Sei donne per l´assassino (Blutige Seide, 1964)

21. April 2020 at 17:30

 

 

© Emmepi Cinematografica/Unidis/Quelle: IMDb

 

 

 

In der Modeagentur der Contessa Christiana wird das junge Model Isabella brutal ermordet. Während die Polizei nicht weiter kommt, findet ihre Freundin Nicole ihr Tagebuch und muss kurz darauf ebenfalls sterben. Inspektor Silvestri treibt die Nachforschungen voran, tritt aber auf der Stelle, und der Mörder ist noch lange nicht fertig.

 

Blutige Seide. Film als Traum, Kino der Blicke. Bereits der faszinierend ausgestaltete Vorspann von Mario Bavas früher Giallo-Blaupause Sei donna per l´assassino kündet von einem seiner Grundthemen, wenn er den Gegensatz zwischen Schönheit und Leblosigkeit ganz bewusst ausstellt. Sein Film ist allerdings kein Murder Mystery, kein Whodunit, keine Hetzjagd nach einem Serienkiller, denn Bava interessiert sich für die inhaltlich narrative Ebene herzlich wenig bis gar nicht. Auch einen klassischen Spannungsbogen gibt es nicht, dafür aber eine permanent unterschwellige Anspannung. Sein Fokus liegt ganz klar auf der formal gestalterischen Ebene und durch die beinahe schon traumartige Inszenierung spielt Logik angesichts der Motive eine untergeordnete Rolle.

 

Sei donna per l´assassino ist ein gewaltiges Zeugnis vom unbändigen Willen seines Regisseurs zu unbändiger Stilistik und ganz bewusst ausgestellter Künstlichkeit sowie von dessen ausgeprägtem Gespür für visuelle Tableaus. Nichts ist dem Zufall überlassen, jedes noch so klein anmutende Detail ganz bewusst platziert und die Bilder von Kameramann Ubaldo Terzano und Bava selbst sind streng komponiert in ihrem Aufbau und doch immerzu im Fluss. Durch diese ausgesprochen stilsichere und nicht selten sexuell aufgeladene Kombination aus Licht und Farben, aus den virtuosen Bildkompositionen, den starken Perspektiven, den prachtvoll ausgestatteten Sets und dem wundervoll sinnlichen Score aus der Feder von Carlo Rustichelli entsteht ein geradezu rauschhaftes Erlebnis.

 

Lichtsetzung, Farbgebung, Bildgestaltung, Kamera, alles aus einem Guss, alles visuell brillant, und durch das gekonnte Spiel mit Licht und Schatten überträgt Bava letztlich sogar die Schwarz/Weiß-Ästhetik in den Farbfilm. Und selbst wenn er gelegentlich für kurze Momente in den Gothic Horror abdriftet, so findet er immer wieder zu seiner eigentlichen Stilistik zurück. Wie Bava den vergleichsweise schlichten Plot als Vehikel nutzt um seine inszenatorischen Stärken auszuspielen, das ist schon beeindruckend. Hat sein Vorgängerfilm La ragazza che sapeva troppo (1962) das Genre des Giallo quasi begründet, so ist es zweifellos Sei donna per l´assassino, der es nicht nur auf ein völlig neues Level hob, sondern zugleich ein meisterhaftes Muster für kommende Filmemacher abgab und darüber hinaus sogar als eine Art Proto-Slasher angesehen werden kann.

 

8 von 10 blutrote Schaufensterpuppen