Lethal Warrior (Saat po long 2/ Kill Zone 2)

14. Februar 2017 at 12:39

 

 

 

  © Bravos Pictures

 

 

Drei Männer mit unterschiedlichsten Interessen stehen hier im Mittelpunkt eines wendungsreichen Katz – und Maus-Spieles: zum einen der Gefängniswärter Chatchai, der auf der verzweifelten Suche nach dem Mann ist, der mit seiner Knochenmarkspende das Leben seiner schwerkranken Tochter retten könnte. Bei diesem handelt es sich um den drogensüchtigen Undercover-Cop Chan-Chi Kit, der in den Organhandel-Ring von Gangsterboss Hung Mun-Gong eingeschleust wurde. Letzterer benötigt dringend ein neues Herz, doch der einzige in Frage kommende Spender ist sein eigener Bruder. Ein Geflecht aus verschiedensten Motiven, Zielen und Plänen verwebt die Schicksale dieser drei Männer miteinander, doch nicht jeder von ihnen wird diese auch erreichen.

 

Von einer vertrauenswürdigen Quelle kam die Empfehlung, mir mal Lethal Warrior von Regisseur Pou-Soi Cheang anzuschauen, wenn ich die Möglichkeit hätte. Günstig beim Versandhändler meiner Vertrauens erstanden, wanderte der Film dann auch schnell bei mir in den heimischen Player. Und was soll ich sagen? An jeden, der etwas mit dem Hong Kong-Actionkino anfangen kann, gebe ich diese Empfehlung nun weiter. Lethal Warrior ist weit mehr als der durchschnittliche Asia-Klopper und hat einen spannenden und von seinen Charakteren und deren Motiven getriebenen Handlungsbogen, der letztlich kunstvoll wie elegant seine verschiedenen Erzählstränge zusammenführt und in einem emotionalen Finale auflöst. Auch wenn der Einstieg in die Handlung zunächst etwas konfus und unübersichtlich ausfällt, weil Details über die handelnden Figuren erst nach und nach preisgegeben werden, entfaltet sich doch schnell eine stringente, stetig anziehende Dramaturgie, welche sehr zielgerichtet einem großen Konflikt entgegen strebt. Der erzählerische Rhythmus ist hervorragend und Lethal Warrior beginnt ausladend wie bedächtig, zieht seine Kreise aber mit fortschreitender Handlung immer enger und verdichtet gekonnt Spannung und Action immer weiter, bis sich alles im letzten Akt entlädt. Gut, das Finale übertreibt ein wenig und nutzt vielleicht etwas zu viele Spezialeffekte, bleibt aber auch dank der kunstvollen Inszenierung nicht weniger spannend. Die zunächst noch ruhige Einführung der Figuren sowie deren Entwicklung steht gleichberechtigt neben druckvollen Kampfszenen und spektakulären Shootouts. Ein großes Highlight ist sicherlich eine furios inszenierte Gefängnisrevolte, aber Glanzpunkte gibt es einige zu bestaunen, ist die Action in Lethal Warrior doch meist von großer Kinetik, deren Wirkung nur noch verstärkt wird, indem sie mit einer nicht zu verachtenden Emotionalität einher geht. Zudem hat der Film einige kleine, aber hoch interessante wie ausgesprochen gelungene Ideen zu bieten, wenn zum Beispiel ein Smartphone – sonst oft ein schnell bemühtes Hilfsmittel für faule Drehbuchautoren – äußerst kreativ zum Einsatz kommt und auch die Sprachbarriere zwischen dem Thai Chatchai und dem Chinesen Chan-Chi Kit weiß Pou-Soi Cheang sinnvoll zu nutzen. Und ein ganz besonderer Reiz geht auch von der Figurenkonstellation selbst aus, wenn die Charaktere sehr viel weniger von ihren Beziehungen untereinander wissen als der Zuschauer. Sicher ist so mancher Moment theatralisch, einige sind sogar kitschig und emotional sehr überhöht, aber das ist von jeher auch immer Bestandteil eben jenes Hong Kong-Actionkinos der späten 80er und frühen 90er Jahre gewesen, in dessen Tradition sich Lethal Warrior überwiegend sieht. Ein Kritikpunkt, den ich dem Film durchaus verzeihen kann, aber ebenso verstehen kann, wenn das einigen dann doch zu sentimental ist.

 

Lethal Warrior ist zweifellos eine Empfehlung wert, denn Pou-Soi Cheang inszeniert seinen Film stilsicher, druckvoll und mit einer sehr guten Balance aus Action und Figurenentwicklung aus. Dazu sind mit Tony Jaa, Zhang Jin und Wu Jing einige der talentiertesten Kampfsportler der jüngeren Generation in teils erstaunlichen Set-ups zu bestaunen. Wer dem asiatischen Actionfilm grundsätzlich nicht abgeneigt ist und mit dem manchmal schwülstigen Pathos des Hong Kong-Actionkinos leben kann, der wird an Lethal Warrior seine Freude haben. Ich hatte sie jedenfalls.

 

7,5 von 10 gebrochenen Knochen

 

 

Skin Trade

26. August 2015 at 14:38

 

 

 

Skin Trade (2014)
Skin Trade poster Rating: 5.8/10 (2853 votes)
Director: Ekachai Uekrongtham
Writer: Gabriel Dowrick (screenplay), Steven Elder (screenplay), Dolph Lundgren (screenplay)
Stars: Dolph Lundgren, Tony Jaa, Michael Jai White, Ron Perlman
Runtime: 96 min
Rated: R
Genre: Action, Crime, Thriller
Released: 23 Apr 2015
Plot: After his family is killed by a Serbian gangster with international interests, NYC detective Nick goes to S.E. Asia and teams up with a Thai detective to get revenge and destroy the syndicates human trafficking network.

