Meine fünf Lieblingsfilme von John Woo

6. November 2017 at 23:22

 

Hach ja, das Hong Kong-Actionkino. Ich liebe es heiß und innig. All diese spektakulären Shootouts, die nicht einfach nur platzenden, sondern gleich explodierenden Blutpäckchen, die irren Stunts, beidhändiges Schießen, Zeitlupen, ein Ballett aus Blei und Blut, der Kitsch, all die Gefühle, all diese Männerfreundschaften voller Loyalität und Zuneigung. Wunderbar. Und John Woo ist der Meister dieses Genres, erst er hat es quasi erfunden, dann hat er es perfektioniert, dann ging er nach Hollywood. Das funktionierte nur bedingt, denn die reine Essenz seiner Hong Kong-Filme ließ sich nur zum Teil in westliche Filmkonstrukte überführen, sehenswert waren seine Filme dieser Zeit in jedem Fall und einige von ihnen mag ich auch sehr. Mission Impossible II zum Beispiel finde ich zwar nicht perfekt, aber schon besser als sein Ruf letztlich ist. In der Liste meiner fünf liebsten Filme von John Woo schafft er es allerdings nicht. Und es sind auch nicht seine qualitativ besten Filme, wohl aber meine liebsten von ihm, und um nichts anderes soll es mit dieser Liste gehen.

 

 

 

5. Broken Arrow (1996)

 

© 20th Century Fox

 

 

 

4. Hard Target (1993)

 

© Universal Pictures

 

 

 

3. Hard Boiled/Lat sau san taam (1992)

 

© Golden Princess Film Production

 

 

 

2. The Killer/Dip huet seung hung (1989)

 

© Golden Princess Film Production

 

 

1.Bullett in the Head/ Die xue jie tou (1990)

 

© Golden Princess Film Productions

 

 

 

 

Lethal Warrior (Saat po long 2/ Kill Zone 2)

14. Februar 2017 at 12:39

 

 

 

  © Bravos Pictures

 

 

Drei Männer mit unterschiedlichsten Interessen stehen hier im Mittelpunkt eines wendungsreichen Katz – und Maus-Spieles: zum einen der Gefängniswärter Chatchai, der auf der verzweifelten Suche nach dem Mann ist, der mit seiner Knochenmarkspende das Leben seiner schwerkranken Tochter retten könnte. Bei diesem handelt es sich um den drogensüchtigen Undercover-Cop Chan-Chi Kit, der in den Organhandel-Ring von Gangsterboss Hung Mun-Gong eingeschleust wurde. Letzterer benötigt dringend ein neues Herz, doch der einzige in Frage kommende Spender ist sein eigener Bruder. Ein Geflecht aus verschiedensten Motiven, Zielen und Plänen verwebt die Schicksale dieser drei Männer miteinander, doch nicht jeder von ihnen wird diese auch erreichen.

 

Von einer vertrauenswürdigen Quelle kam die Empfehlung, mir mal Lethal Warrior von Regisseur Pou-Soi Cheang anzuschauen, wenn ich die Möglichkeit hätte. Günstig beim Versandhändler meiner Vertrauens erstanden, wanderte der Film dann auch schnell bei mir in den heimischen Player. Und was soll ich sagen? An jeden, der etwas mit dem Hong Kong-Actionkino anfangen kann, gebe ich diese Empfehlung nun weiter. Lethal Warrior ist weit mehr als der durchschnittliche Asia-Klopper und hat einen spannenden und von seinen Charakteren und deren Motiven getriebenen Handlungsbogen, der letztlich kunstvoll wie elegant seine verschiedenen Erzählstränge zusammenführt und in einem emotionalen Finale auflöst. Auch wenn der Einstieg in die Handlung zunächst etwas konfus und unübersichtlich ausfällt, weil Details über die handelnden Figuren erst nach und nach preisgegeben werden, entfaltet sich doch schnell eine stringente, stetig anziehende Dramaturgie, welche sehr zielgerichtet einem großen Konflikt entgegen strebt. Der erzählerische Rhythmus ist hervorragend und Lethal Warrior beginnt ausladend wie bedächtig, zieht seine Kreise aber mit fortschreitender Handlung immer enger und verdichtet gekonnt Spannung und Action immer weiter, bis sich alles im letzten Akt entlädt. Gut, das Finale übertreibt ein wenig und nutzt vielleicht etwas zu viele Spezialeffekte, bleibt aber auch dank der kunstvollen Inszenierung nicht weniger spannend. Die zunächst noch ruhige Einführung der Figuren sowie deren Entwicklung steht gleichberechtigt neben druckvollen Kampfszenen und spektakulären Shootouts. Ein großes Highlight ist sicherlich eine furios inszenierte Gefängnisrevolte, aber Glanzpunkte gibt es einige zu bestaunen, ist die Action in Lethal Warrior doch meist von großer Kinetik, deren Wirkung nur noch verstärkt wird, indem sie mit einer nicht zu verachtenden Emotionalität einher geht. Zudem hat der Film einige kleine, aber hoch interessante wie ausgesprochen gelungene Ideen zu bieten, wenn zum Beispiel ein Smartphone – sonst oft ein schnell bemühtes Hilfsmittel für faule Drehbuchautoren – äußerst kreativ zum Einsatz kommt und auch die Sprachbarriere zwischen dem Thai Chatchai und dem Chinesen Chan-Chi Kit weiß Pou-Soi Cheang sinnvoll zu nutzen. Und ein ganz besonderer Reiz geht auch von der Figurenkonstellation selbst aus, wenn die Charaktere sehr viel weniger von ihren Beziehungen untereinander wissen als der Zuschauer. Sicher ist so mancher Moment theatralisch, einige sind sogar kitschig und emotional sehr überhöht, aber das ist von jeher auch immer Bestandteil eben jenes Hong Kong-Actionkinos der späten 80er und frühen 90er Jahre gewesen, in dessen Tradition sich Lethal Warrior überwiegend sieht. Ein Kritikpunkt, den ich dem Film durchaus verzeihen kann, aber ebenso verstehen kann, wenn das einigen dann doch zu sentimental ist.

 

Lethal Warrior ist zweifellos eine Empfehlung wert, denn Pou-Soi Cheang inszeniert seinen Film stilsicher, druckvoll und mit einer sehr guten Balance aus Action und Figurenentwicklung aus. Dazu sind mit Tony Jaa, Zhang Jin und Wu Jing einige der talentiertesten Kampfsportler der jüngeren Generation in teils erstaunlichen Set-ups zu bestaunen. Wer dem asiatischen Actionfilm grundsätzlich nicht abgeneigt ist und mit dem manchmal schwülstigen Pathos des Hong Kong-Actionkinos leben kann, der wird an Lethal Warrior seine Freude haben. Ich hatte sie jedenfalls.

 

7,5 von 10 gebrochenen Knochen