Wolf Creek (2005)

4. Januar 2019 at 22:58

 

 

© Roadshow Entertainment/Dimension Films/Quelle: IMDb

 

 

 

Die beiden britischen Rucksack-Touristinen Liz und Kristie sind zusammen mit dem aus Sydney stammenden Ben auf dem Weg quer durch das australische Outback hin zu einem gigantischen Meteorkrater namens Wolf Creek, doch auf dem Rückweg bleibt ihr Wagen liegen. Als sie sich beinahe schon damit abgefunden haben, die Nacht in unwirtlicher Wildnis verbringen zu müssen, tauchen aus dem Dunkeln die Lichter eines Trucks auf.

 

Schon 2005 stellte Regisseur Greg McLean mit seinem Debüt Wolf Creek eindrucksvoll unter Beweis, welche Talente in ihm schlummern. Auf das australische Genrekino fokussiert und sicherlich auch mit eine Art Vorreiter der modernen Ozploitation, erschuf er mit eben jenem Wolf Creek einen knochentrockenen wie unbarmherzigen Streifen, der in seinen besten Momenten gnadenlos effektives Terrorkino liefert. Dabei beginnt der Film bemerkenswert ruhig und geradezu entspannt, verwendet sehr viel Zeit auf seine sympathischen und glaubwürdigen Figuren sowie deren Aufbau und rückt dabei ganz nah an diese heran. Hier liegt dann letztlich auch für mich der Schlüssel zur enormen Effektivität von Wolf Creek, denn gerade weil er sich zu Beginn so viel Zeit lässt und die Spannungsschraube erst nach und nach und nur sehr langsam anzieht, geht die Eskalation schlussendlich so sehr unter die Haut. Auch beruht der Schrecken, welchen John Jarratt als der sadistisch-sympathische Mick Taylor mit einer unfassbar einnehmenden Präsenz verbreitet, keineswegs auf möglichst detaillierten Schlachtszenen, sondern auf viel subtilere Weise, wenn sich hinter dieser unnachgiebigen Grausamkeit menschliche Abgründe verbergen, die derartige Spielereien gar nicht nötig haben.

 

Wolf Creek spielt damit genauso wenig wie Mick Taylor: hier wird das Töten ernst genommen, nicht verharmlost oder gar durch Humor aufgebrochen, und gerade deswegen vermag der Film seine verstörend intensive Wirkung zu entfalten. Auch ist Taylor kein übermenschlich mächtiger, beinahe schon mythisch überhöhter Killer wie viele andere Gesichter prominenter Slasher-Streifen, sondern einfach nur ein Typ von der Straße, ein Mensch wie du und ich, der vielleicht schon seit Jahrzehnten durch die australische Wildnis streift und sein grausames Werk verrichtet. Letztlich ist Wolf Creek eine hübsche kleine, ungeschliffene und rohe Genre-Perle, die mich auch heute noch so zu packen vermag wie ihrer Zeit im Kino und bietet dem geneigten Zuschauer garstigen wie schroffen Realismus vermischt mit einem Hauch Naturmystizismus wie ihn auch Peter Weir gern einsetzte, statt überzogene Slasher-Klischees. McLean wusste damals schon sehr genau, was er da tut und liefert mit Wolf Creek spannendes wie beklemmendes Genrekino, das unter die Haut und an die Nerven geht.

 

8 von 10 Köpfen am Stiel

 

 

Rogue (2007)

14. August 2018 at 18:47

 

© Dimension Films/Quelle: IMDb

 

 

 

Als eine Gruppe von Touristen während einer Bootstour im australischen Northern Territory plötzlich von einem riesigen Krokodil angegriffen wird und das Boot kentert, können sie sich gerade noch auf eine kleine Insel auf dem Fluss retten. Doch die Sicherheit ist trügerisch und ihnen läuft die Zeit davon, denn das Biest ist immer noch da draußen und zudem lässt die zunehmende Flut immer weiter das Wasser steigen.

 

Mit Rogue begibt sich Greg „Wolf Creek“ McLean in die sumpfigen Untiefen des Tierhorrors und Australiens Horror-Export fügt mit seinem Croco-Streifen dem Genre sicherlich nichts neues hinzu, bedient dessen Strukturen und Mechanismen dafür aber gekonnt wie effektiv und versteht nicht nur sein Handwerk, sondern auch das Genre selbst. Rogue ist straff und schnörkellos inszeniert, verzichtet dankenswerter Weise auf unnötige aufblähende Nebenhandlungen und erweist sich als sehr präzise im Detail. McLean hält den Zuschauer für klug genug, seine eigenen Beobachtungen anzustellen und verfällt nicht zwanghaft dem Wahn, alles über den Dialog zu präsentieren. So bekommen seine Figuren Ecken und Kanten und wirken differenzierter, als man das in dem Genre Tierhorror vielleicht vermuten würde. Die Details sind es zudem auch, welche dem aufmerksamen Betrachter allerhand verraten, ohne dass McLean alles ständig seinen Figuren via Dialog in den Mund legen muss.

 

Visuell ist Rogue sehr hübsch geraten und zweischneidige Bilder sind das, welche McLean uns da immer wieder präsentiert: einerseits wunderschön anzusehende Naturaufnahmen, andererseits trügerisch und warnend. Erneut erweist sich die australische Wildnis als ausgesprochen menschenfeindlich und gefährlich. Es dauert etwas, bis Rogue so richtig in Schwung kommt und sein Bedrohungsszenario vollends ausspielen kann, doch dann geht alles sehr schnell: das Biest schlägt zu, ein kurzer Todeskampf, dann ist das Wasser wieder still. Niemand ist hier zu keinem Zeitpunkt sicher, das Grauen kann überall lauern, beobachten, abwarten, ganz nah sein, jederzeit angreifen. Dazu sorgen die Flut und das steigende Wasser auf der kleinen Insel im Fluss für eine hübsche Dringlichkeit und Handlungsbedarf ist gefragt. Eine trügerische Sicherheit ist das nämlich, wenn lediglich bloß wenige Meter Wasser vom Festland trennen, der schwimmende Killer jedoch zu jeder Zeit und überall blitzschnell zu schlagen kann. Das Biest selbst ist dazu angenehm bodenständig inszeniert und eben keine Mutation, kein Supermonster, keine unnatürliche Anomalie, nicht abgrundtief böse, sondern bloß ein sehr großes australisches Krokodil, welches sich in seinem Revier bedrängt fühlt und sich entsprechend verhält. Alles in allem kann sich Rogue gerade innerhalb seines Genre des Tierhorrors wirklich sehen lassen, weiß durch all seine Qualitäten zu überzeugen und gibt sich spannend, aber nicht reißerisch, effektiv, aber nicht übermäßig explizit. Eine wirklich hübsche wie gelungene Überraschung.

 

7 von 10 ausgeworfenen Ködern