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Snowpiercer

24. Januar 2015 at 19:44

 

 

Snowpiercer (2013)
Snowpiercer poster Rating: 7.0/10 (104,058 votes)
Director: Joon-ho Bong
Writer: Joon-ho Bong (screenplay), Kelly Masterson (screenplay), Joon-ho Bong (screen story), Jacques Lob (based on Le Transperceneige by), Benjamin Legrand (based on Le Transperceneige by), Jean-Marc Rochette (based on Le Transperceneige by)
Stars: Chris Evans, Kang-ho Song, Ed Harris, John Hurt
Runtime: 126 min
Rated: R
Genre: Action, Sci-Fi, Thriller
Released: 11 Jul 2014
Plot: Set in a future where a failed climate-change experiment kills all life on the planet except for a lucky few who boarded the Snowpiercer, a train that travels around the globe, where a class system emerges.

 

 

 

„Have you ever been alone on this train? When was the last time you were alone? You can’t remember, can you? So please do. Take your time.”

 

 

 

Schon wieder eine Dystopie. Schon wieder ein endzeitliches Szenario. Schon wieder eine neue Eiszeit. Auch diese ist selbst verschuldet. Im Jahre 2031 leben die letzten noch verbliebenen Menschen in einem Zug. In einem Zug, der perpetuum mobile-artig wie von Geisterhand immer und immer wieder seine einsamen Kreise über die nahezu völlig unbewohnbare Erde zieht. Innerhalb dieses Zuges herrscht eine feste hierarchische Struktur, die Armen, der Pöbel, sie vegetieren unter den denkbar schlimmsten Bedingungen in den hintersten Wagons nur so vor sich hin, wohingegen die besser gestellten weiter vorne im Zug ihr prächtiges Leben genießen können… eine Revolution ist im Grunde vorprogrammiert, angeführt von Curtis, einem eher ambivalenten als moralisch aufrechten Charakter und vielmehr Held wider Willen.

 

Der Film und ich, wir haben eine gemeinsame Geschichte. Ich habe ihn im letzten Frühjahr mit einem guten Freund zusammen im Kino gesehen, unsere Erwartungshaltung an den Film war enorm. Natürlich konnte diese nicht oder nur kaum erfüllt werden, weshalb wir relativ enttäuscht den Kinosaal verließen, einig darüber, zwar einen guten Film gesehen zu haben, aber keineswegs das von uns erwartete Meisterwerk. Jetzt, nach neuerlicher Sichtung, muss ich zugeben: ich habe mich geirrt. Snowpiercer scheiterte schlicht und ergreifend an meiner Erwartungshaltung, er konnte dem gar nicht gerecht werden.

 

 

„The train ist he world. We the humanity.“

 

 

Snowpiercer ist das amerikanische Debut des koreanischen Regisseurs Bong Joon-Ho. Seine Adaption der französischen Graphic Novel Schneekreuzer von Jacques Lob und Jean-Marc Rochette beginnt als (Klima-)Katastrophenfilm, wandelt sich dann relativ schnell zum Actionthriller mit Klassenkampf-Dynamik, streift die Gefilde der Gesellschaftssatire und des absurden Theaters ehe sie sich als bitterer, aber nicht hoffnungsloser Blick in die menschliche Seele entpuppt. Klingt erstmal, als wäre der Film furchtbar überladen mit all seinen sich überschneidenden Thematiken und Ansätzen, ist er aber erstaunlicher Weise nicht, es gelingt ausgesprochen gut, all das miteinander zu vermengen.

 

