Rogue (2007)

14. August 2018 at 18:47

 

© Dimension Films/Quelle: IMDb

 

 

 

Als eine Gruppe von Touristen während einer Bootstour im australischen Northern Territory plötzlich von einem riesigen Krokodil angegriffen wird und das Boot kentert, können sie sich gerade noch auf eine kleine Insel auf dem Fluss retten. Doch die Sicherheit ist trügerisch und ihnen läuft die Zeit davon, denn das Biest ist immer noch da draußen und zudem lässt die zunehmende Flut immer weiter das Wasser steigen.

 

Mit Rogue begibt sich Greg „Wolf Creek“ McLean in die sumpfigen Untiefen des Tierhorrors und Australiens Horror-Export fügt mit seinem Croco-Streifen dem Genre sicherlich nichts neues hinzu, bedient dessen Strukturen und Mechanismen dafür aber gekonnt wie effektiv und versteht nicht nur sein Handwerk, sondern auch das Genre selbst. Rogue ist straff und schnörkellos inszeniert, verzichtet dankenswerter Weise auf unnötige aufblähende Nebenhandlungen und erweist sich als sehr präzise im Detail. McLean hält den Zuschauer für klug genug, seine eigenen Beobachtungen anzustellen und verfällt nicht zwanghaft dem Wahn, alles über den Dialog zu präsentieren. So bekommen seine Figuren Ecken und Kanten und wirken differenzierter, als man das in dem Genre Tierhorror vielleicht vermuten würde. Die Details sind es zudem auch, welche dem aufmerksamen Betrachter allerhand verraten, ohne dass McLean alles ständig seinen Figuren via Dialog in den Mund legen muss.

 

Visuell ist Rogue sehr hübsch geraten und zweischneidige Bilder sind das, welche McLean uns da immer wieder präsentiert: einerseits wunderschön anzusehende Naturaufnahmen, andererseits trügerisch und warnend. Erneut erweist sich die australische Wildnis als ausgesprochen menschenfeindlich und gefährlich. Es dauert etwas, bis Rogue so richtig in Schwung kommt und sein Bedrohungsszenario vollends ausspielen kann, doch dann geht alles sehr schnell: das Biest schlägt zu, ein kurzer Todeskampf, dann ist das Wasser wieder still. Niemand ist hier zu keinem Zeitpunkt sicher, das Grauen kann überall lauern, beobachten, abwarten, ganz nah sein, jederzeit angreifen. Dazu sorgen die Flut und das steigende Wasser auf der kleinen Insel im Fluss für eine hübsche Dringlichkeit und Handlungsbedarf ist gefragt. Eine trügerische Sicherheit ist das nämlich, wenn lediglich bloß wenige Meter Wasser vom Festland trennen, der schwimmende Killer jedoch zu jeder Zeit und überall blitzschnell zu schlagen kann. Das Biest selbst ist dazu angenehm bodenständig inszeniert und eben keine Mutation, kein Supermonster, keine unnatürliche Anomalie, nicht abgrundtief böse, sondern bloß ein sehr großes australisches Krokodil, welches sich in seinem Revier bedrängt fühlt und sich entsprechend verhält. Alles in allem kann sich Rogue gerade innerhalb seines Genre des Tierhorrors wirklich sehen lassen, weiß durch all seine Qualitäten zu überzeugen und gibt sich spannend, aber nicht reißerisch, effektiv, aber nicht übermäßig explizit. Eine wirklich hübsche wie gelungene Überraschung.

 

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