Ikonen, über Huldigung und Abgesang. Humor und Ernst, Hysterie und Paranoia, tragische Momente und Slapstick wechseln sich hier ständig ab und trotzdem gerät Birdman nie aus der Balance. Vielleicht nicht jedermanns Geschmack, muss man sich doch auf den Film und vor allem seine Art der Inszenierung einlassen, geschieht das aber, dann wird man mit einem nahezu unvergesslichen Erlebnis belohnt.

 

8 von 10 herabstürzenden Scheinwerfern