Die Grundidee der Geschichte, die Ausgangslage, finde ich einfach nur grandios und sie funktioniert perfekt als Metapher auf unsere Existenz. Der ganze Film spielt nahezu vollständig nur in diesem Zug und dennoch gelingt es Bong Joon-Ho enorm viel Abwechslung aufzubringen. Das Setting ist aufgrund seiner räumlichen Begrenzung denkbar einfach, aber was der Film daraus macht, was er dort herauszuholen vermag, das ist enorm komplex, er erschafft auf aller kleinstem Raum seine ganz eigene, schillernde und enorm detailverliebte Welt. In seinem überschäumenden Ideenreichtum und seiner geradezu unglaublichen Fülle an Absurdität kann Snowpiercer es durchaus mit Genreklassikern wie Brazil aufnehmen. Zudem beweist der Regisseur ein ganz feines Gespür für das Erzähltempo in seiner Parabel, sein Timing ist fantastisch, nimmt er doch gern Wechsel der Perspektive vor, wenn man sie nicht unbedingt erwarten würde. Selbst im heftigsten Kampfgefecht drosselt Bong plötzlich und unerwartet das Tempo, spielt mit Licht und Schatten oder verlegt eine Kampfszene komplett ins Dunkle. Ähnlich originell inszenierte Actionszenen bietet der Film häufig, da wird viel mit der Erwartungshaltung des Zuschauers gespielt, sie wird gerne mal gnadenlos unterlaufen und der Betrachter unvermittelt aus dem Geschehen gerissen. Und wenn der wortlose Koloss Franco, gespielt von dem durchaus eindrucksvollen Vlad Ivanov, im minutenlangen Zweikampf bezwungen werden soll, dann ist das nicht nur mitreißend und spannend in Szene gesetzt, sondern illustriert auch die menschliche Fähigkeit zur Grausamkeit, gerade dann, wenn sie durch widrige Umstände erzwungen wird. Bong nutzt das Vergrößerungsglas der Science-Fiction-Handlung zu einer gnadenlosen Satire auf Gehirnwäsche, Gleichschaltung und Größenwahn und von da aus zu einem skeptischen und ausgesprochen zynischen Blick auf die menschliche Natur, was sich auch in der Entwicklung von Curtis widerspiegelt. Motivation und Vergangenheit des schweigsam-widerwilligen Rebellenführers werden mit jeder schwierigen Entscheidung klarer und gewinnen zusehends an Bedeutung, werden aber erst nach und nach enthüllt.

 

 

„I belong to the front. You belong to the tail. When the foot seeks the place of the head, the sacred line is crossed. Know your place. Keep your place. Be a shoe.“

 

 

Ein ganz besonderer Augenmerk liegt auf den Kulissen und der Ausstattung des Films, hier wurde mit viel Liebe zum Detail gearbeitet. Jeder einzelne Wagon, der auf dem Weg an die Spitze durchquert wird, jedes Abteil, ist ein kleines Meisterwerk in puncto Design und Ausstattung, von der schäbigen und dreckigen Enge der Armenquartiere am Ende des Zuges über ein bunt-fröhliches und gerade deswegen völlig deplatziert und surreal wirkendes Klassenzimmer, ein wunderschönes und nicht weniger bizarres Aquarium mit integrierter Sushi-Bar(!), ein Gewächshaus, einen dekadenten Nachtclub bis hin zur Spitze des Zuges, dem Zuhause des allmächtigen Wilford, gottgleich verehrt von den Zugbewohnern und scheinbar über jeden Zweifel erhaben, all das sprudelt nur so über vor absurden Ideen und Details, manchmal nur winzig klein, aber dennoch vorhanden, und immer eine Bereicherung.

 

Der Cast liest sich mit Namen wie Tilda Swinton, John Hurt oder Ed Harris nicht nur toll, er ist es auch. Das schauspielerische Niveau ist ausgesprochen hoch, nicht nur bei den drei genannten. Sogar Chris Evans, der in Actionfilmen ja eigentlich ganz gut funktioniert, spielt hier völlig überzeugend seine Figur des unfreiwilligen Revolutionsführers Curtis mit all ihren Facetten, zerrissen zwischen Zukunft und Vergangenheit, charismatisch genug, um Identifikationspotential zu haben, aber auch zwiespältig genug, um ihn nicht als strahlenden Helden zu etablieren. Eine durchaus beeindruckende Leistung, die ich so im Vorfeld nicht unbedingt erwartet hätte. Jamie Bell als „Zugbaby“ Edgar macht seine Arbeit gut, zumal seiner Figur in Hinsicht auf die Entwicklung von Curtis eine wichtige Rolle zukommt. John Hurt als Gilliam (eine Anspielung auf den Regisseur Terry Gilliam?) ist fast ein wenig verschenkt, hat seine Figur doch recht wenig screen time. Tilda Swinton und Ed Harris aber überragen in diesem Ensemble schlichtweg alle, so zynisch und menschenverachtend, so arrogant und angewidert, wie sie ihre Charaktere anlegen, das ist kaum in Worte zufassen und spottet jeder Beschreibung, das muss man erleben.

 

Natürlich hat Snowpiercer auch seine Schattenseiten, geizt der Film doch nicht mit Logiklöchern, da ist das Drehbuch stellenweise doch recht holprig und zeigt Verbesserungsbedarf, aber davon darf man sich nicht abschrecken lassen. Die Gesellschaftskritik selbst kommt vielleicht ein wenig mit dem Holzhammer daher, aber das muss letztlich jeder für sich selbst entscheiden, wie er das empfindet und was er damit anfängt. Am Ende wird man doch mit einem Film entlohnt, dem es gelingt, den nicht immer ganz leichten Spagat zwischen virtuos inszenierter Action und einer anspruchsvollen Story mit Gesellschaftskritik und stellenweise geradezu philosophischem Tiefgang nicht nur elegant hinzubekommen, er verpackt ihn auch noch in oftmals sehr surreal anmutende Absurditäten und spendiert dem Ganzen gelegentlich von tiefschwarzem Humor geprägte Szenen, die den Zuschauer immer wieder aus dem Rhythmus des Films reißen.