 

 

 

„How do you sleep at night. How can you do this?”

 

 

 

Der Cop Nick Cassidy ist schon seit geraumer Zeit einem skrupellosen Ring von Menschenhändlern auf der Spur, doch er kommt dabei Viktor Dragovic, dem serbischen Kopf dieser Bande, gefährlich nahe. Als bei einem Einsatz gegen Dragovic einer seiner Söhne von Cassidy erschossen wird, lässt er kurzerhand zum Ausgleich die Familie des aufrechten Polizisten umbringen. Cassidy überlebt schwer verletzt und sinnt auf Rache. Die Spur von Dragovic führt über Kambodscha schließlich nach Thailand, wo sich Cassidy nicht nur mit dessen Schergen herum schlagen muss, sondern zunächst auch mit dem thailändischen Cop Tony Vitayakul, der seinerseits ebenfalls hinter Dragovic her ist….

 

Der Cast, den der thailändische Regisseur Ekachai Uekrongtham hier für Skin Trade versammelt, ist für ein solches B-Movie mehr als nur ansehnlich. Hier treffen Dolph Lundgren, Tony Jaa, Ron Pearlman, Peter Weller und Michael Jai White aufeinander, ja, sogar mit Cary-Hiroyuki Tagawa gibt es ein, wenn auch nur sehr kurzes, Wiedersehen. Zudem hat Lundgren das Drehbuch geschrieben und den Film dazu noch produziert, man könnte also sagen, dass ihm Skin Trade persönlich wichtig war. Der Film nimmt seine grundlegende Thematik durchaus ernst, das spürt man deutlich, und Lundgren will nach eigener Aussage sieben Jahre an dem Stoff gearbeitet haben. Letztlich aber kratzt Skin Trade allenfalls an der Oberfläche des Themas Menschenhandel und nutzt es lediglich, um eine Ausgangslage für die Rachestory zu schaffen, die sich dann entspinnt. Aber das ist nicht weiter schlimm, denn am Ende ist Skin Trade schließlich nicht mehr als ein reinrassiger Actionfilm im Geiste der 80er Jahre. Dennoch beschleicht einen zwischendurch immer mal wieder leise das Gefühl, der Film wäre gerne mehr als das, aber dafür verfolgt er sein Thema einfach nicht konsequent genug, was, wie gesagt, absolut in Ordnung ist, denn als Actioner funktioniert er durchaus gut.

 

Und die Action kann sich absolut sehen lassen und ist straff und zielgerichtet inszeniert. Die Kampfszenen und Verfolgungsjagden sind knackig und durchaus effektiv umgesetzt und mit der nötigen Härte gewürzt. Sicherlich meilenweit entfernt vom Genreprimus The Raid (wahlweise auch Teil 2), aber diesen Vergleich darf man gar nicht erst ziehen, diese Messlatte ist eine ganz andere Welt. Schön zu sehen, dass jeder Protagonist, sei es nun Lundgren, Jaa oder White, seinen Fight spendiert bekommt, und die geraten auch nicht unbedingt zu kurz, sind gut choreografiert und wissen zu unterhalten. White hätte etwas mehr Screentime verdient gehabt, aber bei drei solchen Hochkarätern in der Besetzung ist es etwas schwierig, da eine geeignete Balance zu installieren. Insbesondere der Kampf zwischen Lundgren und Jaa sticht da hervor, der ist sicherlich eines der Highlights in Skin Trade. Als zweites Highlight unbedingt erwähnenswert ist eine mehr als nur ansehnliche Verfolgungsjagd zwischen Lundgren auf einem Motorrad auf den Straßen und Jaa zu Fuß parcourartig über die Dächer der Stadt. Leider fallen die Shootouts in ihrer Qualität durchgängig ab im Vergleich zu den Kampfszenen und wissen kaum zu begeistern. Auch der Showdown kommt etwas lasch daher, die actionreichen Höhepunkte des Films finden sich eindeutig im Mittelteil. Sehr erfreulich hingegen ist der für einen Film diese Größenordnung erstaunlich geringe CGI-Anteil und überhaupt wirkt Skin Trade eigentlich nie so richtig billig, alles ist ansehnlich in Szene gesetzt und das Budget von rund 9 Mio. Dollar wird äußerst effektiv ausgeschöpft. Da haben ähnliche Filme mit größerem Budget schon deutlich schlechter ausgesehen.

 

Am Ende ist Skin Trade ein handwerklich solider, routiniert umgesetzter und ein wenig formelhafter B-Actioner aus der zweiten Reihe, der für seine Nische überraschend hochwertig und ohne größere Schwächen daherkommt und mit knackiger Action und gelungener Besetzung glänzen kann. Die üblichen Logiklöcher und Filmfehler sind vorhanden, aber kaum erwähnenswert und in diesem Genre ohnehin meist nicht von Bedeutung. Durch seine straffe Inszenierung wird Skin Trade zu keiner Sekunde wirklich langweilig, das Tempo ist hoch, Längen gibt es hier keine und man wird durchgängig unterhalten. Alles in allem nicht herausragend, aber erfrischend solide bei all dem Schrott, der zuletzt gerne Mal in diesem Teil der Filmwelt veröffentlicht wurde und die Videotheken überschwemmt. Und das der Film seiner Thematik nicht gerecht werden kann…. naja, das hätte doch ohnehin niemand ernsthaft erwartet, oder? Am Ende bleibt die Erkenntnis: Onkel Dolph wird´s richten, so oder so…. auch in der Fortsetzung.

 

7 von 10 druckvollen Fights zwischen Genregrößen