 

 

8 von 10 durchgeknallten Grundschullehrerinnen

 

 

 

 

Meine zehn liebsten Filme aus meiner Kindheit

24. Januar 2015 at 0:49

 

 

Heute wird es nostalgisch. Zehn Kindheitserinnerungen. Filme, die ich damals geliebt habe, heute immer noch mag und mit denen ich etwas ganz besonderes verbinde. Jeder Film in dieser Liste funktioniert auch heute noch ganz wunderbar für mich, vor allem auch oder vielleicht gerade dann, wenn ich krank bin oder es mir schlecht geht. Viel Spaß damit!

 

 

 

10.

Labyrinth (1986)
Labyrinth poster Rating: 7.4/10 (78,210 votes)
Director: Jim Henson
Writer: Dennis Lee (story), Jim Henson (story), Terry Jones (screenplay)
Stars: David Bowie, Jennifer Connelly, Toby Froud, Shelley Thompson
Runtime: 101 min
Rated: PG
Genre: Adventure, Family, Fantasy
Released: 27 Jun 1986
Plot: Fifteen-year-old Sarah accidentally wishes her baby half-brother, Toby, away to the Goblin King Jareth who will keep Toby if Sarah does not complete his Labyrinth in thirteen hours.

 

 

 

9.

Gremlins (1984)
Gremlins poster Rating: 7.2/10 (111,854 votes)
Director: Joe Dante
Writer: Chris Columbus
Stars: Hoyt Axton, John Louie, Keye Luke, Don Steele
Runtime: 106 min
Rated: PG
Genre: Comedy, Horror
Released: 08 Jun 1984
Plot: A boy inadvertantly breaks 3 important rules concerning his new pet and unleashes a horde of malevolently mischievous monsters on a small town.

 

 

 

8.

Ghostbusters (1984)
Ghostbusters poster Rating: 7.8/10 (219,626 votes)
Director: Ivan Reitman
Writer: Dan Aykroyd, Harold Ramis
Stars: Bill Murray, Dan Aykroyd, Sigourney Weaver, Harold Ramis
Runtime: 105 min
Rated: PG
Genre: Comedy, Fantasy, Sci-Fi
Released: 08 Jun 1984
Plot: Three unemployed parapsychology professors set up shop as a unique ghost removal service.

 

 

 

7.

E.T. the Extra-Terrestrial (1982)
E.T. the Extra-Terrestrial poster Rating: 7.9/10 (239,989 votes)
Director: Steven Spielberg
Writer: Melissa Mathison
Stars: Dee Wallace, Henry Thomas, Peter Coyote, Robert MacNaughton
Runtime: 115 min
Rated: PG
Genre: Adventure, Family, Sci-Fi
Released: 11 Jun 1982
Plot: A troubled child summons the courage to help a friendly alien escape Earth and return to his home-world.

 

 

 

6.

Clash of the Titans (1981)
Clash of the Titans poster Rating: 6.9/10 (29,614 votes)
Director: Desmond Davis
Writer: Beverley Cross
Stars: Laurence Olivier, Claire Bloom, Maggie Smith, Ursula Andress
Runtime: 118 min
Rated: PG
Genre: Adventure, Family, Fantasy
Released: 12 Jun 1981
Plot: A film adaption of the myth of Perseus and his quest to battle both Medusa and the Kraken monster to save the Princess Andromeda.

 

 

 

5.

Stand by Me (1986)
Stand by Me poster Rating: 8.1/10 (222,025 votes)
Director: Rob Reiner
Writer: Stephen King (novel), Raynold Gideon (screenplay), Bruce A. Evans (screenplay)
Stars: Wil Wheaton, River Phoenix, Corey Feldman, Jerry O'Connell
Runtime: 89 min
Rated: R
Genre: Adventure, Drama
Released: 22 Aug 1986
Plot: After the death of a friend, a writer recounts a boyhood journey to find the body of a missing boy.

 

 

 

4.

Jurassic Park (1993)
Jurassic Park poster Rating: 8.0/10 (435,318 votes)
Director: Steven Spielberg
Writer: Michael Crichton (novel), Michael Crichton (screenplay), David Koepp (screenplay)
Stars: Sam Neill, Laura Dern, Jeff Goldblum, Richard Attenborough
Runtime: 127 min
Rated: PG-13
Genre: Adventure, Sci-Fi, Thriller
Released: 11 Jun 1993
Plot: During a preview tour, a theme park suffers a major power breakdown that allows its cloned dinosaur exhibits to run amok.

 

 

 

3.

The Goonies (1985)
The Goonies poster Rating: 7.8/10 (149,448 votes)
Director: Richard Donner
Writer: Steven Spielberg (story), Chris Columbus (screenplay)
Stars: Sean Astin, Josh Brolin, Jeff Cohen, Corey Feldman
Runtime: 114 min
Rated: PG
Genre: Adventure, Comedy, Family
Released: 07 Jun 1985
Plot: In order to save their home from foreclosure, a group of misfits set out to find a pirate's ancient treasure.

 

 

 

2.

Raiders of the Lost Ark (1981)
Raiders of the Lost Ark poster Rating: 8.6/10 (510,816 votes)
Director: Steven Spielberg
Writer: Lawrence Kasdan (screenplay), George Lucas (story), Philip Kaufman (story)
Stars: Harrison Ford, Karen Allen, Paul Freeman, Ronald Lacey
Runtime: 115 min
Rated: PG
Genre: Action, Adventure
Released: 12 Jun 1981
Plot: Archeologist and adventurer Indiana Jones is hired by the US government to find the Ark of the Covenant before the Nazis.

 

 

 

1.

Star Wars: Episode V - The Empire Strikes Back (1980)
Star Wars: Episode V - The Empire Strikes Back poster Rating: 8.8/10 (607,096 votes)
Director: Irvin Kershner
Writer: Leigh Brackett (screenplay), Lawrence Kasdan (screenplay), George Lucas (story)
Stars: Mark Hamill, Harrison Ford, Carrie Fisher, Billy Dee Williams
Runtime: 124 min
Rated: PG
Genre: Action, Adventure, Fantasy
Released: 20 Jun 1980
Plot: After the rebels have been brutally overpowered by the Empire on their newly established base, Luke Skywalker takes advanced Jedi training with Master Yoda, while his friends are pursued by Darth Vader as part of his plan to capture Luke.

 

 

 

 

Zitat des Tages

20. Januar 2015 at 23:31

 

 

 

„You forget what you want to remember, and you remember what you want to forget.“

 

 

 

 

Buckaroo Banzai: Die 8. Dimension

20. Januar 2015 at 1:39

 

 

The Adventures of Buckaroo Banzai Across the 8th Dimension (1984)
The Adventures of Buckaroo Banzai Across the 8th Dimension poster Rating: 6.4/10 (16,104 votes)
Director: W.D. Richter
Writer: Earl Mac Rauch
Stars: Peter Weller, John Lithgow, Ellen Barkin, Jeff Goldblum
Runtime: 103 min
Rated: PG
Genre: Adventure, Comedy, Romance
Released: 10 Aug 1984
Plot: Adventurer/surgeon/rock musician Buckaroo Banzai and his band of men, the Hong Kong Cavaliers, take on evil alien invaders from the 8th dimension.

 

 

 

„Don’t be mean; we don’t have to be mean, cuz, remember, no matter where you go, there you are.”

 

 

 

Buckaroo Banzai… Puh! Was soll man da sagen? Wo soll ich anfangen?! Am besten bei Buckaroo Banzai selbst, seines Zeichens Neurochirurg, Rockstar (mit seiner Band, den Hong Kong Cavaliers), Physiker, Kampfsportler, Erfinder, Rennfahrer, Abenteurer, Star seines eigenen Comics und noch vieles mehr, vor allem aber: der Retter der Welt. Noch Fragen?

Buckaroo, seine Hong Kong Cavaliers und die Blue Blazers, eine Art Buckaroo-Fanclub, müssen die Welt vor den roten Lectroiden vom Planeten 10 aus der 8. Dimension unter der Führung des fiesen Lord John Whorfin bewahren, die mit Hilfe des von Buckaroo erfundenen Oszillations-Overthrusters die Welt zerstören wollen (glaube ich zumindest, soweit ich das verstanden habe). Unterstützung (oder auch nicht, das ist irgendwie ein bisschen unklar) erhalten sie von den schwarzen Lectroiden vom Planeten… ihr wisst schon. Klar soweit?

Der Film ist wirr, macht keinen Sinn und ist einfach irgendwie seltsam. Nichts will so richtig zusammen passen, logisch ist hier gar nichts. Wer nicht versteht, worum es geht, der muss sich wirklich nicht schämen, im Gegenteil, wer mir den tieferen Sinn hinter all dem erklären kann, der verdient einen Orden. Hauptsächlich liegt das daran, dass der Film versucht ganz viele Genre gleichzeitig zu sein, ein wilder Stilmix aus Action, Comedy, Science Fiction, Lovestory, Fantasy, Adventure und Musikfilm, es aber nicht schafft, all das sinnvoll unter einen Hut zu bringen, etwas homogenes, etwas eigenes daraus zu machen. Es gibt keinen richtigen roten Faden, vielmehr springt der Film von Genre zu Genre, von Idee zu Idee, vieles wird angerissen, aber nicht zu Ende gebracht. Das ist schade, denn im Grunde birgt das alles irre viel Potential, welches aber kaum genutzt wird. Man merkt deutlich, dass die Macher unbedingt einen Kultfilm erzwingen wollten, als Entwurf am Reißbrett, und das funktioniert fast nie. Kult lässt sich nicht planen. Im Falle von Buckaroo Banzai geht die Rechnung zumindest zum Teil auf, denn der Film ist tatsächlich abgedreht genug, um einen gewissen Kultstatus zu erlangen, er hat ja durchaus auch seine Anhänger, aber am Ende fehlen ihm Herz und Seele.

Ein weiteres Problem des Films ist die enorm hohe Dichte an Charakteren. Hier werden einem so viele Figuren im Minutentakt um die Ohren gehauen, teils ohne nennenswerte Funktion, dass man schnell den Überblick verliert und nicht mehr genau weiß, wer jetzt wer ist, wer auf wessen Seite, und wer welche Bedeutung hat, und mindestens die Hälfte davon könnte man problemlos aus dem Drehbuch streichen ohne das es auffällt. Dadurch bleibt auch kaum Zeit, den einzelnen Figuren genügend Raum zur Entfaltung zu geben, alles wirkt sehr oberflächlich. Dabei ist der Cast wirklich mehr als nur beachtlich, hier wird mit Peter Weller, John Lithgow, Ellen Barkin, Jeff Goldblum, Christopher Lloyd, Clancy Brown, Vincent Schiavelli und Dan Hedaya allerhand aufgefahren, aber bis auf John Lithgow, der sichtlich Spaß hat an seiner Rolle des verrückten Bösewichts, und Ellen Barkin wirken alle anderen doch relativ lustlos und spielen recht uninspiriert. Peter Weller als Buckaroo Banzai bleibt erstaunlich blaß, Christopher Lloyd als roter Lectroid John Bigboote (was im englischen Originalton ein herrliches Wortspiel abgibt, welches dann aber auch permanent wiederholt werden muss) ist nahezu völlig verschenkt, Jeff Goldblum kann keine Akzente setzen und Clancy Brown hat vielleicht zwei Szenen. Der Rest hat einfach nicht genügend Platz im Drehbuch, um zu glänzen.

Überhaupt ist das Drehbuch bei weitem kein schlechtes, es ist voller skurriler Ideen und verrückter Einfälle, voller bizarrer Figuren und geradezu grotesken Situationen und Momenten, aber es ist schlicht und ergreifend zu überladen, es wird zuviel auf einmal gewollt. Der Regisseur W.D. Richter schrieb einige Jahre später, als klar wurde, dass es aufgrund der schwachen Einspielergebnisse an den Kinokassen keine Buckaroo-Fortsetzung geben würde, das Drehbuch zu John Carpenters Big Trouble in Little China, der ähnlich verrückt, aber deutlich stringenter daherkommt, und verwendete hier große Teile seines Skripts für Buckaroo II. Vieles von dem, was dort passieren sollte, können wir also heute in Big Trouble in Little China sehen.

Vielleicht liest sich das alles jetzt so, als wäre Buckaroo Banzai ein schlechter Film, aber das ist er nun wirklich nicht. Er ist herrlich abgedreht und auch durchaus unterhaltsam und spaßig, aber seine Macher wollten mit dem Drehbuch einfach zuviel auf einmal, es ist vollgestopft mit all diesen verrückten Ideen, Figuren und Einfällen, und quillt regelrecht über vor kalkuliertem Kultcharakter. Zudem ist vieles einfach zu unausgegoren und wird nicht zu Ende gedacht, das Potential der Story wird nicht zur Gänze, sondern höchstens im Ansatz genutzt und tatsächlich wäre hier weniger mehr gewesen. Am Ende fehlen einfach Herz und Seele, um einen echten Kultfilm abzuliefern.

 

6 von 10 Oszillations-Overthrustern